Der Nationale Sozialismus. Ideologie und Bewegung 1890 - 1933

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Authors: Karlheinz Weißmann
Catalog: Book
Media: Gebundene Ausgabe
Release Date: Oktober 1998
Publisher: Herbig
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Customer Review:
Hervorragendes Werk
Der Rezensent der Neuen Zürcher Zeitung, Theodor Wieser, darf sich durchaus als Vertreter einer Bewegung verstehen, die ihren Ursprung in der Aufklärung, ihren entscheidenden Antrieb im Nationalsozialismus in Deutschland und ihr Ziel in einer geistig-politischen Hegemonialstellung hat. Diese Interpretation der Geschichte, besonders der deutschen im Zeitraum 1933-45, im „antifaschistischen" Sinn hat immer auch das Ziel, sämtliche abweichenden Interpretationen vom Diskurs auszuschließen. Dies geschieht dann immer mit dem Hinweis auf die Gefahr einer „Revision" des Nationalsozialismus bis hin zu seiner Verherrlichung, die solche abweichenden Interpretationen angeblich in sich bergen. Vor diesem Hintergrund ist Wiesers Frage „Wo gleitet Verstehenwollen ab in Rechtfertigung?" zu verstehen. Die Durchschlagskraft dieser „antifaschistischen" Bewegung ist anhand von Weißmanns Werk deutlich zu erkennen, da dieser allein dadurch, daß er - was den Nationalsozialismus betrifft - nicht in allgemeine Verurteilungshymnen einstimmt, sondern sich dem Thema wissenschaftlich nähert, ins Kreuzfeuer der Kritik geriet. In diesem Zusammenhang sei auch auf den von Wieser erwähnten Band 9 der Propyläen Geschichte Deutschlands hingewiesen, der laut Wieser „mit seinen revisionistischen Thesen einen Skandal" ausgelöst habe. Dieser Band geriet bereits in scharfe Kritik, bevor der Text des Bandes überhaupt veröffentlicht war - allein, weil der Autor ein Vertreter der „Neuen Rechten" und deshalb als Historiker und besonders als Autor eines Bandes über die NS-Zeit unqualifiziert sei. Als der Band dann schließlich veröffentlicht wurde, war im ganzen Land von einem Skandal die Rede und in Ermangelung von Ansatzpunkten für sachliche Kritik verfiel man darauf, Seitenzahlen zu zählen, die Weißmann bestimmten Themengebieten gewidmet bzw. nicht gewidmet hatte oder zu behaupten, daß der Verfasser all die bösen Dinge, die er eigentlich denke, aus Vorsicht nicht ausspreche. Hinzu kam, daß der für den Band ursprünglich vorgesehene Hans Mommsen, der zum Zeitpunkt von Weißmanns Annehmen des Auftrags bereits mehrere Jahre mit der Abgabe des Manuskriptes in Verzug war, sich plötzlich zu Wort meldete und seine Rechte an dem Verfassen des Bandes geltend machen wollte. Alles in allem ein mehr als lächerlicher Skandal, der dazu führte, daß der Propyläen-Verlag, der sich kurze später teilte, den Band zurückzog, dem Autor die Rechte zurückgeben sowie Schadensersatz leisten musste. Der Band (Titel: „Der Weg in den Abgrund. Deutschland unter Hitler 1933-1945") wurde an anderer Stelle (im Herbig-Verlag) veröffentlicht. Das ursprünglich erste Kapitel dieses Bandes ist nun erweitert worden und liegt unter dem Titel „Der Nationale Sozialismus. Ideologie und Bewegung 1890-1933" vor. Weißmann hat mit diesem Band einen wertvollen Beitrag dazu geleistet, die Isolation des Nationalsozialismus aufzuheben und diesen in den gesamteuropäischen Geschichtsverlauf einzubetten. Insgesamt ist dieses Buch ein klares Beispiel dafür, daß wissenschaftliche Arbeit heutzutage unter dem Prüfstein der political correctness nur noch von sekundärem Interesse ist. Bezeichnenderweise wurde Weißmanns hervorragendem Werk nie irgendein sachlicher Fehler vorgeworfen.
knappe Darstellung des Inhalts mit Bewertung
Der in Bovenden bei Göttingen lebende Historiker Karlheinz Weißmann hat nach seinem Buch über die Zeit der nationalsozialistischen Diktatur in Deutschland eine weitere Arbeit vorgelegt, die sich mit dem Thema auseinandersetzt.

„Der Nationale Sozialismus" trägt als Untertitel „Ideologie und Bewegung 1890 - 1933". Es handelt sich hierbei um eine ideengeschichtliche Darstellung, welche die Herkunft jener Ideologie untersucht. Dieses Buch versteht sich als Vorläufer des ursprünglich im 1995 als Band 9 der „Propyläen Geschichte Deutschlands" erschienenen Bandes „Der Weg in den Abgrund", welches alsbald vom Verlag zurückgezogen und mittlerweile beim Herbig-Verlag wieder erschienen ist.

Grob untergliedert das Buch sich in zwei Hälften. Zunächst wird die geistesgeschichtliche Situation dargestellt, in der Nationalismus und Sozialismus in Europa die politische Symbiose eingehen konnten. In dem zweiten Teil des Buches wird dann deutschlandspezifisch an der Entwicklung der NSDAP und der Person Adolf Hitlers dessen Weg zur Macht dargestellt.

Anfangs wird die geistesgeschichtliche Situation am Ausgang des vom Liberalismus geprägten 19. Jahrhunderts dargestellt. Gruppierungen, die sich von den neuen Strömungen des Sozialismus und Nationalismus gleichermaßen angezogen fühlten, fanden sich vor allem in Frankreich, Großbritannien, Deutschland und Ländern der österreichisch-ungarischen Monarchie. Die Industrialisierung und die Auffassung der Nation als relativ homogenes, seine Mitglieder auch wirtschaftlich sicherndes Ganzes führte zur Idee eines „nationalen Sozialismus", welche in allen Schichten des politischen Lebens Anhänger fand. Auch auf die Rolle des Antisemitismus, die schon in diesem Zusammenhang zu behandeln ist, geht Weißmann ein.

Vor dem ersten Weltkrieg, als die Klassengesellschaft alle Länder Europas prägte, konnten sich derartige Ideen jedoch nirgendwo durchsetzen. Erst nach dem ersten Weltkrieg, als die bürgerliche Klassengesellschaft in den Schützengräben ihr Ende gefunden hatte, konnte sich die Massengesellschaft durchsetzen, die unabdingbare Wirkungsvoraussetzung national-sozialistischer Ideen war.

Die liberale Demokratie des Westens und der russische Bolschewismus ließen nun den Ruf eines „dritten Weges zwischen Kommunismus und Kapitalismus" laut werden, für die Anhänger eines nationales Sozialismus nunmehr eintraten. In ihren Augen hatte der Krieg den Zusammenhang von nationaler und sozialer Ordnung bestätigt, und der Zerfall der Internationale und der Kriegssozialismus waren den Erwartungen vieler National-Sozialisten entgegengekommen.

Der erste Teil des Buches schließt dann mit einer Erläuterung der Bedingungen, unter denen der Faschismus in Italien entstand und erfolgreich werden konnte, so daß Mussolini am 31. Oktober 1922 Chef einer Koalitionsregierung werden und sich so schließlich ein faschistisches System in Italien etablieren konnte.

Der zweite Teil der Darstellung konzentriert sich auf die Entwicklung in Deutschland, wobei der Blick auf die Person Adolf Hitlers und die NSDAP fokussiert wird.

Zunächst wird eine Übersicht über die Biographie Hitlers bis zu seinem Eintritt in die NSDAP gegeben, anschließend wird seine politische Haltung dargestellt, soweit sie sich schon entwickelt hatte. Bis zum gescheiterten Putsch 1923 trat er offen für einen offenen revolutionären Umsturz der politischen Verhältnisse ein. Nach Scheitern des Putsches wurde Hitler zur Festungshaft verurteilt, in der er nach Weißmanns Auffassung erstmalig sein politisches Weltbild durch ein systematisches Studium verfestigte. In dieser Zeit verfaßte er auch den ersten Teil von „Mein Kampf", welches zwar weite Verbreitung fand, aber offensichtlich nur wenig gelesen wurde. In diesem Buch war Hitlers revolutionäres Programm ausgearbeitet publiziert. Nach der Machtergreifung soll Hitler geäußert haben, daß er dieses Buch wohl nicht geschrieben hätte, wenn er damals geahnt hätte wirklich an die Macht kommen zu können. Nicht wegen seines Inhalts, sonders aufgrund der möglicherweise die Massen abschreckenden Programms, welches er darin entwickelt hatte.

Weißmanns Buch behandelt nun die zweite Gründung der NSDAP und ihren politischen Durchbruch Anfang der 30er Jahre, die Aversion Hindenburgs gegen den „böhmischen Gefreiten" sowie die innerparteiliche Entwicklung. Insbesondere Aufstieg und Fall Strassers findet Beachtung.

Ausführlich wird das Verhältnis zur KPD dargestellt, welches keineswegs nur von Feindschaft, sondern auch von partieller Zusammenarbeit, etwa beim BVG-Streik 1932, geprägt war.

Schließlich endet die Darstellung Weißmanns mit der Machtergreifung Hitlers am 30. Januar 1933.

Im Anhang finden sich ein Abkürzungsverzeichnis, eine ausführliche Bibliographie und ein Personenregister. Vermißt wird ein Sachregister.

Weißmanns Buch ist geht sehr ins Detail, bleibt bei allem jedoch stets gut lesbar. Es kann allen am Thema Interessierten nur empfohlen werden, da es sich durch eine durchgehend sachliche Darstellungsweise auszeichnet. Weißmann versucht nicht, längst entschiedene ideologische Schlachten neu zu schlagen.

Das Buch hat bei Erscheinen eine Diskussion neu belebt, ob der Nationalsozialismus politisch „rechts" zu verorten sei. Es gibt Gründe dafür (Ablehnung des allgemein als „links" verorteten Bolschewismus, Überbetonung des „nationalen" und Ablehnung jeden „Internationalismus", Schaffung eines Volkssozialismus) wie auch dagegen (politische Herkunft aus dem vieler Nationalsozialisten sozialistischen Lager, Selbstverständnis als revolutionäre Arbeiterpartei, Ablehnung bürgerlicher Kräfte als „reaktionär", Ablehnung der Wiederherstellung der Monarchie). Weißmann entscheidet diese Frage letztendlich nicht. Meines Erachtens ist diese Fragestellung zudem auch falsch, da der Nationalsozialismus seine Wurzeln sowohl „rechts" als auch „links" hat, sich aber jenseits dieser Verortungen sieht.

Rezensent: F. Roland A. Richter

Books:

  1. Am Ende des realen Sozialismus, Bd.5, Zwischen Überwachung und Repression - Politische Verfolgung in der DDR 1971 bis 1989
  2. Rückwärts nach rechts
  3. Föderalismus in der Bundesrepublik Deutschland.
  4. Das magische Baumhaus. Mit Anne und Philipp bei den Rittern
  5. Lexikon der Geheimdienste im 20. Jahrhundert
  6. Sehen - Staunen - Wissen - Mumien. Das Geheimnis der konservierten Menschen- und Tierkörper
  7. Familienpolitik
  8. Das Bundesverfassungsgericht.
  9. Kluge Macht. Außenpolitik für das 21. Jahrhundert
  10. Das war 1998 (Stern-Jahrbuch)

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