Customer Review:
Der EX-Bundeskanzler Helmut Kohl
Der Pfaelzer is ja schlau, der stellt sich aber dumm, bei den anderen ganz andersum. Kein Politiker, weder in der SPD, FDP, noch in der CDU hat jemals verstanden, seine Wiedersacher so systematisch loszuwerden, wie der Helmut Kohl. Angefangen von Ernst Albrecht, ueber Strauss bis zum Spaeth, Geissler und Schauble. Der Ogeersheimer oder Provinzieller, der jahre lange von seinen Freunden und Feinden unterschaetzt, hat nicht nur die deutsche Einheit, aber auch europaeische Einheit mit Mitterand auf den Wege gebracht. Das Adenhauer Enkelkind hat vieles erreicht, die man ihm nicht zumuten konnte.
Katastrophe!!!
Diese Autobiographie verdient den Namen Autobiographie nicht. Helmut Kohl schafft es nicht, den Leser mitzureißen und schlimmer noch, er schafft es nicht, eine Zusammenfassung seiner Motive und Motivationen, seiner Ziele und Bekenntnisse, seiner Hintergründe und Erfahrungen zu geben. Statt dessen bleibt es bei der dümmlichen Aneinanderreihung bedeutungsloser Ereignisse.
Das Buch enttäuscht und zeigt dem Leser, dass Helmut Kohl nicht der Staatsmann ist, für den man ihn gerne hält und als der er sich mit Vorliebe feiern lässt. Kohl war ein Provinzpolitiker, der keine Vision und keine tiefen Überzeugungen hatte. Vielmehr ergab er sich ganz dem Konsens der gemütlich-flauschigen Bonner Republik und trat nicht aus seinem Schatten.
Und Kohl zeigt eine weitere Schwäche: Er ist nachtragend und steigert die Subjektivität seines Buches ins Unerträgliche: Man sieht, wie wenig er der Mann war, für den man ihn hält.
Ein Vergleich mit anderen Autobiographien wirklich bedeutender Politiker wie Reagan, Thatcher, Genscher enthüllt die Unzulänglichkeiten des Dauerkanzlers: Eine kleine Welt, aus der er auszubrechen nicht imstande war. Dass ihm dabei die Deutsche Einheit in den Schoß gefallen ist, war sein historisches Glück; andernfalls wäre er wohl 1989/1990 von den Seinen dementiert worden.
Interessante Einblicke...
...gibt es im ersten Teil von Helmut Kohls Autobiographie genügend, allerdings überwiegend in die Gedankenwelt des Altkanzlers als in die Tiefen deutscher Nachkriegsgeschichte. Ein (subjektiv gefärbtes) Geschichtsbuch oder eine Darstellung der persönlichen Sicht auf die letzen 70 Jahre sollte man trotz zahlreicher historischer Anmerkungen Helmut Kohls nicht erwarten. Das Buch ist überwiegend sehr oberflächlich geschrieben und vermittelt auch nur wenig neue und überraschende Erkenntnisse über den Autor selbst. Nicht nur im Stil bleibt das Werk um Längen hinter anderen Autobiographien wie Richard von Weizäckers "Vier Zeiten" zurück.
Sehr interessant ist das Buch allerdings hinsichtlich der ganz eigenen Gedankenwelt des Helmut Kohl. Obwohl er über viele Jahre in wichtigen politischen Ämtern war und wesentliche Weichenstellungen deutscher und internationaler Politik mitbestimmt hat, erschöpfen sich seine Aussagen meistens in Platitüden zu den wichtigen Fragen dieses Landes und der Welt. Nun kann man nicht erwarten, dass Kohl ein politisches Seminar abhält, wenn er eine Rückschau auf sein Leben hält. Aber ich finde es bezeichnend, dass er akribisch nahezu sämtliche Abstimmungs- und Wahlergebnisse auflistet, die ihn betrafen, aber zu anderen, die Wähler interessierenden Themen nichts wirklich Interessantes beizutragen hat. Auch in der Auseinandersetzung mit der SPD und der FDP fällt ihm nicht viel mehr ein als die "Sozis" zu verdammen, weil sie Wahlen emotionalisieren, Hass schüren und programmatisch im 19. Jahrhundert stehengeblieben sind und sich nach und nach der CDU-Politik, die immer schon aktuell war und es auch mit früheren Aussagen noch ist, angepassen mußten. Die FDP kommt in ähnlich tiefschürfenden Aussagen dagegen als langjähriger Koalitionspartner erwartungsgemäß besser weg. Ich finde das Buch damit letztlich doch ganz interessant, weil es möglichweise einen allgemeinen Eindruck von der Denkweise hochrangiger Berufspolitiker gibt, für die politischen Fragen bloße Vehikel sind, mit denen man Wahlen und damit Macht gewinnt. Vor kurzem wurde in der FAZ empfohlen, eine Fernsehserie über die inneren Machtzirkel deutscher Politik zu drehen, wie sie in den USA mit "West Wing" bekannt ist. Es wäre an der Zeit, eine Vorstellung über das "große Nichts" zu bekommen, das sich hinter der großen Fassade verbirgt. Helmut Kohls Autobiografie ist in dieser Hinsicht schon mal ein ganz guter Anfang.
Books: