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Analyse des Endes der Sowjetunion
Michail Gorbatschow - Über mein Land: Russlands Weg ins 21. Jahrhundert
In zwei Teilen gibt der ehemalige Präsident der UDSSR, Michail Gorbatschow, in diesem Buch die Entwicklung des eigenen Landes von der Oktoberrevolution 1917, bis zum Zerfall 1991 wieder.
Teil Eins, "Das Erbe der Oktoberrevolution", beginnt mit einer kurzen Zusammenfassung der Lage Russlands vor der Oktoberrevolution. Es folgt eine ebenfalls recht knappe (ca. 100 Seiten) Beschreibung der Entwicklung der Sowjetunion nach der Oktoberrevolution bis zur Regierungszeit von Gorbatschow selbst.
Hier beginnt der zweite Teil des Buches: "Die Union wäre zu retten gewesen". In diesem Teil, der ebenfalls rund 100 Seiten umfasst, erläutert Gorbatschow genau, wie es zum Ende der Sowjetunion gekommen ist. Angefangen bei der Perestroika und Glasnost, über den fast zustande gekommenen Vertrag der neuen Union souveräner Staaten, bis zum Minsker Abkommen, dass das Ende der Sowjetunion besiegelte.
Die Geschichte Russlands im 20.Jahrhundert wird hier nur sehr grob umrissen. Die Regierungszeiten von Lenin, Stalin und Chrustshow werden nur kurz angerissen, über Breshnew, Andropow und Tschernenko wird fast nichts bis gar nichts geschrieben. Speziell im Falle von Lenin, kommt auch die Kritik etwas zu kurz. Gorbatschow räumt zwar ein, dass Lenins Machtübernahme blutig verlaufen ist, aber wie gewaltsam sie wirklich war, bzw. wie gewaltsam die folgende Diktatur von ihm war, die Millionen Menschen das Leben gekostet hat, wird nicht weiter erwähnt.
Der erste Teil fällt insgesamt also etwas zu knapp aus.
Der wichtige Teil der Buches ist dann der zweite. Gorbatschow berichtet ausführlich über seine Amtszeit. Dabei legt er natürlich Wert auf die großen Reformen im Rahmen der Perestroika und Glasnost, sowie den neuen Unionsvertrag, der eine komplette Erneuerung des Sowjetischen Systems zur Folge gehabt hätte. Dabei beschreibt er vor allem seinen Kampf, diese Reformen gegen die Kritiker möglichst schnell voranzutreiben. Großen Wert legt er auch (absolut zu Recht) darauf, dass alle seine Handlungen auf demokratischen und verfassungsrechtlichen Grundlagen beruhen mussten, und nicht wie in der totalitären UDSSR vor ihm, auf der Anwednung von Gewalt.
Dieser Teil, dessen Schwerpunkt auf den beiden letzten Amtsjahren Gorbatschows, 1990 und 1991 liegt, ist durchweg lesenswert und auch von hohem dokumentarischen Wert.
Selbstverständlich muss man sich aber auch immer vor Augen halten, dass Gorbatschow nicht immer objektiv schreiben kann. Immerhin war er selbst die zentrale Person dieser Zeit.
Kritikpunkte in diesem Teil des Buches sind zwei Dinge: Einmal vermisse ich wenigstens ein paar Eingeständnisse von eigenen Fehlern, und zum anderen ist es nicht ganz nachvollziehbar, wenn Gorbatschow das Buch mit dem Fazit beendet, dass eine neue Union mit den Staaten Russland, Ukraine und Weißrussland möglich wäre.
Übersieht man aber diese etwas seltsame Einschätzung, und ist man sich darüber bewusst, dass die Betrachtungen und Bewertungen nicht immer ganz objektiv sein können, so erfährt man doch recht viel über die kritischen Jahre in der Sowjetunion zu der Zeit der großen Reformen, bis zum Zerfall. Und unter diesem Gesichtspunkt, ist das Buch durchaus lesenswert!
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