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Breiter Meinungsüberblick zu einem EU-Beitritt der Türkei
Das vom renommierten Politikwissenschaftler herausgegebene Buch „Die Türkei und Europa" erweist sich in vielerlei Hinsicht als äußerst nützlich und gewinnbringend. Die Vielzahl an Beiträgen, die sich auf die „Qualifikation" der Türkei für einen möglichen EU-Beitritt beziehen, werden der Reihe nach von Leggewie benannt und vorgestellt.
Als Diskussionsansätze dienen hierbei zum Beispiel die Religion (Christlicher Glaube versus Islam), die Wirtschaftspolitik (Überhebung oder neuer Markt?) oder die türkische Entwicklung seit der Entstehung der kemalistischen, laizistischen Republik.
Für hochkarätige Autoren ist dabei gesorgt: So melden sich Bundeskanzler Helmut Schmidt, Historiker wie Kocka, Wehler und Winkler ebenso zu Wort, wie der umstrittene Politikwissenschaftler Herfried Münkler.
Die Beiträge stammen dabei überwiegend aus der Zeit von 2002 bis 2003, was sich als mittelschwere Schwäche erweist. Ein aktueller Bezug zu „neueren" Kontroversen über die Armenier-Frage und den Status Zyperns werden von nur wenigen Autoren und dann auch nur peripher geschnitten. Obwohl Leggewie bei der Auswahl der Artikel für sich Neutralität proklamiert, überwiegt en gros doch der positive, beitrittsfreundliche Tenor.
Die Negation des Türkei-Beitritts wird meist von älteren Autoren vertreten und trifft dort - welch Überraschung - in erster Linie im sozialdemokratischen Lager auf Ablehnung.
Die „Die Türkei und Europa" ist eine nicht mehr ganz aktuelle, aber dafür umfangreiche und informative Lektüre über den Status quo der Türkei-Debatte. Ausgeschmückt wird das Forum mit allerlei Informationen über Geschichte der Türkei, ihre geographische, wirtschaftliche und humanitäre Lage.
Sehr heterogenes Sammelwerk
Dass bei einem Sammelband naturgemäß sehr unterschiedliche Beiträge zu erwarten sind, ist klar, doch sind die Texte in diesem Band hinsichtlich Informationsgehalt und Tiefe der Analyse sehr heterogen. Längere Einleitungskapitel zu den einzelnen Abschnitten , die ein Mehr an Hintergrundinformation bieten, auf deren Grundlage man dann auch die Meinungsbeiträge (die großteils schon an anderen Orten veröffentlicht wurden) beurteilen hätte könne, wären hilfreich gewesen. Insgesamt aber ein guter Überblick über die Positionen in der aktuellen Debatte.
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