Trommeln am Kongo. Der Fluch des Schwarzen Kontinents

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Authors: Wilfried Westphal
Catalog: Book
Media: Gebundene Ausgabe
Release Date: 08. April 2004
Publisher: Magnus, Essen
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Customer Review:
Ärgerlich
Nun gut, als bekennender Afrikafan lockt das dunkle Herz ja immer - auch literarisch. Aber die 'Trommeln am Kongo' haben mich eher vetrieben als gelockt. Wer wirklich einen Einblick und Ausblick haben möchte in das Geschehen im Kongo, ist mit 'Regieruungsauftrag Mord' oder 'Auf den Spuren von Mr. Kurtz' wesentlich besser bedient.
Selbst das eher persönliche 'Tanz des Leoparden' hinterlässt deutlichere Spuren als 'Trommeln am Kongo'.
Mir ist jedenfalls nicht klar geworden, was dieses Buch eigentlich mitzuteilen hat - außer einigen Allgemeinplätzen. Selbst der unvermeidliche Scholl-Latour mit 'Afrikanische Totenklage' kommt hierbei aber noch besser weg.
Trommeln am Kongo?
Wilfried Westphal begreift sich als moralischer Aufklärer, der seinen Lesern die von der Öffentlichkeit weitgehend ignorierten Konflikte in Ruanda, Liberia, Sierra Leone, Angola, Burundi und der Demokratischen Republik Kongo mit drastischen Berichten vor Augen führen und erklären will. Dazu geht er ausführlich auf die Geschichte dieser Länder ein, berichtet vom Sklavenhandel, vom Kolonialismus und vom Kalten Krieg, dessen Ende wiederum eine Welle menschlicher Tragödien ausgelöst hat. Das Buch ist voll berechtigter Anklagen gegen alle Parteien, die grausame Konflikte entfesselt, angeheizt oder Kapital aus ihnen geschlagen haben. Westphal versucht sich dabei als doppelter Aufklärer; einerseits will er europäische Klischees über Afrika ausräumen, andererseits auch unbequeme oder vermeintlich politisch unkorrekte Ansichten über die Schuld an Krieg, Mord und Ausbeutung publik machen. So kommt er zu dem sicherlich zutreffenden Schluss, dass Afrika heute zumeist von hausgemachten ethnischen Konflikten heimgesucht wird, die sich internationale Akteure aufgrund ökonomischer Interessen mit Hilfe lokaler Despoten und Warlords schamlos zu Nutze machen.
Trotz fundierter Sachkenntnis und der ständig wiederholten Absicht, eine ausgewogene, von Klischees und europäischem Überlegenheitsgefühl freie Darstellung der Ereignisse bieten zu wollen, schafft es Westphal keineswegs, sich von kolonialistischen Denkmustern und Begrifflichkeiten zu lösen. So spricht er durchweg pauschalisierend vom „Weißen Mann" und seinem Antitypus, dem „Schwarzen Mann". Dazu passend ist Afrika stets der „Schwarze" oder „Dunkle Kontinent", der Ort „düsterer Geheimnisse", in den der Europäer sendungsbewusst Licht bringen muss. Obwohl der Autor kritisch anmerkt, dass Afrika oftmals als Projektionsfläche für europäische Phantasien herhalten muss, scheint er daran nichts ändern zu wollen, wenn er sich unvorsichtig entsprechender Metaphorik bedient. Zu Beginn des Buches bemüht sich Westphal, den Leser davon zu überzeugen, dass Afrikaner auch eine zu Intelligenz fähige menschliche „Rasse" sind. Dies habe „die Wissenschaft" inzwischen belegt, auch wenn sie „sich nicht die Mühe macht, ihre Erkenntnisse [...] bekannt zu machen". In Abschnitten wie diesen wird allzu deutlich, wie sich Westphal, bei dem sicherlich gut gemeinten Versuch, Afrikaner im Blick des Lesers aufzuwerten (als ob dies nötig wäre), selbst in rassistischer Ideologie verstrickt. Der Autor scheint dem Themenkomplex, über den er schreibt, nicht gewachsen zu sein, wie reihenweise unglücklich gewählte Formulierungen belegen, die gelegentlich sogar zynisch anmuten. So heißt es über die mörderischen Sklaventransporte, „eine Kreuzfahrt war die Reise über den Atlantik für die Afrikaner wahrlich nicht", und er fordert, dass die deutsche Öffentlichkeit „denen, die Arme und Beine verloren haben, abgehackt und fortgerissen, die Hand reicht". Am deutlichsten scheint Westphals latenter Rassismus jedoch hervor, wenn er die besondere Brutalität der afrikanischen Bürgerkriege zu erklären versucht. Dabei geht er vor allem auf die von magiegläubigen Milizionären begangenen Ritualmorde ein, die oftmals kannibalistische Praktiken beinhalten sollen (was allerdings von anderen Autoren, wie Bartholomäus Grill, bestritten wird). Westphal begeht den entscheidenden Fehler, einzelne Gewaltexzesse einer fanatisierten wie verrohten Soldateska dem afrikanischen Charakter im Allgemeinen zuzuschreiben: Kannibalismus „beweist, dass der Schwarze nicht erst durch den Weißen „korrumpiert" wurde, sondern auch aus eigenem Antrieb so manche Barbarei verübte, die allein seiner Tradition anzulasten ist." Pauschalisierungen wie diese beweisen aus meiner Sicht nur die Tatsache, dass Westphal absolut unfähig ist, von klassischen Vorurteilen (‚der Schwarze ist eben ein Wilder') Abstand zu nehmen.
Der nach einem Abenteuerroman klingende Titel des Buchs, „Trommeln am Kongo", ist gut gewählt. Er steht für die Faszination des exotischen Bösen, der Westphal erlegen ist. Das Buch steht trotz der moralischen Absichten des Autors in einer Reihe mit Werken wie Scholl- Latours „Afrikanische Totenklage", die ihre Seriosität durch die Wiedergabe stereotyper Konzepte und kolonialistischer Rhetorik selbst diskreditieren.

Books:

  1. Was ist eigentlich Anarchie? Einführung in Theorie und Geschichte des Anarchismus
  2. Carl Schmitt zur Einführung
  3. Tocqueville zur Einführung
  4. Vergleichende Politikwissenschaft. Ein einführendes Studienhandbuch.
  5. Internationale Organisationen, Politik und Geschichte. Europäische und weltweite internationale Zusammenschlüsse
  6. Ausgewählte Schriften 2. Rassismus und kulturelle Identität
  7. Die Europäische Union. Eine Einführung. Geschichte, Institutionen, Prozesse
  8. Frauenhandel und Zwangsprostitution. Tatort: Europa
  9. Objekte der Begierde
  10. Der Wohlfahrtsstaat - Transformation und Perspektiven

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