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Der amerikanische Traum zwischen Realität und Illusion
Dass es in den Vereinigten Staaten noch nie aristokratische Führungseliten oder gar privilegierte Royals nach englischem Vorbild gegeben hat, dürfte gemeinhin bekannt sein, denn die amerikanische Verfassung beruht in gewollter Abgrenzung zum politischen System ihres Mutterlandes Großbritannien auf der "Regierung des Volkes durch das Volk und für das Volk".
Dennoch können "die Kennedys" als die Königsfamilie der USA bezeichnet werden, denn mit ihren unzähligen Geschichten haben sie sich tief in das Bewusstsein der amerikanischen Öffentlichkeit geprägt und ihren Status als eigentliche "First Family" bis heute behaupten können.
Der Mythos dieser immer wieder von unerwarteten Schicksalsschlägen und Skandalen geprüften Familie hat viele Kapitel. Sie sind durchsetzt von politischen Meilensteinen und den damit in Zusammenhang stehenden Machtspielen, abgründigen Machenschaften und Symbiosen mit dem organisierten Verbrechen, sowie den pikanten Affären der Kennedy-Brüder mit den auferstehenden Stars der Westküste. Robert von Rimscha, Leiter der Parlamentsredaktion des Berliner "Tagesspiegel" und mehrjähriger Korrespondent in Washington, geht in seiner Publikation den vielfach verstrickten Hintergründen dieser außergewöhnlichen Familie nach, ihrer "Blütezeit", aber auch ihren oft eng damit in Beziehung stehenden Tragödien.
Angefangen hatte alles Ende des 19. Jahrhunderts, als der junge Patrick Kennedy aus Irland kommend nach Nordamerika immigrierte. Drei Generationen später sollte sein Urenkel John F. Kennedy das höchste Amt des Landes bekleiden, das des 35. Präsidenten der USA. Hervorgegangen war dieser größte Erfolg in der Familiengeschichte aus dem unbändigen Ehrgeiz und den finanziellen Ressourcen seines patriarchalischen Vaters Joseph, der seinen Sohn systematisch aufzubauen wusste und ihm ein jugendliches, publicity-wirksames Image verpasst hatte. Zusammen mit seiner Frau Jacky als neuentdeckte Medienlieblinge gefeiert, zog der charismatische Präsidentschaftskandidat innerhalb kürzester Zeit alle Sympathien auf sich. Von Rimscha deckt auch auf, was sich während der großen politischen Ereignisse, wie Kubakrise und Mauerbau, hinter den Kulissen der Macht zugetragen hat. Dabei wird deutlich, das John F. Kennedy vor allem ein Präsident der Außenpolitik war, dessen sozialpolitisches Interesse sehr begrenzt gewesen ist. Um jedoch seine Popularität in der Bevölkerung beizubehalten, scheute er nicht selten die Auseinandersetzung mit innenpolitischen Themen wie der Rassentrennung, die allerdings erst nach seinem Tod endgültig aufgehoben wurde.
"Die Kennedys - Glanz und Tragik des amerikanischen Traums" ist sicherlich der treffendste Titel für dieses Buch, denn er vereint das Wechselspiel von Licht und Schatten, in dem sich die Repräsentanten dieses Clans von ihren ersten Tagen in der "neuen Welt" an bewegten. Wie keine andere prominente Familie symbolisierten sie die Plan- und Durchführbarkeit des amerikanischen Traums, allen voran JFK, der mit seiner stilistisch beeindruckenden Rhetorik und seiner enormen Ausdrucksstärke in breiten Teilen der amerikanischen Gesellschaft einen neuen, nie da gewesenen Fortschrittsglauben zum Leben erweckte, sowie den festen Glauben, dass der amerikanische Traum realisierbar sei, für jeden Amerikaner. JFK war der strahlende Mittelpunkt einer moralisch wiedererstarkten Weltmacht. Er wurde am 22. November 1963 in Dallas ermordet. Sein einziger Sohn, John F. Junior, kam im Juli 1999 zusammen mit seiner Frau bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Die Tragik solcher Ereignisse, so von Rimscha, beweist das typischste aller amerikanischen Phänomene - die Existenz von Traum und Albtraum zugleich, die von Realität und Illusion.
Ich möchte dieses Buch jedem weiterempfehlen, der sich für amerikanische Geschichte bzw. Biographien interessiert, auch wenn ich dieses Buch nicht als eine biographische Abhandlung bezeichnen würde, da es sich oftmals sehr viel spannender lesen lässt als eine solche und sich auch nicht nur auf die Entwicklungen innerhalb des Kennedy-Clans beschränkt. Insgesamt absolut lesenswert und aufschlussreich! Besonders auch aufgrund des hervorragenden Schreibstils.
Gelungene Biographie des Kennedy-Clans
Das Buch ist nicht nur die Biographie des wohl bekanntesten Mitglieds des Kennedy-Clans, John F. Kennedy, sondern macht den Leser auch mit dessen Großeltern, Eltern und Geschwistern bekannt. Kurz und bündig und dennoch ausführlich genug, erklärt es die Entstehung dieses so einflußreichen Clans und schildert mitreißend seine Höhen und Tiefen. Vor allem auch politische Verflechtungen, ohne die die Handlungsweise der Kennedys wohl nie ganz verständlich ist, werden hier auf einfache Weise dargestellt.
Obwohl es sich bei diesem Buch um eine Biographie handelt, liest es sich zuweilen so spannend wie ein Roman.
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