Customer Review:
Eine Negativbewertung für die Kundenrezension...
... erzielt man hier mit hoher 'Sicherheit' - man muss nur schreiben, was dieses Buch darstellt.
Die Autoren und deren Fans (gibt's die noch?) sind natürlich einer Meinung; und das ist gut so: Damit bleiben sie unter sich. Stasileute schreiben über sich, zitieren sich gegenseitig, 'rezensieren' sich in der "Jungen Welt" (ja, die gibt's noch!), und das war's.
Als Beitrag zur historischen Aufarbeitung der DDR-Zeit, wie von den Urhebern behauptet, eignet sich dieser Doppelband nicht einmal bedingt - selbst unter Berücksichtigung der extremen Systemeinbindung der MfS-Leute, gleichbedeutend mit extremer Indoktrination. Denn die ideologische Einseitigkeit ist gar nicht das Problem.
Absolut disqualifizierend ist vielmehr ihre Umdeutung der DDR-Verhältnisse, durchgezogen bis ins Detail. Das ist nun ein starkes Stück - immerhin existiert das MfS seit über 15 Jahren nicht mehr. Doch Einsichten sucht man hier vergebens, statt dessen dreschen die MfS-Leute ihre bekannten Phrasen und kultivieren ihre Rechtfertigungslyrik in verblüffender Weise.
Ein Beispiel: Da meint Siegfried Rataizick, Chef der MfS-Abt. XIV (Haft), er und seine Untergebenen wären stets streng gesetzeskonform (!) vorgegangen. Das ist auch gar nicht so unwahrscheinlich. Nur eine "Kleinigkeit" fehlt: Nämlich der Hinweis, dass Gesetze in der DDR prinzipiell willkürlich gemacht, nach Belieben der SED geändert, übergangen oder auch mal "nachgereicht" wurden. Dafür war Herr R. allerdings kaum zuständig.
Zuständig war er aber für die Durchsetzung der U-Haftvollzugsordnung, gesetzestreu und ordnungsliebend. Praktischerweise hat er diese UHVO 1986 selbst geschrieben, und dafür gar einen Doktortitel der MfS-"Hochschule" bekommen. Leider vergaß er, dies im Buch zu erwähnen, ... Bescheidenheit ist eine Zier!
Und das hat Methode. Drei Argumentationsmuster wiederholen sich ständig:
1. Die Stasi hätte den Sozialismus gegen die "Feinde" verteidigen müssen, und deren 'tückische Methoden' wären dem MfS faktisch aufgezwungen worden.
2. Die Stasi wäre nur ausführendes Organ gewesen, gebunden an Gesetze, Gegebenheiten, existenzielle Zwänge. Quasi im "Befehlsnotstand", nichts anderes ist gemeint.
3. Die Stasi hätte - aufgrund ihrer umfassenden Informiertheit, und gewiss mithilfe ihres "politisch-operativen" Arsenals - der historischen Entwicklung eine andere Richtung geben können, wenn die SED-Führung die "Warnungen" des MfS berücksichtigt, wenn die Stasi nur freie Hand gehabt hätte.
Wie soll man sich das vorstellen? Das MfS als Retter des "real existierenden Sozialismus", der seit ca. 1980 die Pleite verschleppte, dem die Kellner genau so wegliefen wie die Ärzte, und dessen Bürger in der großen Mehrheit keine Illusionen über die Chancen dieses Systems hegten?
Die Stasi hat in Wahrheit massive, rücksichtslose Anstrengungen unternommen, in Erfüllung ihres SED-Auftrags und am Rande ihrer Möglichkeiten. Und sie konnte - in Gestalt ihres für die Existenz der DDR wichtigsten Mitarbeiters, Schalck-Golodkowski - zur Mitte der 80er Jahre tatsächlich eine Galgenfrist herausschlagen, dank KoKo-Müllgeschäften, Waffen- und echtem *Menschenhandel* - dem Verkauf von Häftlingen gegen Devisen - usw. Der Preis war der endgültige Zusammenbruch kurz darauf.
Dann brauchte es keine "Ignoranz" des Politbüros mehr. Gelinde ausgedrückt hatte die Stasi niemals nennenswerten Rückhalt in der Bevölkerung. Und sie manövrierte sich letztlich ebenso ins Aus wie ihre Auftraggeber und Helfer von der Staatspartei.
Apologetik. Das liefert dieses Buch. Einzelne - nicht alle - Autoren versuchen, trotz der bekannten Fakten zum MfS, d.h. seiner Brutalität, vorsätzlichen Rechtsverletzungen, dazu seiner Ineffizienz, sowie trotz des finalen Versagens (!), sich als "tüchtige Verteidiger des Sozialismus" zu gerieren. Dieser Spagat kann nicht überzeugen.
Konrad Weiß stieß sich an der Behauptung der Autoren, wonach "die 'Stasi-Jäger' den damaligen Gegner [also das MfS] aufwerteten", um "die eigene Bedeutung [zu] heben". Heute - und dafür steht das Buch exemplarisch - trifft es *umgekehrt* viel besser! Denn hier feiern längst begraben geglaubte Verschwörungsstories ihre Wiedergeburt, und das "gute Gewissen der Generäle wächst mit jedem Zitat" (so Lutz Rathenow im Deutschlandradio).
Ist die "Abwehrarbeit des MfS" mit diesem Buch "angemessener gewürdigt", gar rehabilitiert?
Wenn ich aus dem Fenster sehe - nein, die Mauer ist nicht mehr da. Irgendwann stand sie da, aber das ist lange her. Manche Leute scheinen noch in dieser vergangenen Zeit zu leben. Von solchen Zeit-Genossen sind Bücher wie dieses gemacht, für Ihresgleichen.
HEUTE ist so etwas möglich: Selbst solche Elaborate dürfen erscheinen. Und das ist gut so. Lassen wir den Unbelehrbaren ihre Selbstbespiegelung. Aber hüten wir uns davor, zuviel Nachsicht walten zu lassen, wenn die Geschichte wieder umgelogen werden soll. Die Verfasser hatten damals ihre erste Chance zur Reflexion, und mit diesem Buch vielleicht eine zweite. Sie haben beide vergeben. Insofern blieben sie sich treu.
Eine nachdrücklichere Diskreditierung ist schwer vorstellbar. Die MfS-Riege ist abgetreten. Ohne Applaus.
20 fanatische "Schild und Schwert der Partei" Greise
In Zeiten der Ostalgie setzt dieses Machwerk zweifellos Maßstäbe der DDR - Geschichtsklitterung. In professioneller Geheimdienstmanier suggerieren einstige Chefideologen und Generäle des MfS Halbwahrheiten - auf über 1200 Seiten ausgewälzt. Die Verantwortlichen und Täter des ehemals größten Geheimdienstes der Welt benutzen als Autoren das Recht auf Meinungsfreiheit genau der Demokratie, die sie zuvor mit tschekistischem Hass bekämpften. Statistisch gesehen gab es in jeder 30. Familie der DDR einen Angehörigen, der politische Haft zu erleiden hatte.
Den Kaufpreis für dieses Buch kann man sich sparen, wenn man das folgende, entlavende, Zitat der schreibenden Stasigeneräle zur Kenntnis nimmt:
"Als wesentliche Voraussetzung für die Beseitigung der Machtverhältnisse in der DDR stellt die Zerschlagung des MfS/AfNS einen Dreh- und Angelpunkt in Strategie und Taktik der Feinde der DDR dar. Das im einzelnen konkret zu beweisen ist bei gegenwärtiger Quellenlage allerdings kaum möglich."
Machwerk
Das Buch zeichnet sich dadurch aus, dass ehemalige MfS-Offiziere ihre Sicht auf ihre eigene Geschichte wiedergeben. Es wäre als interessant einzustufen, hätten sie sich zu autobiographischen Niederschriften entschlossen. Aber so zu tun, als basiere ihre Darstellung auf wissenschaftlicher Forschungsarbeit ist nicht nur unseriös, sondern erfüllt all das, was gelegentlich mit Geschichtsverfälschung umschrieben wird. In diesem Fall liegt eine solche vor. Aber solange in unserer Gesellschaft Antikommunismus gemeinhin als etwas Anrüchiges gilt, solange werden wohl auch solche Bücher sich gut verkaufen. Dieses Machwerk ist ein Hohn für jegliche Opfer diktatorischer Gewaltherrschaft und zugleich ein Faustschlag ins Gesicht für jeden Vertreter demokratischer und menschenrechtlicher Grundüberzeugungen - unabhängig von seiner politischen Gesinnung! Man kann nur hoffen, dass dieses Buch nicht unbedarften Multiplikatoren in die Hand fällt.
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