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Erneut im Cockpit der Macht ...
Spätestens jetzt, nachdem Schäuble wieder Innen-Minister geworden ist, nachdem er dieses Amt einst mit der Regierung Kohl verloren hatte, spätestens jetzt dürfte alles, was er schreibt und denkt, wieder von noch höherer Wichtigkeit sein: denn nun sitzt er wieder im Cockpit der Macht - durchaus besonnen, wie er verlässlich stets ist - und mit der stabilen Fähigkeit, auch über den sichtbaren Horizont hinaus in künftige Flugrouten hineinzuspekulieren. Die Zukunfts-Bezogenheit seines Denkens erfreut besonders deshalb, weil manch anderer Mensch sicherlich daran zerbrochen wäre, aufgrund eines Attentates nun ein Leben lang seine Beine nicht mehr gebrauchen zu können. Seelisch fast noch empfindlicher scheint ihn beschwert zu haben, dass er sich im Dunstkreis von Helmut Kohl ungerecht behandelt gefühlt hat, ja zum Eindruck kam, er müsse das Haupt hinhalten für Fehler, die andere in ungleich größerem Maße begingen. Nun, nachdem Angela Merkel diesem Vollblut-Politiker eine erneute faire Chance gegeben hat, wichtigste Politik-Bereiche federführend zu gestalten, liest sich sein Buch hoffnungs-voller, macht nicht mehr so mutlos, wie es das tat, als man noch nicht wissen konnte, ob er je wieder zu Amt und Würden kommen könnte. Jetzt aber genießt man die Lektüre, als säße man auf einem Triumph-Wagen. Man wünscht, dass es ihm gelänge, seine politische Visionen - nach jener unfreiwilligen Denkpause - zügig in die Tat umzusetzen ...
Interessantes Werk!
In diesem Buch analysiert der ehemalige Innenminister Dr. Wolfgang Schäuble die Ursachen die zur Niederlage bei der Bundestagswahl 1998 geführt haben, aber auch die folgezeit.
Dr. Schäuble war ab November 1998 Parteivorsitzender der CDU,
doch durch Verdächtigungen mit in der Spendenaffäre der CDU
verstrickt zu sein, müsste er dieses Amt bereits im Frühjahr 2000 niederlegen.
Nüchtern, fast emotionslos, analysiert Schäuble zunächst die Gründe der Wahlniederlage von 1998, seine Erfahrungen als Parteivorsitzender.
Dieses Buch ist für jeden zu entpfehlen der die Hintergründe
der Wahlniederlage 1998 von einer persönlich Betroffen Person
geschildert haben möchte!
Nüchterne Berichterstattung
Wolfgang Schäubles Buch hat mehrere Qualitäten:
Es berichtet auf spannende Weise über die Zeit von Herbst 1997 bis Frühjahr 2000. Besonders interessant sind hier die Geschehnisse im Vorfeld der verlorenen Wahl '98 und natürlich die Spendenaffäre.
Es zeichnet auch ein Bild vom Wesen des Politikbetriebes: Eine Partei wird zusammengehalten von der gemeinsamen politischen Grundausrichtung sowie dem gemeinsamen Willen zur Macht und auseinanderdividiert von den Eigeninteressen der Handelnden und den daraus folgenden verdeckten Gefechten. Vor allem die Verhältnisse in der herrschenden Mediendemokratie werden ausgeleuchtet. Schäuble erkennt und kritisiert die Erfordernis der mediengerechten Politikinszenierung sowie der Hang auch seriöser Medien zur Skandalisierung. Darin liegt vielleicht der stärkste Punkt des Buches: Die originellsten Ideen und die beste Programmatik verpuffen vollkommen wirkungslos, wenn sie durch eine andere Nachricht (etwa Naturkatastrophe, Promi-Skandal) aus den Schlagzeilen verdrängt wird.
Ich selber kann das Buch auch Nicht-CDU-Parteigängern empfehlen; es ist nüchtern und weitgehend sachlich geschrieben und enthält viele vernünftige Ansichten und zukunftsweisende politische Grundsätze.
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