Grenze und ungleiche regionale Entwicklung. Binnenmarkt und Migration in der Habsburgermonarchie

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Authors: Andrea Komlosy
Catalog: Book
Media: Broschiert
Release Date: Januar 2003
Publisher: Promedia, Wien
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Customer Review:
Grenze und ungleiche regionale Entwicklung.
Das von Andrea Komlosy herausgegebene Buch basiert auf einer von ihr vorgelegten Habilitationsschrift, die die Besonderheiten der räumlichen Grenzen der österreichischen Monarchie untersucht.
Den Anforderungen einer Habilitationsschrift entsprechend, stützt sich die wissenschaftliche Methode zur Untersuchung dieser Thematik auf eine theoriegeleitete Literatur- und Quellenkritik und auf eine qualitative Auswertung verfügbarer Quellen aus diversen Herrschaftsarchiven, wobei vorhandene amtliche Statistiken entsprechend quantitativ berücksichtigt wurden. Zusätzlich wurde die gewählte Untersuchungsmethode durch typische mikrohistorische Fallstudien mit ihren spezifischen regionalen Interaktionszusammenhängen ergänzt. Für Andrea Komlosy eignete sich die Habsburgermonarchie deshalb als Untersuchungsgegenstand, da es sich um ein Großreich mit unterschiedlichen Wirtschafts- und Kulturräumen, politischen Verfassungen und verschiedenen Nationalitäten handelte und diese in einem gewissen Sinn eine „Weltwirtschaft im Kleinen" darstellte. Während die Gesamtmonarchie die größte Untersuchungseinheit umfasst, beschränkt sich die nächste Ebene auf die Räume der deutschen und böhmischen Länder und die im Lauf des 18. Jahrhunderts erworbenen Gebiete. Der nächst kleinere Horizont umfasst die Erzherzogtümer Österreich ob und unter der Enns.
Für den militärisch-historischen Leser ist eine Beschäftigung mit der Grenzthematik u. a. deshalb interessant, da eine „außenseitige" Sicherung oder auch Ausdehnung der Grenze vorwiegend von Streitkräften samt ihren Organisationen wahrgenommen wird. Andrea Komlosys Untersuchung zeigt u. a. auch, dass ab dem 18. Jahrhundert, als der Warenverkehr sukzessive von Binnenzöllen und -mauten befreit und die Zollkontrolle an die Außengrenze des Staates verlegt wurde, parallel dazu staatliche Maßnahmen zur Regulierung der menschlichen Bewegungsfreiheit einsetzten. Für die Kontrolle der Migration, die in ihrer Mehrzahl die Binnenreisen und -wanderungen betraf, war jedoch das vielfältige Netz von innerstaatlichen Grenzen der Habsburgermonarchie von entscheidender Bedeutung. Diese legten auch die Räume fest, in denen die Staatsuntertanen Anspruch auf bestimmte Rechte und Leistungen oder bestimmte Pflichten zu erfüllen hatten.
So bediente sich der Staat im Hinblick auf die Armenversorgung bestehender administrativer Einheiten, wie der Pfarrgemeinden. Aber auch zur Durchführung der Heeresergänzung auf Basis der Konskription griff der Staat auf die Dienste der Pfarren zurück, die auf Grund der Matrikenführung ein monopolistisches Wissen über ihre Untertanen hatten. Der „moderne" Staat versuchte nämlich abseits der ständischen Herrschaftsstrukturen, auch auf dem Umweg der kirchlichen Strukturen ein direktes Verhältnis zu seinen Untertanen herzustellen. Zu diesem Zweck war es allerdings zuvor erforderlich, die Loyalität der Pfarrer von der Kirchenhierachie und der Grundherrschaft auf die Staatsmacht umzuleiten. Die josephinische Pfarrregulierung schuf die notwendigen Voraussetzungen. Parallel dazu mussten auch Institutionen für die Musterung, Auswahl und Einberufung der Soldaten geschaffen werden, die die bisherigen, im Dienst der jeweiligen Herrschaften tätigen Werber ersetzten. Dadurch wurde mit der Konskriptionsordnung des Jahres 1771 die Mehrzahl der habsburgischen Erbländer in Werbbezirke unterteilt, die den einzelnen Regimentern zugeordnet wurden. Dieser Werbbezirk stellte damit eine weitere Einheit dar, in der sich die staatliche Kompetenz gegenüber jenen der Herrschaften vergrößerte.
Andrea Komlosy weist in ihrer Arbeit u. a. nach, dass die konkrete Ausprägung des Raumbezuges auf den sozialen Differenzierungen basierte. Während die kollektive Identität beim Adel, bei dem Offizierskorps, bei Fahrenden, bei Großhandel und Exportgewerbe sowohl im Mittelalter als auch in der frühen Neuzeit überregional orientiert war, hatte sie bei Bauern und lokalen Gewerbetreibenden vorwiegend kleinräumigen Charakter.
Abgeschlossen wird die historische Untersuchung nicht nur mit einer zusammenfassenden Darstellung der Untersuchungs- und Erkenntnisleitlinien, sondern auch mit einem aktuellen Bezug zu einem möglichen Umgang der Europäische Union mit ihren regionalen Disparitäten.

Books:

  1. Kultur und Bildung. Kunst und Leben. Zwischen Sinn und Sinnlichkeit. Texte 1970 - 2000
  2. Massenhaftes Töten. Kriege und Genozide im 20. Jahrhundert
  3. Mein Name ist Mensch. Das Interview
  4. Südostasien. Gesellschaften, Räume und Entwicklung im 20. Jahrhundert
  5. Solidarische Grundsicherung, Private Vorsorge. Der Weg aus der Rentenkrise
  6. Das große Übel der Bourgeoisie
  7. Politisches Denken im 20. Jahrhundert. Die Anfänge
  8. Ein neues Akkumulationsregime. Die Regulationstheorie auf dem Prüfstand
  9. Wasser: Schlüssel zu Krieg und Frieden im Nahen Osten. Zurück zu den Ursachen des Nahost-Konfliktes
  10. Zwischen Platte und Penthaus

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