Customer Review:
unterhaltsam
Also das Buch hat sicher nicht viel mit der Fernsehserie zu tun, außer dass es sich wohl eher an Frauen richtet, die einer Ally McBeal zumindest in gewissen Punkten ähnlich sind.
Und dafür ist es sehr unterhaltsam geschrieben, auch die kleinen Rückblicke in die Jugendzeit empfinde ich nicht als nervig. Ich empfand das Buch als sehr gut geschrieben und interessant zu lesen, tatsächlich habe ich es in kürzester Zeit verschlungen. Man sollte das Buch natürlich auch nicht überbewerten - sicher ist es kein großer Klassiker, der die Welt verändert oder zumindest neue Impulse liefert. Aber diesen Anspruch muss auch nicht jedes Buch haben. Und auch vor hunderten von Jahren war nicht jedes Buch gleich ein Meisterwerk und eine intellektuelle Herausforderung.
"Generation Ally" ist ein kurzweiliges Buch, mit dem man sich gut unterhalten kann - nicht mehr, aber auch nicht weniger. Vielleicht ist es nicht für jeden Typ Frau gleichsam ansprechend - aber ich denke, wer sich zumindest ansatzweise mit der Serienfigur Ally McBeal identifizieren kann, sollte sich in diesem Buch auch wiederfinden.
Mittlerweile ausgedient?
„Generation Ally" - der Titel klingt etwas abgeguckt bei Florian Illies und seinem Buch „Generation Golf" und tatsächlich stellt das Buch von Katja Kullmann auch so etwas wie die Version für die weiblichen Golf-Jahrgänge von 1965-1975 dar. Die Autorin, die angibt noch nie ein „Frauenbuch" gelesen zu haben, trifft den Ton derselben jedoch ziemlich genau. So ermöglicht das Buch eine seicht-plätschernde Lektüre, die man problemlos nebenher lesen kann, ohne dass es Unmengen an Konzentration bedürfe. Auf der anderen Seite ist es aber leider auch so, dass das Buch an manchen Stellen - u.a. auch auf Grund von Wiederholungen - etwas langweilig und fast schon abgedroschen rüberkommt.
Es gibt jedoch einen Abschnitt im Buch, der sich hiervon deutlichst abhebt und den ich persönlich als besonders gelungen empfand. Hier handelt es sich um die Passagen in dem die Autorin mit dem „Kampf-Feminismus" abrechnet. Sie zeigt auf, dass verhärtete Fronten in diesem Bereich heutzutage keine Frau mehr wirklich braucht und schafft es, auf eine sehr amüsante Weise die Dinge und die gegeneinander kämpfenden Parteien mit ihren jeweiligen Eigenarten treffsicher und mit spitzer Zunge zu beschreiben. - Gerade für heutige Frauen, die hier eine eher neutrale Haltung einnehmen, eine sehr unterhaltsame Lektüre!
Der Titel und Bezug auf Ally McBeal hat sicherlich vor zwei/drei Jahren prima gezogen, lockt aber heute wohl kaum noch einen hinter dem Ofen vor. Zudem schwebt er etwas in der Luft, denn der einzige inhaltliche Bezug bilden Zitate zu Beginn der einzelnen Kapitel. Ansonsten ist es eher die Figur Ally McBeal, die hier symbolisch für eine Generation von Frauen, bzw. insbesondere für die Autorin selber steht - an einigen Stellen gewinnt man hier nämlich doch sehr den Eindruck, man habe es eher mit einer ironischen Selbstanalyse von Frau Kullmann zu tun denn mit der objektiven Betrachtung des Lebensgefühls einer ganzen Generation. Auf Grund des abklingenden „McBealismus" wird man zudem sagen müssen: Das Buch hatte seine Zeit.
Dennoch: Eine zielsichere, selbstkritische, ironische und wohl auch realistische Analyse einer bestimmten Gruppe von Frauen einer Generation, dennoch ist das Ganze aber an manchen Stellen so neutral gehalten, dass sich irgendwo jede Frau wahrscheinlich ein Stück weit wieder finden kann. Nette, seichte und kurzweilige Lektüre, aber kein Muss (mehr?) - 3 Sterne von mir!
Schiefer Turm
Es gab einmal Zeiten, da schrieb man, um aufzuklären, aufzuhellen, den Geist, oder was auch immer. In noch weiter zurückliegenden Zeiten waren solche Bemühungen ab und zu auch von Erfolg gekrönt; ihr Ergebnis: Bücher von Rang, die man in Bibliotheken versammelte, mit denen man Zwiesprache halten konnte, über Jahrzehnte, Jahrtausende hinweg. Nun weist uns das Wörtchen PISA darauf hin, daß etwas in Schieflage geraten ist, nicht nur bei denen, die es gern im Munde führen und uns das waldreiche, Wodka und Handys produzierende Finnland als Musterländle abenländischer Bildung anpreisen. Schlagen wir das Werk von Frau Kullmann auf(Generation Alien oder was ?), um uns von ihm erhellen und wieder in stabile Lage versetzen zu lassen , wird vieles transparent, nur nicht das, was die angesprochene Generation ausmacht und was die Autorin erhellen möchte. Vielmehr verstärkt sich der Eindruck, daß die Debatte um PISA und alle Bemühungen um Bildung nichts fruchten werden, auch wenn wir uns bescheiden und allzu hohen Ansprüchen längst, nicht erst nach Amtsantritt unserer Bildungsministerin entsagten. Vor Jahren, als man zu Silvester noch weniger auf kernige Sprengkörper aus war und sich mit Tischfeuerwerken begnügte, waren kleine Scherzartikel beliebt, Männlein aus Papier, die nach dem Anzünden schier endlos lange Würstchen aus div. Körperöffnungen ausschieden - so beängstigend quellen uns heute die Sätze - wahre Wortschlangen - entgegen, wenn wir Frau Kullmanns "Generation" aufschlagen. Der Sinnsucher steht auf verlorenem Posten, aber das alles (was eigentlich?) mußte wohl einmal gesagt werden, meint die Autorin. Gratulation an den Eichborn-Verlag! K e i n Stern, geht aber bei amazon leider nicht mehr!
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