Krieg ist Krankheit, keine Lösung

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Authors: Eugen Drewermann, Jürgen Hoeren
Catalog: Book
Media: Broschiert
Release Date: September 2003
Publisher: Herder, Freiburg
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Customer Review:
Frieden ist machbar - wenn man ihn nur will
Eigentlich muss man nur mäßig schlau sein um zu der Erkenntnis zu gelangen, dass Gewalt, Krieg und Folter immer nur neuen Hass erzeugt.

Ein Paradebeispiel des Scheiterns für die Konfliktlösung durch neue Gewaltanwendung ist der israelisch - palästinensische Konflikt. Drewermann schreibt dazu, auf Seite 21: Die Politik hat nicht zu rächen, was gesehen ist, sondern dafür zu sorgen, dass es nicht wieder geschieht. Und weiter auf Seite 75: Seit rund 35 Jahren schlagen die israelische Armee und der Geheimdienst fast täglich auf Steine werfende Kinder und Selbstmordattentäter ein - ohne Erfolg. Der Gaza Streifen ist nicht einmal so groß wie die Stadtfläche von Berlin. Wenn es nicht möglich ist, mit der mächtigsten Armee der Region den Terrorismus der Verzweifelten zu unterdrücken, wann eigentlich will man dann lernen, dass Gewalt gegen Gewalt nur die Quadratur der Gewalt ist, aber nicht deren Auslöschung bedeutet?

Drewermann schreibt auf Seite 68: Man greift nicht ein ganzes Land an, um einige Terroristen zu fangen, man riskiert nicht tausende von Toten als Kollateralschäden wenn man wirklich Menschen helfen will . . .

Drewermann empört sich zurecht darüber, wie der Begriff Verantwortung im Sinne der Realpolitik verwendet wird um den Krieg als politische Option als unausweichlich darzustellen. Pazifisten sind demgemäss blauäugige Tagträumer, betroffenheitsethische Wirrköpfe oder einfach nur neurotische Weicheier, Drückeberger und Weggucker. (Seite 32)

Für Drewermann ist Frieden keine Utopie, sondern ein ganz realistische Möglichkeit. Er verweißt dabei auf Nelson Mandela. Auf Seite 25 schreibt er: Ein wunderbares Beispiel bietet Südafrika unter Nelson Mandela. Er und sein Freund Erzbischof Desmond Tutu riefen 1995 eine Wahrheits- und Versöhnungskonferenz aus. Opfer wie Täter aus den jahrzehnten der Apartheid sollten öffentlich einander sagen, was sie erlebt hatten. Es würde keine Strafen geben, denn sonst versänke Südafrika in Blut. Man würde miteinander leben lernen. Alle Beschuldigten mit ihren zum Teil monströsen Vergehen würden sich auf den Weg machen müssen, um gütlich zusammenzuleben. Nur so verhinderte man eine drohende Explosion von Massaker, Terror und Lynchjustiz.

Pazifismus aus Stärke heraus
Drewermann nennt die Ursachen von Krieg und Terror ("allein die ungerechte
Verteilung der Güter dieser Erde bedeutet Kriegsgefahr"), er erklärt den
unterschiedlichen Umgang der Religionen mit "heiligen" und "gerechten" Kriegen,
er zeigt die Unsinnigkeit des Kriegführens auf, und er bringt starke Argumente
für friedliche Lösungen der weltweiten Konflikte. Dabei benennt er als ganz
konkrete Schritte "die Mündigkeit des Einzelnen"; "Erziehung zum Gefühl"; sich
selber kennen; "aktive Formen der Selbstdurchsetzung lehren"; "klares
Wertempfinden" vermitteln - kurz: eigenständige Individuen braucht die Welt. Auf
politischer Ebene sieht Drewermann die Notwendigkeit der nationalen Abrüstung
und der Einrichtung und wirklicher Bevollmächtigung internationaler
Institutionen wie dem internationalen Strafgerichtshof oder der UNO.
Mit der Friedensbewegung hat Drewermann ein Problem: solange "der Friedenswille
einer Art Angsthysterie" entspringt (wie bei den Demos gegen die Pershing 2),
handelt es sich um "vernünftigen Egoismus", nicht aber um "wirklichen
Pazifismus". Dieser argumentiert "mit einer verbesserten Form von Humanität
durch Angstüberwindung", während das lauwarme Friedensbekenntnis schnell
schwindet, sobald die durch einen Krieg drohenden eigenen Verluste als gering
eingeschätzt werden. Deshalb seine Empfehlung: "Nicht die aktuelle Politik, die
Humanität sollte das Thema der Friedenspolitik sein".
Perspektive für wahre Friedenspolitik
Eugen Drewermann beschreibt in seinem Buch auf beeindruckende Art und Weise seine Sicht zu kriegerischen Auseinandersetzungen,Gewalt und die daraus resultierenden Reaktionen. Diesen Ablauf von Aktion und Reaktion, oder wie Drewermann es prägnant formuliert, "die Quadratur derGewalt", macht er anhand vieler Beispiele, auch vor dem Hintergrund der Terroranschläge vom 11.September 2001 mit deren Folgen, deutlich. In den anschliessenden Kapiteln stellt der Autor Ursachen von Gewalt und Terror in verschiedenen Regionen, Religionen, Kulturen und politischen Systemen dar. Jedoch nicht ohne auch Lösungsansätze anzubieten, humanistisch und aus dem Glauben heraus geprägt. Besonders seine Ausführungen zum Pazifismus und zur Friedensbewegung finde ich im höchsten Maße interessant. Selten habe ich ein Buch gelesen, was meine Ansichten zu Krieg ,Gewalt und politischen Vorgängen so stark in Frage gestellt hat. Ein Buch, dass sehr nachdenklich macht und förmlich zum umdenken zwingt. Insgesamt ein sehr gelungenes Werk, welches man äußerst ungern aus der Hand legt.

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