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Die US-Regierung zeigt ihr wahres Gesicht
Vor den Augen aller Welt betreiben die USA seit Anfang 2002 ein KZ. Mit rhetorischen und juristischen Taschenspielertricks wurde die Enklave in Kuba zum rechtsfreien Raum erklärt und die Gültigkeit von Gerichten, der Menschenrechte sowie der Genfer Konventionen aufgehoben. Der englische Journalist Rose hat vor Ort recherchiert und Interviews mit einigen freigelassenen Häftlingen und Beteiligten geführt.
Die Bedingungen sind schlichtweg bestialisch, Willkür und Folter an der Tagesordnung. Häftlinge werden als körperliche und seelische Krüppel entlassen. Daher ist problematisch, dass für den Großteil der Häftlinge die Schuldfrage völlig ungeklärt ist. Direkt beteiligt an 9/11 war nach Roses Erkenntnissen kein einziger. Da in Afghanistan ein Kopfgeld ausgesetzt war, wurden auch viele Unbeteiligte als vermeintliche Al Qaida-Terroristen ausgeliefert. Die Art und Weise, mit der nun versucht wird, aus Touristen, Bauern und Taxifahrern Geständnisse zu pressen, ist für Rose nur mit den (späten) Hexenprozessen des Mittelalters gleichzusetzen. Auch die Berufung auf Gott passt für Rose in den Kontext.
Während bei den Foltervorfällen in Abu Ghraib die Befehlskette noch abgestritten wird, ist sie bei Guantánamo (im Militärjargon "Gitmo") klar. Die Vorgaben kommen von Rumsfeld und Bush persönlich. Für Rose und auch für einige der interviewten Pentagon-Berater ist Gitmo neben der juristischen und moralischen auch eine pragmatische Katastrophe: erst durch Guantánamo würden die islamischen Gemüter und damit der Terror richtig angeheizt. Ähnlich wie mit dem Irak und Abu Ghraib würde die Eskalation mit dem Islam geradezu provoziert. Man kann mit so einem Lager in Betrieb auch schlecht einem China, der Türkei oder einem islamischen Fanatiker die Missachtung der Menschenrechte vorhalten. Daher sollte man Guantánamo bei Aussagen der US-Regierung stets im Hinterkopf haben. Hier ist eine Maske gefallen, weshalb dieses Buch eine wichtige Dokumentation ist.
Unrecht mit System
"Überall, wo sie vorkommt, tritt Folter die Menschenwürde mit Füßen. Wir wollen eine Welt errichten, in der Menschenrechte respektiert und durch das Gesetz geschützt werden .... Die USA bekennen sich zur Abschaffung der Folter weltweit und wir führen diesen Kampf durch unser Beispiel an."
So sprach George W. Bush am 26. Juni 2003.
Das Buch von David Rose entlarvt seine Sonntagsrede als reinen Zynismus.
Guantanamo wurde 1903 nach dem spanisch - amerikanischen Krieg beschlagnahmt und in unbefristete Pacht genommen. Die US Rechtsberater des Präsidenten meinen, dass hier kein Gericht der Welt zuständig ist, und so können die Amerikaner alles mit den Gefangenen machen.
„Alles"? Was bedeutet das? Rose gibt viele Beispiele, wie das vom Stabsgefreite Sean Baker, der als Militärpolizist in Guantanamo stationiert war. Dort nahm er im Januar 2003 während einer Übung die Rolle eines Gefangenen ein. Er bekam den Befahl, einen orangegelben Häftlingsoverall über seine Uniform zu ziehen und in einer Zelle unter ein Bett zu kriechen. Seinen Kameraden sagte man, er wäre ein echter Häftling, der bereits einen Sergeant angegriffen habe. Daraufhin würgten und verprügelten sie Baker. Er erlitt bei dieser Übung so heftige Verletzungen, dass er in ein Krankenhaus in Portsmouth (Virginia) geflogen werden musste.
Nach einem 14-tätigen Klinikaufenthalt wurde er nach Hause geschickt. Dort bekam er Krämpfe und musste zur Behandlung eines Schädelhirntraumas ins Walter - Reed Militärkrankenhaus gebracht werden, wo er weitere 48 Tage blieb.
Da er aber im April 2004 immer noch nicht dienstfähig war entlies man ihn kurzer Hand aus der US Armee.
David Rose deckt schonungslos die unmenschlichen Haftbedingungen auf. Er berichtet, wie „Hunger" systematisch als Waffe gegen die Häftlinge eingesetzt wird. Die Gefangenen erhalten nur 1.200 Kalorien täglich. Ernährungswissenschaftler sagen jedoch, das für einen normalen Erwachsenen 2.000 Kalorien täglich mindestens notwendig sind, selbst wenn man keine körperlichen Anstrengungen verübt.
Rose beschreibt in seinem Buch unter anderem:
die „Kältefolter", die Tarek Dergoul erleiden musste. Dergoul wurde an einem Ring im Fußboden angekettet und musste dann stundenlang allein in einem Raum warten, in dem die Klimaanlage auf vollen Touren lief. Es war eiskalt und unglaublich schmerzhaft.
die Isolationsfolter, bei der Gefangene bis zu 3 Monaten im Isolationsblock von Camp Delta in Einzelhaft, ohne den geringsten Kontakt zu Mitgefangenen, verwahrt werden.
die alltäglichen Demütigungen, den Schlafentzug, die Schläge und Fußtritte und so weiter und so fort . . .
All diese Grausamkeiten und noch viele mehr, werden von David Rose gewissenhaft und sensibel dargestellt. David Rose geht aber über die reine Beschreibung der Misshandlungen hinaus. Er erklärt vor allem die Hintergründe, die die amerikanische Regierung für ihr aggressives Vorgehen hat. Rose enthüllt, welche Ziele sich eigentlich hinter diesem menschenverachtenden Vorgehen verbergen.
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