Die Entführung und Ermordung des Hanns-Martin Schleyer

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Authors: Peter-Jürgen Boock
Catalog: Book
Media: Gebundene Ausgabe
Release Date: 2002
Publisher: Eichborn
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Kategorien - Politik & Geschichte - Überblick

Customer Review:
Wie ein Groschenroman
Boock schreibt einfach nicht gut genug. An sich wäre es ja ganz spannend gewesen, mal von einem Täter zu hören, wie das damals vor sich ging. Was der Autor als "dokumentarische Fiktion" anpreist, liest sich wie ein öder Schundroman. Man wünscht sich das ganze etwas protokollarischer, stringenter und sehnt den Fund der "Verhör"-Tonbänder herbei, die noch existieren könnten. So aber beleuchtet das Werk nicht wirklich irgendetwas Neues. Es bleibt bei einer "Innensicht" Boocks, die nach seiner Auffassung das Bild des Ganzes abrunden soll. Vielmehr als das er zunehmend auch während der Geschehnisse mit der RAF abschloss oder ein ungutes Gefühl hatte, kommt nicht. Nur an einer Stelle (ein Verhör) der Dokumentation kommt annähernd durch, was Boock als "These" formuliert: Die RAF ist letztlich an ihren Taten gescheitert. Schleyer watscht das Kommando ab, dass es - wie es mit ihm auch ausgeht - "um ihren Kopf nie gehen wird".
authentisch und interessant
"Die Entführung und Ermordung des Hanns-Martin Schleyer" ist eines der wenigen authentischen Bücher zur Geschichte der Roten Armee Fraktion. Peter-Jürgen Boock, damals aktiv an der Aktion beteiligt, schildert aus seiner Sicht die Geschenisse rund um den "Deutschen Herbst", in deren Mittelpunkt die Entführung des ehemaligen SS-Wirtschaftsbosses Schleyer, das Hijacken der "Landshut" und der "Selbstmord" der drei von vier in Stammheim inhaftierten RAF'lern stand: Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe.

Der Autor gab seinem Buch den Untertitel "dokumentarische Fiktion". Fiktion aus zwei Gründen: erstens natürlich, weil man sich nach nunmehr 25 Jahren nicht mehr an jeden Wortlaut der damals geführten Diskussionen und jeden genauen Schritt im Rahmen der Entführungsaktion erinnern kann und ihm nur eine Glaubhafte Rekonstruktion bleibt. Eine Fiktion ist es aber auch, weil er, der als ehemaliges Kommandomitglied genauestens bescheid wissen muss, zumindest in personeller Hinsichtnicht jedoch nicht mehr verrät, als es die damaligen Ermittlungen ergeben haben. Die Namen der an der Aktion neben ihm selbst Beteiligten kaschiert er "aus rechtlichen Gründen"; demnach erfährt der Leser/die Leserin auch nicht, wer letztendlich Hanns-Martin Schleyer erschossen hat. Verübeln kann man es dem teilweise reumütig daherkommenden Boock, der für seine Verwicklung in die Entführungsaktion ganze 18 Jahre im Knast saß, nicht.

Das Buch ist ungewohnt offen geschrieben. Keine Beschönigungen, aber auch kein Abwertung. Es handelt sich auch nich - wie so oft bei ähnlichen Büchern - um eine "Abrechnung", auch wenn man es Boock nicht ganz abnehmen kann, dass bei ihm die ideologischen Belange eher im Hintergrund standen. Man hat als LeserIn das Gefühl, mittendrin zu sein, selbst an den Gesprächen teilzuhaben, die Gedankengänge des Kommandos nachvollziehen zu können. Der Autor berichtet detailreich (sofern nach dieser Langen Zeit überhaupt noch möglich) über die Planung der Entführung, die Auswahl des Ziels, sein Kidnapping, die Tage in Nahost, das Bangen um die "Landshut" und das jähe Ende in Mogadischu. Die Schilderungen lassen es dabei weder an Spannung noch an Dramatik mangeln und eröffnen einen authentischen Blick aus Sicht eines "Insiders" ohne die argen politischen Verwünschungen oder hochtrabende Besserwisserei.

Was klar fehlt, ist ein Fazit Boocks - ein Kommentar, in welchem er noch einmal über Sinn und Unsinn, Möglichkeiten und (vertane) Chancen in 1977 resümmiert. Dies tut der Qualität des Buches keinen Abriss, zeigt aber, dass der Autor auch jetzt noch nicht innerlich mit der Sache abgeschlossen hat und ihn beim Schreiben viele Emotionen und zwiespältige Erinnerungen bewegt haben müssen. "Die Entführung und Ermordung des Hanns-Martin Schleyer" ist auf alle Fälle eine Empfehlung wert und ist nicht nur für bereits mit der Materia vertraute LeserInnen interessant.
Einblick in die RAF-Geschichte
Wer sich für Zeitgeschichte, insbesondere die jüngere politische Geschichte der Bundesrepublik, interessiert, der sollte sich diese Autorenlesung anhören. Während ich bei vielen Jungen Leuten das Gefühl habe, die 68er-Geschichten langweilen sie, gibt es auf der anderen Seite mit Blick auf die RAF auch so etwas wie einen Robin-Hood-Mythos . Es wäre daher wirklich wünschenswert, wenn sich auch die "fun"-Generation ein wenig mehr für die Hintergründe interessieren würde und da kann ich dieses Hörbuch nur empfehlen. Was der Autor in Erinnerung ruft, geht unter die Haut, polarisiert, macht betroffen: das ist gut für eine Auseinandersetzung - not just for fun!

Books:

  1. Großbritannien, eine politische Landeskunde
  2. Philosophie und Öffentlichkeit
  3. Propaganda. Konzepte und Theorien
  4. Abenteuer im alten Ägypten. Comic - Geschichte - Wissen
  5. Der Arbeitsmarkt im Sozialstaat. Eine Funktionsanalyse
  6. Wahlrecht und Parteiensystem.
  7. Die Außenpolitik der Bundesrepublik 1949-1992
  8. Der Nationale Sozialismus. Ideologie und Bewegung 1890 - 1933
  9. Am Ende des realen Sozialismus, Bd.5, Zwischen Überwachung und Repression - Politische Verfolgung in der DDR 1971 bis 1989
  10. Rückwärts nach rechts

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