'Die Deutschen sind immer die anderen'. Künstler sehen Deutschland. 40 Gespräche

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Authors: Roger Willemsen
Catalog: Book
Media: Gebundene Ausgabe
Release Date: Februar 2001
Publisher: Henschel Verlag
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Kategorien - Politik & Geschichte - Deutsche Politik - Überblick

Customer Review:
Ein positives, vorsichtiges, faires Deutschlandbild ...
Man befürchtet ja immer das Schlimmste, wenn außerhalb Deutschlands lebende Künstler Statements über das Image der Deutschen abgeben. So schlimm ist das aber gar nicht in dem wunderbaren Interview-Buch, das durch Roger Willemsen herausgegeben wurde. Der Künstler Jochen Gerz zum Beispiel meint: "Die Deutschen sind ein hervorragend geschultes, ein sehr neugieriges und ein quasi auf die Kultur angewiesenes Publikum. Wenn ein Land eine stabile, eine in sich ruhende, eine nie in Frage gestellte Vergangenheit hat, braucht es die Gegenwartskunst nicht so nötig. Dann tut's auch mal ein Bild aus dem 19. Jahrhundert. ... Dieses Nachkriegsdeutschland ist ein phantastisches Laboratorium gewesen und mit seiner sehr nervösen und dennoch sehr zivilen und an sich selbst zweifelnden Gesellschaft als Arbeitsstelle etwas Unvergleichbares." Die Atmosphäre, die aus dieser Textpassage strömt, ist in ihrer Vorsichtigkeit, in ihrem Bemühen um Fairness durchaus charakteristisch für alle 40 von Willemsen auf der EXPO 2000 geführten Interviews. Natürlich hat jeder der Künstler eine unverwechselbare Art und eine sehr individuelle Blickrichtung. Kein Wunder bei solch unterschiedlichen Temperamenten wie Ute Lemper oder Volker Schlöndorff, Wim Wenders oder Desiree Nosbusch, George Tabori oder Vivienne Westwood, Daniel Libeskind oder Hildegard Knef. Der Begriff Heimat müsse überhaupt etwas anders verstanden werden, meint die Künstlerin Pat Binder sehr scharfsichtig; folgerichtig greift auch sie nicht in die Klischeeschublade, sondern definiert Heimat als etwas, das sich jeder aktiv selbst in seinem Leben schaffen sollte: Als multinationale Konglomeration verschiedenster Einflüsse, als Zusammengebrachtes, Geliebtes, Verehrtes: Geht man auf diese Weise vor, so hat die Beschäftigung mit dem Heimatgedanken etwas sehr Anregendes. Das Buch von Willemsen: wirklich sehr empfehlenswert!
Rückblick - Ausblick Deutschland
Deutsches Brot, Türkische Gastarbeiter, schwere deutsche Geschichte, ...

Ein super Querschnitt durch die Ansichten über das deutsche Volk. Wenn man ab und zu als Reisender durch diese Welt umher kommt oder mal im Ausland gelebt hat, findet man viele der Ansichten die Andere auch haben wieder. Dazu zählen natürlich auch die Konfrontationen die man als Deutscher mit der deutschen Geschichte im Ausland hat. Ich meine Sätze wie der Standard Satz "lebt Hitler noch" oder bist du ein "Nazi" von den Amerikaner oder "German Car is a good car" von den Einwohnern Afrikas. Ich habe vieles wieder gefunden was ich selbst auch erlebt habe auf meinen Reisen.

Es kommen aber auch von den ausländischen Künstlern die schon in Deutschland leben echte Lobe. Was in der Vergangenheit passiert ist kann man nicht mehr gut machen. Aber ich denke wie wir mit der Geschichte umgegangen sind war richtig. Allerdings laufen wir nun schon seit über 50 Jahren wie ein gestraftes Kind durch die Weltgeschichte. Eine neue gesunde Identität wird uns in Zukunft sicherlich nicht schaden um vielleicht auch über die Nachwehen der Wiedervereinigung zu kommen. Ich bin dankbar das dies auch Ausländer so sehen. Die auch schon mal dort gelebt haben.

... Super Buch!
Wenn es einer kann, dann ist er es!
Roger Willemsen hat ein unglaubliches Gespür für den Zeitgeist und vor allem für die Gesellschaft mit ihren Nuancen, die für andere so oft unsichtbar bleiben.

Statt uns Deutschen einen großen Spiegel direkt vor die Nase zu halten, versteckt er viele kleine - mit und ohne Sprüngen - meisterhaft in einem Buch - hinter 40 unglaublich interessanten Interviews mit einfühlsamen Fragen, die wirklich etwas herausfinden wollen. Er versteht es, die richtigen Fragen am richtigen Ort zur richtigen Zeit zu stellen; nicht effekthaschend, nicht bloßstellend, schon gar nicht sensationslustig, aber immer mit dem richtigen Gespür und dem Drang, das Innere nach außen zu kehren und sichtbar zu machen - für ihn und vor allem für andere. Mit dieser Vorgehensweise ist er umso wirkungsvoller als andere, die teils wie Marktschreier agieren und so aufrütteln wollen.

Während Willemsen - lehrreicher als jedes Geschichtsbuch - auf diese Weise Deutschland und auch die Menschen in ihren eigenen Worten portraitiert, schafft Detlev Schneider mit seinen hervorragenden Schwarz-Weiß-Aufnahmen das Pendant dazu. Diese Fotos, die eine ganz eigene Sprache sprechen, ergänzen wunderbar den Text und fangen jede Persönlichkeit in ihrer ureigenen Brillanz ein - mal verletzlich, mal offen und klar, mal verborgen oder geheimnisvoll. Schnell wird klar: Text und Bild könnten jederzeit für sich alleine stehen, aber in der Gemeinschaft sind sie ein unschlagbares Team.

Es gibt Bücher in meinem Bücherschrank und in meinem Leben, die ich nicht missen möchte. Dies ist eines davon.

Books:

  1. Braune Kameradschaften. Die neuen Netzwerke der militanten Neonazis
  2. Globalisierung im Cyberspace. Globale Gesellschaft: Märkte, Demokratie und Erziehung
  3. Politische Kultur in Deutschland - Herausforderungen und Perspektiven. Symposium zu Ehren von Erhard Eppler
  4. Die bosnisch-herzegowinischen Muslime. Geschichte, Bräuche, Alltagskultur
  5. Zukunft kann man nicht kaufen. Ein folgenschwerer Denkfehler in der globalen Ökonomie
  6. Der Kosovo Konflikt. Ursachen, Verlauf, Perspektiven
  7. Wer soll das bezahlen?
  8. Diana. Ich möchte euch so gerne noch etwas sagen...
  9. Der neue Krieg
  10. Ausbruch der Kunst. Politik und Verbrechen Bd. II

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