S.O.S. Familie

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S.O.S. Familie


Authors: Renate Schmidt
Catalog: Book
Media: Gebundene Ausgabe
Release Date: 2002
Publisher: Rowohlt, Berlin
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Kategorien - Politik & Geschichte - Politik nach Bereichen - Familienpolitik

Customer Review:
Richtige Erkenntnis, falscher Lösungsansatz
Grundsätzlich ist es eine begrüßenswerte Sache, wenn Spitzenpolitiker(innen) sich darüber klar werden und es auch offen aussprechen, wie wichtig und zukunftsentscheidend Familie und Kinder sind. Frau Schmidt plädiert durchaus überzeugend für eine neue Stärkung der Familie in unserer aussterbenden Gesellschaft. Doch leider tut sie dies wieder lediglich mit dem altbekannten Rezept, was uns z. Zt. aus (fast) allen Ecken entgegenschallt: Mehr (Ganztags-)Betreuung!
Ihr Bekenntnis zur Wahlfreiheit, ob ein Elternteil längerfristig auf die Erwerbstätigkeit zugunsten der Kindererziehung verzichtet, oder aber Fremdbetreuungseinrichtungen in Anspruch nimmt und weiter erwerbstätig bleibt, überzeugt nicht wirklich, da sie vehement den zweiten Weg propagiert. Sie selbst hat im eigenen Leben einen durchaus alternativen Weg gewählt: ihr Ehemann wurde Hausmann (S. 15). Sehr gut! Aber warum sollen wir unbedingt die Kinder in die hochsubventionierte (Krippenplatz: ca. 1.100 ¬ pro Kind pro Monat vom Steuerzahler)Fremdbetreuung "outsourcen"? Warum wehrt sich die Ministerin so entschieden gegen ein höchst vernünftiges Konzept wie das des Erziehungsgehaltes, das die finanzielle Ungleichbehandlung von selbsterziehenden und doppelt erwerbstätigen Eltern ausgleichen könnte? Warum stellt sie uns ständig Schweden vor Augen, obwohl auch dort die Fertilitätsquote zurückgeht und - wenn sie noch höher ist als in der BRD - v.a. durch einen hohen Anteil von Immigrantenfamilien zu erklären ist?

Kurz: Frau Schmidt schlägt scheinbar neue Töne in der politischen Landschaft an, aber was dabei rauskommt, sind die alten Rezepte - deren Wirksamkeit nicht im mindesten nachgewiesen ist. Ein Fanal, endlich mit der Diskriminierung der Hausfrau und Mutter aufzuhören, vermisst man hingegen. Dafür gibt es leider nur zwei Sterne, Frau Schmidt.
Ohne Enkel wird es keine Rente geben
Als das Buch geschrieben wurde, war die Verfasserin noch keine Bundesfamilienministerin. Jetzt ist sie es, und das Buch sollte größte Beachtung finden und ein Verkaufsschlager sein. Dem ist nicht so. Aber es liegt nicht an Renate Schmidt oder am Inhalt des Buches. Denn Renate Schmidt weiß, wenn sie von Familie und eigenen Kindern spricht, worum es geht. Sie kennt die Probleme und hat sie selbst erlebt und erlitten. Da ist nichts hinzuzufügen. Auch ihre Vorschläge, die sie macht, gehen in die richtige Richtung. Sie schaut über den deutschen Gartenzaun hinaus, vergleicht unsere Situation mit anderen Ländern und nennt sogar drei Mütter, die ihre Kinder in der DDR großgezogen haben und die sie persönlich gesprochen hat. Und dennoch: Renate Schmidt gehört mit ihren eigenen drei Kindern zu einer Generation, die in Ost und West den Verpflichtungen des Generationenvertrags noch einigermaßen gerecht geworden ist. Drei Enkel hat Frau Schmidt, so steht im Buch. Vier oder fünf Enkel sollten es sein (bei drei eigenen Kindern sogar sechs oder besser sieben), zwei sind es in Wirklichkeit im Bevölkerungsdurchschnitt und damit viel zu wenig. „Kinder zu haben, ist für die meisten Menschen eine Freude", steht auf S. 149 des Buches. Wenn dem so ist, denn lebt die nächste Generation ziemlich freudlos oder erfreut sich in völlig anderer Weise. "Es ist irgend etwas falsch im Staate Dänemark", sagt dazu Hamlet Und das nicht nur in Deutschland und Dänemark, sondern auch in Spanien, der Ukraine und fast ausnahmslos in allen anderen europäischen Ländern und Industriestaaten. Vielleicht liegt es daran, daß in der Spaßgesellschaft der Sinn für den Zusammenhang zwischen Rente und eigenen Kindern (und Enkeln !) verloren gegangen ist. Wer kinderlos ist, lebt scheinbar besser, arbeitet zeitlebens ununterbrochen und hat schließlich oft sogar eine höhere Rente als die Mutter mit drei Kindern. Von wem aber wird die Rente der Kinderlosen und Kinderarmen bezahlt? Von Frau Schmidts Kindern schon heute. Den Enkeln wird das aber zuviel werden. Frau Schmidt ahnt in ihrem Buch, was kommen wird und kommen muß. In dem Buch deutet sie die Schlußfolgerungen einer notwendigen gesellschaftlichen Umverteilung zuungunsten der Kinderlosen an, die sie als Ministerin aus ihrer Lebenserfahrung und ihren Einsichten ziehen und der Bundesregierung und dem Bundestag als Gesetzentwurf vorlegen sollte.
Unbedingt empfehlenswert
Für mich eines der besten Bücher, die sich mit dem Thema Familie in der Gesellschaft auseinandersetzen. Ich habe das Buch in einem Zug ausgelesen. Es enthält eine Menge interessanter Fakten und Zahlen, beschreibt sehr sachlich die Probleme, mit denen Familien zu kämpfen haben und zeigt Lösungswege auf. Dabei wird Frau Schmidt nie polemisch, der Schreibstil bleibt sehr klar und locker. Man merkt bei jedem Satz, dass sie weiß, wovon sie spricht. Ich bin selbst alleinerziehende Mutter von 3 Kindern, in Vollzeit berufstätig, und musste bei so mancher Passage sehr schmunzeln, weil es mir so vorkam, als würde Frau Schmidt genau eine Szene aus meinem persönlichen Alltag schildern. Das Buch ermutigt Mütter und Väter, nicht an althergebrachten Zöpfen hängen zu bleiben, sondern den Wandel in der Gesellschaft als Chance für ein neues partnerschaftliches Miteinander zu begreifen. Das Buch macht durch Aufräumen alter Vorurteile insbesondere Müttern Mut, die eine eigene Berufstätigkeit als selbstverständlich sehen. Ich kann das Buch jedem wärmstens empfehlen, dem die eigene Zukunft, die Zukunft unserer Kinder, die Zukunft von uns allen nicht egal ist. Das Buch ist für Kinderlose wie für Familien gleichermaßen interessant und sollte für jeden Politiker unseres Landes zur Pflichtlektüre werden.

Books:

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