Customer Review:
Es sind immer die anderen schuld
Für mich stellt sich die Frage, ob Ines Geipel wirklich aufarbeiten oder nur verurteilen, Schuldige suchen will.
Alle Beteiligten standen an diesem 26. April vor einer nie dagewesenen Situation. Kein Arzt, kein Rettungssanitäter, kein Polizist hat/haben vorsätzlich Menschen Hilfe verweigert. Was hätte Frau Geipel geschrieben, wenn ein noch größeres Blutbad passiert wäre??? Mir fehlt die Aufarbeitung der Frage, wie dies geschehen konnte. Wie kann es sein, dass Eltern wider den Rat der Lehrer ihr Kind auf das Gymnasium zwingen, wie kann es sein, dass Kinder noch immer ungehinderten Zugang zu gewaltverherrlichenden Medien haben, wie kann es sein, dass Lehrer in dieser Gesellschaft verurteilt werden, wenn sie Schülern Grenzen aufzeigen etc. Ich bin einfach nur wütend, dass in diesem Buch wieder einmal die Menschen zu Tätern gemacht werden, die eigentlich die Opfer dieser gesellschaftlichen Misere sind, die Polizisten, die Lehrer, die Ärzte. Es wäre hilfreich gewesen, alle Betroffenen, die Kinder, die Lehrer und die Eltern dieser Schule vor der Veröffentlichung des Buches um Einverständnis zu bitten.
Immer noch offene Fragen
Nachdem ich dieses Buch gelesen habe, stellten sich mir immer noch Fragen und vor allem fehlende Antworten. Gott sei Dank, hat sich das Land Thüringen einiges überlegt, wie sie Rettungs- und Katastropheneinsätze mit einem neuen Gesetz in Zukunft besser koordinieren will. Hoffentlich bringt dies auch was. Das heilose Durcheinander nach dem Amoklauf wird im Buch sehr eindrucksvoll beschrieben und ich bekam eine Gänsehaut, wenn ich mir vorstelle, mein Kind ist stundenlang eingesperrt und keiner hilft!! Die armen Lehrer die noch lebten und wirklich allein gestorben sind. Keiner stand ihnen bei, hielt ihnen die Hand. Die zwei Kinder, die vielleicht auch gerettet werden könnten. Nichts ist passiert. Das Buch hinterfragt schon sehr vieles, ist aber an manchen Stellen etwas konvus und oberflächlich. Z.B. der ARtikel wo Elsa das Konzentrationslager Buchenwald besucht und entdeckt, dass es Nazis auch in der DDR gut hatten. Wer das nicht weiss ist einfach dumm. Das hat aber mit Robert Steinhäuser nichts zu tun! Man hätte auch die Eltern mehr beleuchten müssen, schließlich leiden sie auch, sie haben immerhin einen Sohn verloren und tragen nun seine Schuld ein Leben lang! Das ist doch eine Tragik für sich. Egal wo man hingeht, immer wird man mit dem Sohn in Verbindung gebracht, der 16 Menschen auf dem Gewissen hat. Und Vergebung gibt es nicht, nicht mal vom Pfarrer. Ich hab für mich aus diesem Buch das rausgeholt, was für mich entscheidend ist. Nie aufzuhören mit seinen Kindern zu reden, einfach dazusein wenn es mal wieder schwer auf ihnen lastet, egal was. Das gewisse "offene Ohr" ist jetzt noch offener geworden und sensibler. Danke!
Ein notwendiges und mutiges Buch
Wohl kaum ein Buch hat innerhalb kürzester Zeit so viel erreicht, wie das von Ines Geipel. Es war Auslöser für die Einsetzung einer Untersuchungskommission, welche den Fall "Gutenberg-Gymnasium" erneut aufrollte. Ines Geipel hat für ihr Buch viel Häme einstecken müssen, welche sich meist auf die von ihr gewählte Form des "literarischen Sachbuchs" bezog. Die Fragen, die sie aufwarf, konnten ihr allerdings nicht abgesprochen werden. An ihnen hangelte sich die Kommission bei ihren Ermittlungen entlang - und hat sie dennoch nicht endgültig beantworten können. Das liegt jedoch auch daran, dass man es 2002 versäumt hat, den "Amoklauf von Erfurt" wirklich auszuermitteln, der Täter war tot und somit nicht mehr juristisch zu belangen.
Frau Geipel hat ein sehr mutiges Buch geschrieben, so wie sie sich auch immer wieder mutig ihren Kritikern stellt, wie z.B. in der Erfurter Kaufmannskirche. Wer die Stimmung dort erlebt hat, kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie mit ihren Thesen ins Schwarze getroffen hat.
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