Customer Review:
abenteuerlich, spannend, politisch
Diese Autobiografie, gibt das aufregende Leben von Malcolm X detailreich wieder.
Alex Haley schrieb dieses Buch zusammen mit Malcolm X in einer einfach gehaltenen Sprache und strukturiertem Inhalt. Da kann man schonmal über die einigen Rechtschreibfehler die vorkommen hinwegsehen.
Es wird erstaunlich präzise und ausführlich über Malcolm Xs Vergangenheit erzählt, manchmal zu ausführlich. Beispielsweise werden viele Seiten erschöpft um zu beschreiben wie Malcolm X das Tanzen erlernt und es in Klubs praktiziert.
Es werden auch die schweren Lebensumstände der Schwarzen in der damaligen Zeit beschrieben und wie diese sich der Kriminalität widmeten, da ihnen nichts anderes übrig blieb. So wird auch Malcom Xs kriminelle Vergangeneheit ausführlich beschrieben. Trotz der einfach gehaltenen Sprache, ist dieses Buch eher für geübte Leser, da das Nivaeu und die Komplexität im Verlauf des Buches steigt und vor allem politischer wird. Es wird der Rassismus behandelt, teilweise wurden ganze Kapitel gewidmet um Malcolm Xs Ansicht zu dieser Thematik zu schildern.
Malcolm Xs Leben besteht aus einer Aneinanderreihung von Veränderungen, was dieses Buch abenteuerlich und spannend macht.
Mehr als ein Buch über Rassismus
Alex Haley (Hg.) - Malcolm X - Die Autobiographie
Malcolm X ist heute, neben Martin Luther King, die wichtigste und bekannteste Person, wenn es um den Kampf der Afro-Amerikaner um Gleichberechtigung und gegen den Rassismus geht. Vom Jahre 1952 an, bis zu seiner Ermordung im Jahr 1965 kämpfte er an vorderster Front für die Schwarzen in den USA. Die letzten beiden Jahre seines Lebens nahm er sich dabei immer wieder Zeit, um sich regelmäßig mit Alex Haley zu treffen, und ihm sein Leben für diese Autobiographie zu erzählen. Nur kurz nachdem alle Informationen zusammengetragen waren, und noch vor Fertigstellung des Manuskripts, wurde er erschossen. Malcolm selbst sagte, dass er nicht damit rechnete, die Veröffentlichung des Buches noch zu erleben...
In den neueren Auflagen wird das Buch mit einem Vorwort von Mumia Abu-Jamal eröffnet. Abu-Jamal, selbst ein schwarzer Journalist und Schriftsteller, der seit über zwanzig Jahren wegen einem Mord, der ihm zu unrecht angehängt wurde, in der Todeszelle sitzt, schreibt kurz über den Einfluss, den Malcolm X auf die Menschen hatte, und den er auch heute noch hat.
Die eigentliche Autobiographie beginnt mit der Kindheit Malcolms. Er erzählt erstaunlich genau über seine Familie, die Ermordung seines Vaters durch weiße Rassisten, den Kampf seiner Mutter, als allein erziehende arme Mutter von acht Kindern, und natürlich seine Persönliche Entwicklung in diesen frühen Jahren.
Die nächste Etappe seines bewegten Lebens beginnt, als er 1940 mit fünfzehn Jahren zu seiner Halbschwester nach Boston zieht. Hier wird er in den Bann der kleinkriminellen Szene des Armenviertels in Boston gezogen und tritt eine Entwicklung an, die ihn wenig später, mit sechzehn Jahren, nach Harlem, New York führen sollte.
Hier, in New York, wurde aus dem Kleinkriminellen aus Boston schnell ein echter Verbrecher. Angefangen als Drogendealer, über Schlepper, bis hin zu seinem eigenen Einbruchs-Unternehmen. Diesem Leben wurde erst 1946 ein Ende gemacht, als Malcolm zu zehn Jahren Haft verurteilt wurde, von denen er sieben absitzen musste.
Diese sieben Gefängnisjahre nutzte Malcolm, der die Schule nach der achten Klasse verlassen hatte, zum Selbststudium. Er brachte sich richtiges Schreiben und Lesen bei, und erweiterte seinen Wortschatz, der nach eigenen Angaben bei seiner Einweisung ca. 200 Wörter umfasste. Gleichzeitig wurde er durch seine Geschwister auf die Nation of Islam, und die Lehren ihres Führers Elijah Muhammad aufmerksam.
Als er das Gefängnis 1952 verließ, trat er der Nation of Islam bei, und stieg schnell zur zweit wichtigsten Persönlichkeit der Organisation auf. Die nächsten 12 Jahre seines Lebens widmete er dem Kampf der Nation of Islam für die Schwarzen, und gegen die Weißen.
Zu guter letzt wird auch die Zeit von seinem Austritt aus der Nation, bis kurz vor seiner Ermordung behandelt. Direkt im Anschluss folgt ein Epilog von Alex Haley. Er erzählt auch die letzten Wochen im Leben des Malcolm X, inklusive seinem Tot und den folgenden Tagen, mit den verschiedenen Reaktionen von Medien, Organisationen und Persönlichkeiten auf seine Ermordung. Das Buch umfasst auf diese Weise also tatsächlich sein komplettes Leben.
Im Epilog berichtet Alex Haley auch genaueres über seine Zusammenarbeit mit Malcolm. Dadurch wird deutlich, was für ein ruheloses Leben Malcolm die letzten beiden Jahre seines Lebens geführt hat. Haley beschreibt die verschiedenen psychischen Verfassungen, in denen er Malcolm antraf. Wie er auftrat, wenn er von einer Debatte kam, wie er wirkte, nachdem es einen negativen Artikel über ihn in der Zeitung gab und Ähnliches. Auf diese Weise gibt er zumindest einen kleinen Einblick in die Psyche dieses Mannes, der in diesen betroffenen Jahren jeden Moment mit seinem Tot rechnen musste, und entsprechend lebte.
Ganz wesentlich an diesem Buch ist der Erzählstil von Malcolm. Er erzählt immer in der Denkweise, die er während der erzählten Zeit hatte. Wenn er also über seine kriminellen Jahre spricht, dann bedient er sich der Sprache der „Hustler" im Ghetto. Er geht darauf ein, warum er sich so verhalten hat, und was ihn zu verschiedenen Taten bewegte. Über seine Jahre als Diener Elijah Muhammads und der Nation of Islam redet er, als streng Gläubiger Anhänger von Muhammad. Auch, als er noch während der Entstehung dieses Buches aus der Nation ausgeschlossen wurde, und eine starke Abneigung gegen Elijah Muhammad entwickelte, änderte er diesen Teil nicht um, um das Buch als persönliche Abrechnung mit Muhammad und der Nation zu verwenden. Er schreibt jeden Teil so, wie er zu der erzählten Zeit empfunden hat. Das verleiht dem Buch eine zusätzliche Authentizität.
Beendet wird das Buch mit einem kurzem Artikel über „Das politische Vermächtnis von Malcolm X", in dem darauf eingegangen wird, warum Malcolm auch heute noch so wichtig ist, und sogar erheblich berühmter als zu seinen Lebzeiten.
Diese Autobiographie ist mehr, als nur ein Buch über Rassismus und den Kampf der Afro-Amerikaner in den USA. Das Buch beschreibt den persönlichen Kampf eines Mannes gegen sein Umfeld, gegen seine eigenen inneren Dämonen und gegen den psychischen Druck einer Gesellschaft, die ihn zu einem unterwürfigem Geschöpf machen will, dass sich selbst als, wenn überhaupt, minderwertigen Menschen sieht. Dieser Kampf und diese persönliche Entwicklung werden so eindrucksvoll und ehrlich erzählt, dass es den Leser schnell in seinem Bann zieht, und bis zum Ende nicht mehr loslässt.
Ehrlich und authentisch...
Widersprüchlich, aber sehr ehrlich berichtete Malcolm X (ehemals Little) dem Journalisten und späteren Pulitzer-Preisträger Alex Haley zwischen ständigen Vortragsreisen in vielen Gesprächen über zwei Jahre lang aus seinem Leben und über die wechselnden Ansichten, bis ein Kugelhagel 1965 seinem gerade 40-jährigen Leben ein Ende bereitete, ausgerechnet durch die Hände jener „Black Muslims", über die er zu einem radikalen und moralischen Prinzipien verpflichteten Leben gekommen war.
Haley hat die „Autobiographie" so verfasst, wie es Malcolm X wollte: in den ersten Kapiteln bewusst den Jargon des kriminellen Undergrounds nachahmend, in dem sich das Leben der Harlemer Schwarzen bewegte, dann wechselnd zu der von Ehrfurcht und Begeisterung zum Führer der „Lost-Found Nation of Islam" Elijah Muhammad geprägten Prediger-Laufbahn, die ihn zum zweitwichtigsten Mann dieser afro-amerikanischen islamischen Bewegung machte. Bewundernswert ist, wie dieser nach der 8. Klasse aus der Schule entlassene Kleinkriminelle die Auszeit des 10-jährigen Gefängnis-Aufenthaltes zu einer breiten Lektüre und Selbstbildung in verschiedensten Themenbereichen nutzte.
Alex Haley wurde durch diesen Schwarzenführer, der nach dem Bruch mit den „Black Muslims" zuletzt die Verbindung mit den afrikanischen Glaubens- und Blutsbrüdern auf vielen Reisen suchte, inspiriert zu den Nachforschungen seiner eigenen afrikanischen Ursprünge, die ihn zu dem Bestseller „Roots" führen sollten. Haley hat in seinem „Epilog" zur Entstehungsgeschichte der Autobiographie ausführlich die Persönlichkeit von Malcolm X beleuchtet, seine anfänglich sehr misstrauische Art und die zuletzt sehr gehetzte und um die Morddrohungen wissende Lebensweise von Malcolm. Das Buch ist überaus informativ und lesenswert für alle, die sich mit den Gleichstellungsbestrebungen und der Bürgerrechtsbewegung (Gruppe um Martin Luther King) der Schwarzen in den USA beschäftigen wollen.
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