Customer Review:
im Gegensatz zu Polit-Talkshows keine Zeitverschwendung
Nachdem ich mit dem Lesen begonnen hatte, konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen.
Der Autor stellt nicht einfach Behauptungen auf, sondern bezieht sich größtenteils auf Fakten (wachsende Staatsverschuldung, abnehmende Kinderquote, ...).
Die Highlights des Buches sind m.E. die gut verständliche Argumentationskette sowie "Aha-Informationen". Einige Beispiele zu letzteren:
- Welchen maßgeblichen Einfluss hat die Staatsverschuldung auf unser Bruttoinlandsprodukt?
- Wie kam unser Förderalismus zustande? Wer waren die geistigen Väter des Förderalismus? Was waren ihre Absichten?
- Welche Rolle spielte Adenauer - besonders im Vorfeld von Wahlen?
- Wie sah das Originalkonzept eines umlagenfinanzierten Rentensystems aus, bevor es von Adenauer und anderen Politikern kastriert wurde?
- Dienen Maßnahmen wie die Abschaffung der Vermögenssteuer oder die Senkung des Einkommens-Spitzensteuersatzes wirklich dem Erhalt normal bzw. niedrig bezahlter Arbeitsplätze?
- Wie halten es Länder, die eine hohe Beschäftigungsquote haben, mit der Erbschaftssteuer oder mit der Besteuerung von Gewinnen aus Börsenspekulationen?
Sechs von sieben Kapiteln widmen sich der Diagnose. Sie sind, wie ich finde, von höchstem Niveau.
Im Kapitel 7 mit dem Titel "Was tun?" wird für ein Lösungskonzept geworben. Es erscheint mir insgesamt gut durchdacht. Dass beim Lesen eines solchen Lösungsansatzes gehäuft Fragen aufkommen, halte ich angesichts der Thematik des Buches für normal. Sicherlich ist dieser letzte Abschnitt noch ausbaufähig, aber nicht grundsätzlich verkehrt. Man muss dem Schlusskapitel zugute halten, dass viele unserer professionellen Problemlöser (Politiker) bereits mit der Diagnose überfordert sind.
Letztendlich verstehe ich dieses Buch nicht als Werbung für die Ideen eines SPIEGEL-Meinungsmachers sondern als Anstoß, sich eine eigene Meinung zu bilden. Sehr empfehlenswert.
Kurze und prägnate Geschichtsstunde
Intelligent, pointiert und prägnant analysiert Gabor Steingart den wirtschaftlichen Aufstieg und Absturz des Wohlfahrtsstaates Deutschland und orientiert sich dabei an den geschichtlichen Entwicklungen, beginnend beim Kriegsende über die Wiedervereinigung bis heute. Abschließend zeigt er noch Wege aus der Krise auf.
Fazit: stringent in der Argumentation. Kurz und präzise in der Analyse. Etwas zu allgemein gehalten bei den Verbesserungsvorschlägen. Empfehlenswert.
Es wäre zum Lachen, wenn das Thema nicht so ernst wäre
Gar nicht trocken, also ganz anders als andere Politsachbücher, teilweise sogar zum Schmunzeln, trotz des ernsten Themas, kommt Gabor Steingart mit diesem Buch daher. Haben Sie keine Angst vor spröden politischen/wirtschaftlichen Ausdrücken. Der Autor schreibt ganz toll, benutzt viele metaphorische Vergleiche (Volkswirtschaft = stockender Motor z.B.), so dass auch Laien dieses Buch verstehen werden.
Beginnend mit dem Ende des Ersten Weltkrieges bis heute zeigt er die Fehler auf die dazu führten, dass Deutschland heute nicht mehr die Wirtschaftsmacht ist, die es mal war. Was lief falsch unter unserem allseits beliebten Konrad Adenauer? Welche grundlegenden Dinge gingen bei Willy Brandt und Helmut Schmidt schief? Waren 16 Jahre Helmut Kohl komplett für die Katz? Und ist es tatsächlich egal wer momentan an der Macht ist? Im letzten Kapitel dann natürlich noch die Vorschläge wie man die Lage im Lande verbessern könnte. Als Beispiel sei die Verbilligung der Arbeit genannt oder auch die private Altersvorsorge. Ob dies realistische, durchführbare Ideen sind, darüber kann man sich vielleicht streiten, aber zumindest wird jeder Leser darüber nachdenken. Und genau das ist wichtig.
Für mich eines der besten Sachbücher der letzten Zeit! Es erklärt wichtige Zusammenhänge, es deckt schonungslos auf und es erweitert natürlich den eigenen Horizont. Zumindest behaupte ich aus diesem Buch etwas gelernt zu haben. Volle Punktzahl.
Books: