'Es war ein harter Kampf um meine Erinnerung'

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'Es war ein harter Kampf um meine Erinnerung'


Authors: Margrit Schiller
Catalog: Book
Media: Broschiert
Release Date: 1999
Publisher: Konkret Literatur Verlag
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Margits blutiger Kleinmädchentraum
Stellen wir uns vor, wir leben in einem präfaschistischen Gewaltregime, in dem die Menschen durch Konsumverblödung zu gleichgeschalteten Deppen degeneriert sind. In einem solchen Land, nennen wir es Bundesrepublik, reift die kleine (1948 geborene ) Margit heran und hat es nicht einfach, denn die Mutter ist CDU-Mitglied ( pfui!) und Vater Mitarbeiter beim MAD (noch schlimmer!).Also weg vom heimatlichen Bonn nach Hessen, wo der kommunistische Freund der jungen Margit im Jubeljahr 1968 Professor an der Uni Mainz wurde (ups, wie ist so was in einem kryptofaschistischen Staat möglich?) Aber weiter. Die kleine Margit schließt sich dem Sozialistischen Patientenkolletkiv in Heidelberg an, weil dessen Totaldiagnose, dass an allem die kapitalistische Gesellschaft schuld ist, ihr unheimlich einleuchtend. Dort lebt sie eine Zeitlang auf Bafög Basis so promiskuitiv wie nur möglich, holt sich diverse Tripper und freut sich, dass sie nicht so ein spießiges Leben wie ihre Eltern führen muss. Im Februar 1971 fragt sie der Bernd, ein entfernter Bekannter, ob sie nicht ihre Wohnung und ihren Pass für von der Politischen Polizei Verfolgte zur Verfügung stellen konnte. Zwar kannte ich den Bernd nur wenig, schreibt Margit Schiller, aber wer kann sich einer moralisch so ehrenwerten Aufforderung schon verweigern? So lernt die kleine Margit die große Ulrike, die Gudrun und den Andreas kennen, an dem sie aber stört, dass der die Gudrun immer zusammenscheißt. Aber die Art, wie sie rumalbern, Autos knacken oder in der Gegend herumballern, ist ebenso imponierend wie ihre Überzeugungen. Die Bullen sind Schweine, hatte Ulrike Meinhof ein Jahr vorher veröffentlicht. Wir sagen, der Typ in der Uniform ist ein Schwein, er ist kein Mensch, und so haben wir uns mit ihm auseinanderzusetzen, das heißt, wir haben nicht mit ihnen reden, es ist falsch, überhaupt mit solchen Leuten zu reden, und natürlich kann geschossen werden Irgendwie wie war das alles klasse. Weniger klasse war, dass die kleine Margit schon Ende 1971 verhaftet wurde, wobei ein Polizist von einem ihrer Begleiter erschossen wurde, was aber nicht so schlimm war. Schlimm aber war die gnadenlose Isolationsfolter, der die "Gefangenen" der RAF nun unterworfen wurden, wobei diese Isolationsfolter so aussah, dass es den Häftlingen mit ihren öffentlichwirksamen Hungerstreiksaktionen gelang, die Zusammenlegung nahezu sämtlicher Rädelsführer der RAF zu erzwingen, so dass über ihre kriminellen Anwälte weitere Anschläge geplant können. So sterben Buback, Ponto, Schleyer, zahlreiche Polizisten und Leibwächter, aber das ist ja nicht so schlimm, weil zur gleichen Zeit die USA noch immer die Welt mit ihrem Imperialismus erschüttern. Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man die Geschichte in dieser Beleuchtung noch seitenlang weitererzählen, denn der Autorin Margit Schiller ist auch ein Vierteljahrhundert nach ihrer aktiven RAF Zeit noch immer jede wirkliche Selbstkritik fremd. Dass sie schon 1979 vom Schweine-System in die Freiheit entlassen wird, scheint sie nicht zu wundern. Sie geht ins Ausland, worüber wenig erzählt wird, außer, dass sie dort immer wieder über ihre RAF Zeit nachdenken muss und am Ende den Entschluss fasste, einen Lebensbericht aus der RAF in Buchform zu veröffentlichen. Das ist auch dringend erforderlich, wie sie schreibt, denn nach der Wiedervereinigung sind die Ausbeutungsverhältnisse noch viel schlimmer geworden, wenngleich auch komplizierter, so dass sie mit ihrem Bericht ein wenig Klarheit schaffen machte (S. 214) Und so erscheint tatsächlich im Jahre 2001 im renommierten Piper Verlag ohne jede relativierende Einordnung durch das Verlagslektorat die Taschenbuchausgabe von Margit Schillers blutiger Kleinmädchestunde mit einer üppigen Danksagung der Autorin an ihre Brüder und Schwestern im Geiste am Buchbeginn. Wer das in Ordnung findet, der stelle sich nur einmal eine Sekunde vor, was in Deutschland los wäre, wenn ein in Mord und Totschlag verwickelter völlig unbelehrbarer Rechtsradikaler seine Erinnerungen in einem renommierten deutschen Verlag veröffentlichen würde. Übrigens: Eine Entschuldigung für die Morde der RAF ist in dem Buch natürlich nicht verzeichnet.
Mitreißend bis zur letzen Zeile!
Margit Schillers Erinnerungen sind auf jeden Fall lesenswert. Besonders die Passagen über den sog. "Toten Trakt" bestechen durch erschütternde Präzision; man bekommt eine Ahnung davon, was es heißt, sämtliche Menschenwürde entzogen zu bekommen durch die Isolationshaft.
Auch interessant ist ihr Blick auf Baader, Meinhof und Co, die wirklich tragenden Figuren der RAF. Sie beschreibt, dass sie zum Beispiel sehr gern Donald Duck gelesen haben, etc. Dadurch bekommt man einmal einen ganz anderen, menschlichen Blick auf die Personen.
Ihre Rolle war die der Randfigur und dennoch erzählt sie sehr anschaulich, was RAF bedeutete!
Die Erinnerungen der Margit Schiller liest man nicht nur, man erlebt sie mit. Erschütternd aber fesselnd!
Gedanken einer Mitläuferin
Margrit Schillers Buch hinterläßt einen durchaus zwiespältigen Eindruck. Die eigentliche Schwäche erweist sich meines Erachtens als Stärke und macht das Buch zu einem lesenswerten Dokument. Die Schwäche besteht eigentlich schlicht in der Tatsache, dass es sich bei Frau Schiller, wie bereits von anderen Rezensenten erwähnt, um ein kleines Licht handelt. Das es sich bei Ihrer Einschätzung der eigenen Rolle nicht um Schutzbehauptungen handelt nimmt man Ihr gerne ab. Der Wert ihrer Beschreibungen liegt in erster Linie darin, dass an ihrem Fall exemplarisch aufgezeigt werden kann, mit welchen drakonischen Mitteln und in welcher panischen Verfassung der Staat auf die terrorristische Herausforderung reagiert hat. Und dies gilt bereits für die Frühzeit der RAF, beispielsweise wurde Brigitte Asdonk lediglich wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu 12 Jahren Isolationshaft verurteilt. Die Aufarbeitung dieser Geschichte von Seiten des Staates BRD steht weiterhin aus.

Books:

  1. Trommeln am Kongo. Der Fluch des Schwarzen Kontinents
  2. Was ist eigentlich Anarchie? Einführung in Theorie und Geschichte des Anarchismus
  3. Carl Schmitt zur Einführung
  4. Tocqueville zur Einführung
  5. Vergleichende Politikwissenschaft. Ein einführendes Studienhandbuch.
  6. Internationale Organisationen, Politik und Geschichte. Europäische und weltweite internationale Zusammenschlüsse
  7. Ausgewählte Schriften 2. Rassismus und kulturelle Identität
  8. Die Europäische Union. Eine Einführung. Geschichte, Institutionen, Prozesse
  9. Frauenhandel und Zwangsprostitution. Tatort: Europa
  10. Objekte der Begierde

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