Customer Review:
Einseitig und doch aufschlußreich
Unter einer "Enzyklopädie" stellt man sich etwas anderes vor. "Lesebuch" wäre treffender. Es handelt sich nicht um ein Nachschlagewerk, sondern um eine Sammlung von Texten, die - jedenfalls nach Meinung des Herausgebers - für die 68er-Bewegung prägend waren. Das fängt natürlich bei Marx an, die großen Vorbilder Lukacs, Adorno, Benjamin etc. dürfen nicht fehlen, dazu kommt ein Strauß von Texten aus der Zeit um 68, vom Flugblatt bis zum Dutschke-Referat; am Rand wird das alles garniert mit Tagesmeldungen aus dem Jahr 1968 (ohne Bezug zu den Texten). Die Auswahl ist eher subjektiv, und vor allem: es kommt nur die Seite der 68er selbst zu Wort. Jegliche Außenperspektive wird vermieden. Trotzdem oder gerade deshalb macht einem das Buch die 68er, einschließlich Rudi Dutschke, nicht gerade sympathisch. Wenn man sich durch den Wörterdschungel dieser Texte kämpft, merkt man, wie borniert, intolerant und ideologisch festgefahren diese Leute waren, und daß es nicht der Wunsch nach konkreten Verbesserungen war, der sie antrieb, sondern die Sehnsucht nach "Revolution" und "Kampf", sprich: erst einmal das herrschende System kaputtmachen, dann kommt das Paradies von selbst. Insofern ist dieses Buch doch aufschlußreich: es bietet nicht den Mythos, sondern den Originalton - und der klingt blechern.
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