Das waren die Grünen. Abschied von einer Hoffnung.

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Das waren die Grünen. Abschied von einer Hoffnung.


Authors: Jutta Ditfurth
Catalog: Book
Media: Broschiert
Release Date: 2001
Publisher: Econ Tb.
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Kategorien - Politik & Geschichte - Deutsche Politik - Politisches System - Parteien - Grüne

Customer Review:
Grüner Insiderbericht
Das Buch beginnt mit einer Vorlesung zur Geschichte der westdeutschen Linken: Friedensbewegung, Vietnamkriegsproteste, Studentenrevolte, Deutscher Herbst, Anti-AKW-Proteste und schließlich DIE GRÜNEN. Geradezu schwärmerisch berichtet die Autorin von den Zeiten, wo sich noch Zehntausende auf den AKW-Bauplätzen von Kalkar, Whyl und Brokdorf mit den Einsatzkräften der Polizei herumschlugen, wo Atomkraftgegner gemeinsam mit FeministInnen, AntimilitaristInnen, HausbesetzerInnen, InternationalistInnen - aber auch mit Bürgerlichen, Wertkonservativen und Neofaschisten meinten, eine ganz andere, ganz neue Partei gründen zu können. Höhepunkt dieser Schilderung ist schließlich ein ausführlicher Bericht vom grünen Gründungsparteitag im Jahre 1980.
An dieser Stelle des Buches wäre jetzt eigentlich Platz gewesen für eine kritische Bilanz des grünen Reformprojektes. Diese sucht man in dem gesamten Buch jedoch vergeblich. Die Partei war schon o.k., es waren bloß irgendwann die falschen Leute drin - meint die Autorin. Für sie wäre die Welt heute noch in Ordnung und in der Hand der geballten radikalökologischen Bewegung, wenn die perfiden Opportunisten Joseph Fischer und Daniel Cohn-Bendit samt ihrem Frankfurter Sponti-Anhang es nicht geschafft hätten, in der neugegründeten Partei Fuß zu fassen. Die "Realos" verbündeten sich böswilligerweise mit dem konservativen Flügel der Grünen und schafften es durch fiese Intrigen, die Gründergeneration zu entmachten und aus der Partei zu drängen.
Dieser Vorgang ist eigentlich allgemein bekannt. Wer den Machtwechsel innerhalb der Grünen nicht persönlich miterlebt hat, konnte ihn ausführlich in Christian Schmidts aufsehenerregendem Buch "Wir sind die Wahnsinnigen - Joschka Fischer und seine Frankfurter Gang" nachlesen. Jutta Ditfurth bestätigt Schmidts Recherchen vom Prinzip her - bereichert sie aber auch durch weitere Details und peinliche Enthüllungen zu heutigen grünen Politpromis. Leider beschränkt sich dieser Abschnitt des Buches im wesentlichen auf Frankfurt und Hessen. Warum der Durchmarsch grüner Realos auch in allen anderen Landesverbänden gelang, bleibt weiterhin verborgen. Außerdem wird trotz seitenlanger detaillierter Schilderungen nicht deutlich, warum es der Fischer-Gang im Jahre 1988 mittels einer simplen Finanzintrige gelingen konnte, den linken Parteivorstand zu kippen und Jutta Ditfurth mit ihrer Anhängerschaft in die Wüste zu schicken.
Für die Autorin ist mit dem Sturz des linken Parteivorstandes das Projekt "Die Grünen" offensichtlich erledigt. Die Folgegeschichte der radikalökologischen Bewegung - Teilnahme an der Radikalen Linken im Jahre 1990, Gründung der Ökologischen Linken im Frühjahr 1991 sowie Jutta Ditfurts Ausschluß aus den Grünen im Sommer 1991 wegen Mitgliedschaft in einer Konkurrenzpartei - kommen nicht mehr vor. Dafür setzt sich die Autorin ausführlich mit der Geschichte der gewendeten Bündnisgrünen auseinander: Detailliert werden in einem Exkurs diverse grüne Finanzskandale detailliert geschildert - die freilich in den großen Medien kaum Erwähnung fanden. Zu einer "normalen" Partei gehört es eben, daß ihre Politiker die Hände aufhalten. Ausführlich schildert die Autorin dann das völlige Einknicken der Grünen in der Umwelt- und Sozialpolitik - nach Eroberung hochdotierter Ministersessel wurden aus radikalen Atomkraftgegnern sehr schnell AKW-Betreiber, aus gewesenen Trotzkisten und Maoisten Einpeitscher einer neoliberalen Wirtschaftspolitik mit all ihren asozialen Folgen. Das Buch schließt ab mit einer erbitterten - und sehr gelungen - Kritik der "Flakhelfer einer inhumanen Weltordnung", der grünen Verantwortlichen und Befürworter des deutschen Militäreinsatzes gegen Jugoslawien.
Das Fazit des Buches bleibt widersprüchlich. Dem Leser werden zahlreiche Details und historische Fakten geliefert, jedoch kaum Erklärungen. In ihrer Kritik der eingetretenen Entwicklung des grünen Parteiprojektes ist Jutta Ditfurth jedoch unbedingt beizupflichten.
gb.
Unheimlich
Jutta Ditfurth beschrieb in Ihrem polemischen Stil, die neoliberale Politik von Rot-Grün, die auf seit dem 11. September in unheimlicher Weise bestätigt wird.

Gerhard Schröder und Joschka Fischer als Kriegstreiber. Otto Schily als Zerstörer des Grundgesetzes.

Vor dem 11. September 2001 hätte ich dies alles für Quatsch gehalten, aber leider hat Jutta Ditfurth mit ihrer mutigen Analyse der politischen Situation in Deutschland mehr als Recht behalten.

Ein aufklärerisches Werk, dass jeder Lesen sollte, der von Rot-Grün bzw. der Politik enttäuscht ist.

Vorsicht für alle anderen, dieses Buch zerstört die Illusion der friedlichen, umweltfreundlichen sowie pazifistischen GRÜNEN und zeigt das wahre menschenverachtende, unsoziale Gesicht der SPD/GRÜNEN Regierung
Verbindlicher Fels innerhalb gesellschaftlicher Verfaulung
Die Darstellungen über die Vorgeschichte der grünen Partei fassen in konzentrierter Form und gelungen die Entwicklung nach dem Krieg zusammen, vieles aus Frau Ditfurths Archiv war neu und aufschlußreich. Der Kernpunkt wird faktenreich untermauert, man hat es bei der mittlerweiligen Mehrzahl grüner Parteigänger mit gnadenlosen Opportunisten zu tun. Auch wenn es für den Inhalt des Buchs keine Rolle spielt, der Stil erinnert wohltuend an die Unverschraubtheit und Klarheit der Texte der klassischen revolutionären Linken. Was auch naheliegt, da linke Systemopposition aus nachvollziehbaren Gründen die einzige gesellschaftlich Kraft ist die nicht verwässern muß um zugrundeliegende Motive zu vernebeln. Herrschaft basiert nach wie vor nicht auf klaren, sondern auf verbogenen Theorien als strategischer Grundlage, und der Grad der objektiven Entwicklung läßt sich auch am Grad der Heuchlerei ablesen, die erforderlich ist um die Rücken zu beugen und die Hirne zu halbieren. Hier wirkt Frau Ditfurth machtvoll entgegen.

Zu den Ausführungen hinsichtlich der Rolle der Technologien kann man teilweise zustimmen, insbesondere in Bezug auf die Feststellung daß nach dem Ende der kapitalistischen Wirtschaftsweise nicht alles 1:1 wird übernommen werden können da - wie etwa die Reproduktionstechnologie - einiges menschenfeindlichen Quellen entspringt. Trotzdem ist einiges dazu ergänzen. Ganz allgemein gesagt ist Technik vom Wesen her zunächst ein Mittel um die zur Produktion notwendige Arbeitszeit zu reduzieren. Würde nicht für den Profit sondern für den sozialen Fortschritt produziert, müßte sich verglichen am Stand der 50er Jahre die Arbeitszeit heute auf ein Achtel verkürzt haben, da die Produktivität im gleichen Maß gestiegen ist. Hohe Produktivität (die erst durch den Kapitalismus aus dem Boden gerammt wurde) als notwendige Voraussetzung für eine geringe notwendige Arbeitszeit ist die wesentliche Grundlage, um das Leben für alle lebenswert zu machen, sprich ein gesamtheitliches, an den fundamentalen menschlichen Bedürfnissen orientiertes Leben mit kultureller und demokratischer Betätigung überhaupt erst führen zu können. Nicht Wissenschaft und Technik sind die Quelle der gesellschaftlichen Verfaulung, sondern deren Nutzung unter der Leitlinie der Profitmaximierung. Diesen wichtigen Hinweis vermisst man in 'Das waren die Grünen'. Allen Wissenschaften die ihre Fortschritte und Erfolge ihrer historisch-dynamischen Untersuchungsmethode verdanken, inklusive dem Marxismus als ernsthafteste Gesellschaftswissenschaft, hat das Bürgertum in Konsequenz darauf mit dem Angriff auf jede Art des historischen, kausalen und insbesondere des nach Interessen forschenden Denkens geantwortet und durch unzählige ideologische Spielarten diese drei Fragestellungen mit Tabu und Erdrosselung belegt. Wie die letzten 10 Jahre zeigen ist dadurch die Verblödung und Infantilisierung großer Teile ihrer sogenannten Intelligenz glänzend gelungen, was übrigens auch die zunehmende Gehirnerweichung der Studenten in den fortgeschrittensten Ländern zeigt. Der Kampf für den Marxismus als 'Entlarvungswissenschaft' wird dadurch neben seinen entscheidenden politisch-materiellen Aspekten auch zu einem Kampf für die Wissenschaft überhaupt, die bei noch längerer Dauer der bürgerlichen Herrschaft in einem ähnlichen Dunkel zu versinken droht wie die antike Wissenschaft im Mittelalter. Es ist nicht nur kein Trost, sondern bestimmender Teil dieser Entwicklung daß die Anwendbarkeit der für die Kapitalverwertung interessanten Teile der Wissenschaft dabei erhalten bleibt. Das dabei entstehende moderne Mittelalter wirft seine Schatten bereits kräftig voraus, Folter und Vernunftverachtung, Scholastik und Zynismus sind im Zuge des Verfalls der bürgerlichen Ordnung schon längst zurückgekehrt. Es ist die Abkehr von der Aufklärung als ehemaliger kultureller Waffe des Bürgertums neben der historisch bestimmenden materiellen Durchschlagskraft, mit Marx als geradliniger Fortsetzung und konsequentem Ausbau ihrer fortgeschrittensten Positionen. Dürre Bruchstücke wahrheits- statt anpassungsmotivierter linker Theorie ragen noch einige Zeit in die Buch-, Artikel- und Redenlandschaft, bevor sie schließlich zu formlosem Geröll werden, was man in 'Neusprech' wohl Pluralität der Meinungen in Verwechselung mit Klarheit und Verbindlichkeit nennt. 'Das waren die Grünen' ist ein Beitrag dazu, diese Entwicklung zu bremsen.

Die historische Entwicklung nach der Oktoberrevolution kommt im Text sehr kurz weg, obwohl hier der wesentliche Schlüssel zum Verständnis des letzten Jahrhunderts bis heute liegt. Frau Ditfurth erwähnt kurz, daß es ihr nicht zukomme das materielle Niveau und die damit verbundenen politischen Folgen nach der Oktoberrevolution zu beurteilen. Stalin 'die Flüsse rückwärts fließen lassen wollte' (was zutrifft). Nun war der Stalinismus nicht die Folge der relativen Rückständigkeit der Sowjetunion, sondern der politische Schatten der Interessen privilegierter Schichten. Nicht Stalin hat die Bürokratie gefunden, sondern sie ihn. (Nebenbei gesagt war der entscheidende Unterschied zwischen den Bolschewiki und den Kämpfern der RAF, seinen Verstand darauf zu verwenden die jeweiligen Zwingherren wirksam anzugreifen. Alle Bemerkungen zum Terrorismus greifen zu kurz, wenn sie nicht von diesem Blickwinkel ausgehen). Die enorme politische Desorientierung derer, die nichts verschachern können als ihre Arbeit, wurzelt vor allem in dem nach wie vor wirkenden Einfluß von Sozialdemokratie und Stalinismus, und das ist der wesentliche Beitrag der das Profitsystem zu einem festen Pflock im Hirn der unterdrückten Mehrheit macht.

Die Systemfeinde lauern zunehmend auch von rechts, und allein das ist ein Grund nicht nachzulassen. Ein wachsender Teil der Leute möchte tatsächlich „Flüsse rückwärts fließen lassen", Sehnsüchte nach einer mittelalterlichen Produktionsweise treten in vielen Gesprächenauf, nationalistische Ansätze feiern facettenreich ihre Renaissance.

Abschließend ist zu sagen, daß Jutta Ditfurth als linke Systemoppositionelle hoffentlich noch recht lange und aktiv erhalten bleibt.

Books:

  1. Ensslins kleine Naturführer. Dinosaurier
  2. Der Horizont hat Flügel. Die Zukunft der Bildung.
  3. Feindbild Amerika. Über die Beständigkeit eines Ressentiments.
  4. Die Kennedys. Glanz und Tragik des amerikanischen Traums.
  5. Die Allendes. Mit brennender Geduld für eine bessere Welt.
  6. Niklas Luhmann
  7. Mein Leben ist eine Waffe. Selbstmordattentäter. Psychogramm eines Phänomens
  8. Madam Secretary - Die Autobiographie
  9. Der Bush-Clan. Die wahre Geschichte einer amerikanischen Dynastie
  10. Ich habe einen Traum

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