Customer Review:
Geschichte interessant erzählt, leider etwas veraltet und einseitig
Die Geschichte Lateinamerikas aus der Sicht eines kritischen Lateinamerikaners bringt unter "anderem" Blickwinkel zahlreiche geschichtliche Ereignisse interessant näher, besonders wenn man auf Reisen in diesen Ländern ist. Soweit so gut.
Allerdings "endet" das Buch in den Siebzigern, in welchen es geschrieben wurde - eine Aktualisierung wäre mehr als wünschenswert! Die Kritik am Imperialismus Englands, Spaniens u.v.a. der USA ist dermassen einseitig, dass die Glaubhaftigkeit darunter leidet.
Nicht mehr zeitgemäß
Ich habe das Buch vor längerer Zeit zum ersten mal gelesen - und fand es damals gar nicht so unerträglich: für ein Buch, dass sich mit der Geschichte eines ganzen Kontinentes beschäftigt, ist es erfreulich kurz gehalten und darüber hinaus auch noch gut lesbar. Das hat ja schließlich auch Methode: Schon im Vorwort beschreibt Eduardo Galeano sein Ziel, weder für ein wissenschaftliches Fachpublikum zu schreiben, noch für Betonideologen, die schon alles wissen.
Der Autor entwirft ein breites Panorama lateinamerikanischer Geschichte: Länder voller Reichtümer und Naturschätze, die über die unterschiedlichen Epochen hinweg immer wieder in ihrer Entwicklung stolpern oder manchmal gar nicht erst richtig auf die Beine kommen - ironischerweise trotz oder vielleicht gerade wegen dieser Naturschätze. Dem wird die an manchen Stellen die Geschichte Nordamerikas gegenübergestellt, das an seiner Ostküste (die zuerst nennenswert von Europäern besiedelt wurde) kaum über Gold, Silber oder ähnliches verfügte und kaum das Ziel von europäischen Raubrittern spanischer oder portugiesischer Provenienz war - Englands Kolonisten wollten "nur" Ackerbau und Viehzucht, neben Religionsfreiheit, versteht sich. Letzteres gab es im Süden nicht, dafür aber Gold in rauen Mengen - man musste es nur seinen Besitzern wegnehmen und zu Barren umschmelzen.
So begann nach Galeano eine Geschichte der Fremdbestimmung eines Kontinents, aber der Autor vergisst nicht zu erwähnen, dass die heimischen Eliten sich selbst immer wieder als unfähig oder unwillig erwiesen haben, daran etwas zu ändern. Auch die unzähligen, oftmals blutigen Militärputsche, die im 19. und zwanzigsten Jahrhundert die Geschichte des Kontinentes prägten, waren meist Resultat dieser Fremdbestimmung.
Nun hat es jedoch in Südamerika in den letzten 25 Jahren kaum noch erfolgreiche Militärputsche gegeben - insoweit scheinen die unseligen Traditionen doch nicht in allen Fällen unsterblich zu sein. Als das Buch Ende der siebziger Jahre geschrieben wurde, war ganz Lateinamerika noch ein fast geschlossener Verbund von Militärdiktaturen. Ungewohnt daran ist auch, dass das einzige Land des Kontinents, dass sich heute zusehends in eine Militärdiktatur zu verwandeln scheint, Venezuela, von einem General regiert wird, der sich fast ganz über einen rustikalen Antiamerikanismus definiert und mit kolumbianischen Drogenguerillas und diversen Terroristen Geschäfte macht, während nichtsdestoweniger die Wirtschaft im Lande kollabiert. Zu Zeiten von den "offenen Adern" war es noch Usus, dass Generäle im Präsidentensessel ihre Ausbildung in geheimen Camps in der amerikanischen Panama-Kanalzone erhalten hatten und ihre Lehrmeister in der Regel nicht enttäuschten. Eine Frage, die das Buch heutigen Lesern nicht beantworten kann ist auch diese: Wieso ist das wirtschaftlich seit Jahren erfolgreichste Land des ganzen Kontinents ausgerechnet Chile, das seit den achtziger Jahren am konsequentesten den Weg der Marktwirtschaft gegangen ist, mithin einer Wirtschaftsform, die Galeano im Einklang mit dem damaligen Zeitgeist durch die Bank verteufelt?
"In Cuba gibt es heute keine Armut" lautet tatsächlich das kurze und gelinde gesagt, etwas naive Urteil des Autors über das sozialistische Massenexperiment auf der Zuckerinsel, dass nicht nur den realen Zuständen dort schon damals Hohn sprach, sondern auch die tausenden politischen Häftlinge ignorierte, die den Fehler gemacht haben, zu sagen, dass es auch unter Castro Armut auf Cuba gibt.
Fazit: Streckenweise zutreffende historische Diagnose, größtenteils lesbar, aber überholt und schon damals naiv in der Therapie.
Ein Pamphlet, 30 Jahre alt und nicht besser geworden
Mir wurde dieses Buch geschenkt und ich habe es mit viel Mühe kaum geschafft, über die ersten 10 Seiten hinwegzukommen. Revolutionäres Gelaber mit viel Pseudosubstanz. Fast 400 Seiten und egal wo man das Buch aufschlägt kann man lesen, wie der Arme vom bösen Kapitalist übers Ohr gehauen wurde. Das Buch ist eine große Anklage, darin ist es auch nicht so schlecht. Nur ist das Werk so einseitig dass man es ohne Übertreibung ein Pamphlet nennen kann. Damit kann ich nichts anfangen, Michael Moore-Fans sehen das wahrscheinlich anders.
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