Krieg dem Westen. Terrorismus im 21. Jahrhundert.

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Authors: Walter Laqueur
Catalog: Book
Media: Broschiert
Release Date: September 2003
Publisher: Ullstein Tb
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Kategorien - Politik & Geschichte - Terrorismus & Extremismus - Terrorismus

Customer Review:
Wegweiser in einer bedrohten Welt
Woher kommt der Terrorismus? Auf diese weit verbreitete und in der Öffentlichkeit gar zu simpel beantwortete Frage gibt der Autor zunächst eine bündige negative Antwort. Armut, Bildung, Repression scheiden als erklärungskräftige Variablen für das Phänomen des Terrorismus definitiv aus, dafür ist das Bild einfach zu vielschichtig- es scheint sogar so zu sein, dass der Terrorismus gerade in teilliberalen Regimes unter gebildeten Jugendlichen gedeiht. Ein historischer Vergleich zeigt jedoch, dass etwa im Vergleich zu den irischen und russischen Terroristen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts folgende Veränderungen festzustellen sind: (1) die zunehmende Nihilierung der Grenze von Kombattanten und Nichtkombattanten, (2) die Bedenkenlosigkeit in der Wahl der Waffen und der (3) eskalierende Fanatismus - Elemente, die einen starken Bezug zur religiösen Motivation aufweisen, wobei der Islam als die traditionellste und kriegerischste aller Weltreligionen nach Meinung des Autors bei weitem den günstigsten Nährboden für diese Art von modernem Terrorismus bietet.
Der Autor beschreibt anschließend sehr detailliert die Entstehung der islamischen Terrordoktrin in Ägypten, einem der liberalsten Länder der arabischen Welt, wo in Gestalt des Salafismus eine kompromisslose Rückkehr zum orthodoxen Islam, ein dumpfes Ressentiment gegen den Westen und die Betonung des Dschihad gepredigt wurde, des weiteren die soziologischen, historischen und psychologischen Entstehungsbedingungen des modernen Selbstmordattentates, ehe er zur Entstehung des international vernetzten islamischen Terrorismus kommt. Meilenstein dieser Entwicklung war die Errichtung Talibanstaates in
Afghanistan, wo man im Schutz eines Staates den Terror weltweit vorbereiten konnte Im Rückblick erschient deswegen der Afghanistankonflikt als die Formierungsperiode des internationalen vernetzt operierenden islamischen Terrorismus, dessen bekannteste Aktionseinheit die Al Qaida Bin Ladens wurde, eine weltweit operierende Kampreinheit, die sich den weltweiten Sieg des Islam gegen den Westen zum Ziel gesetzt hatte und die bei ihren Anschlägen vor allem auf die gut ausgebildeten Muslime aus Europa zurückgriff. Die Tatsachen, die der Autor in diesem Zusammenhang zusammenträgt, gehören zu den erschütterndsten des ganzen Buches. Die muslimischen Enklaven in Europa ( 4 Millionen in Frankreich, 3 Millionen in Deutschland, 3 Millionen in Großbritannien ) sind zu Fremdkörpern innerhalb der freiheitlichen Gesellschaft geworden, wobei die linken Apologeten dieser laizistischen Gesellschaftsformen diese Fremdkörperbildung auch noch als Beweis der eigenen Freiheitlichkeit gegen jede Art von Kontrolle lange Zeit mit Zähnen und Klauen verteidigten. Es ist schon hahnebüchern, wenn die radikalen Prediger des islamischen Terrors ihre Thesen bis vor kurzem (1) im Schutz des Religionsprivilegs ungehindert in den tausenden Moscheen verbreiten konnten, wobei (2) ihre Führer und Gefolgsleute auch noch von der Sozialhilfe der Staaten leben, die sie vernichten wollen und (3) von eben diesen Staaten, wenn sie bei Aktionen im Ausland in Schwierigkeiten geraten, auch noch herausgepaukt wurden. Nicht minder erstaunlich ist die Blauäugigkeit der Kirchen und der Medien wie auch der literarischen Prominenz, die in einer Art übersteigerten Selbsthasses aufgrund der europäisch-kolonialen Vergangenheit die offensichtliche Bedrohlichkeit dieser Kräfte innerhalb des eigenen Staatswesen nicht wahrhaben wollen.
Dieser Selbstvergessenheit feierte sogar nach dem 11.9.2001 fröhlich Urständ, und die literarischen Zeugnisse, die der Autor dazu zusammenträgt, können einem dem Atem verschlagen. Von dem Unsinn einer Arundhati Roy, der in westlicher Medien fleißig nachgebetet wurde über die ignoranten Tiraden von Günter Grass bis zu den Beiträgen von Feuilletongiganten aller Art wurden vor allem die USA und der Westen dafür verantwortlich gemacht, dass die zusammenbrechenden Türme des WTC Tausende von Menschen in den Tod rissen - ganz zu schweigen von den Verschwörungstheorien, die im Gefolge des 11.9. dem CIA, dem Mossad oder den Rechtsradikalen die Anschläge in die Schuhe schieben wollten, eine Konstellation, die den Autor an den Realitätsverlust und den Defaitismus der Pazifisten der Dreißiger Jahre gegen den heraufziehenden europäischen Totalitarismus erinnert.
Das Buch schließt mit einer breiten Analyse der "Schlachtfelder der Zukunft", in dem der Autor von Kaschmir nach Xinjiang, über den Balkan, Israel und Sri Lanka die Krisenregionen im Hinblick auf ihre terrorismusträchtige Zukunft beleuchtet. Die Detailunterschiede bei diesen Problemen sind frappierend - während sich etwa die islamische Öffentlichkeit um die Unterdrückung der Muslime in China und Indien nicht sonderlich erregt, steht der Palästinakonflikt im Mittelpunkt des Weltinteresses - auch das eine Folge der inadäquaten Abbildung der Wirklichkeit durch die Medien.

Books:

  1. Was kostet die Wiedervereinigung? Und wer muß sie bezahlen? Stand und Perspektiven
  2. Das waren die Grünen. Abschied von einer Hoffnung.
  3. Ensslins kleine Naturführer. Dinosaurier
  4. Der Horizont hat Flügel. Die Zukunft der Bildung.
  5. Feindbild Amerika. Über die Beständigkeit eines Ressentiments.
  6. Die Kennedys. Glanz und Tragik des amerikanischen Traums.
  7. Die Allendes. Mit brennender Geduld für eine bessere Welt.
  8. Niklas Luhmann
  9. Mein Leben ist eine Waffe. Selbstmordattentäter. Psychogramm eines Phänomens
  10. Madam Secretary - Die Autobiographie

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