Customer Review:
.
Ein Buch, das einen strikt komparativen Ansatz verfolgt und durch die Kumulation von Artikeln internationaler Integrationsexperten, insbesondere hinsichtlich des Artikels "Europaeische Integration - vom Osmanischen Reich zur multi-level governance" vom aufstrebenden Wissenschafter Gaspers, internationale Beachtung finden wird.
theoretisch anspruchsvolle Analysen
Der Titel mag ein wenig irreführend sein: es handelt sich hierbei nämlich nicht so sehr um einen Gesamtüberblick über den europäischen Integrationsprozeß, sondern vielmehr um eine theoretisch begründete Bestandsaufnahme europäischer Politik. Markus Jachtenfuchs und Beate Kohler-Koch sind Hauptverteter der "Mannheimer Schule" in Sachen Europapolitik. Diesem Theoriestrang zufolge liegt der Integration keine Eigendynamik zugrunde, allerdings auch keine notwendige Zielsetzung. Damit wird das Feld der europäischen Integrationsforschung zwischen den Polen (Neo-)Funktionalismus und Föderalismus geöffnet, und kann so unterschiedliche Analysemittel wie Regimeanalyse, Intergouvernementalismus oder Politische Ökonomie vereinen. Grundlage ist die Konzeption europäischer Politik (in allen Dimensionen) als "dynamisches Mehrebenensystem", womit akzeptiert wird, daß der gegenwärtige Stand der Integration ("Maastricht als Dauerzustand") durchaus gängigen politischen Prozessen entspricht (so werden Komitologie und Politikverflechtung nicht als Problembereiche sondern umgekehrt als plausible Politikmuster interpretiert). Insofern bietet der Band weniger theoretische Kopfgeburten, die realiter abgehen, ebensowenig realpolitische Handlungsanleitungen, sondern integrative Analysen der wichtigsten Feldern der Europapolitik. Teil A behandelt dabei die Struktur des Mehrebenensystems, wobei Wessels' Analyse des europäischen Verwaltungssystems sowie Wallaces Essay über die Rolle der EU-Organe herausragen. Teil B untersucht die "politics" im Mehrebenensystem in verschiedenen Politikfeldern, wobei es sich lohnt, gerade nach der institutionellen Dimension der Prozesse zu suchen, da gerade die Rückwirkung von Prozessen auf Institutionen ein Hautmerkmal des dynamischen(!) Mehrebenensystems ist. Teil C behandelt die internationale Verflechtung des Systems, wobei sowohl Regulationstheorie wie auch kritische Politische Ökonomie als Theorie hinzugezogen wird. Da aus diesem Feld mittlerweile ein größeres Forschungsprojekt entstanden ist, kann dieser Band als Grundlage einer aktuellen Theorie der europäischen Integration gesehen und für den Preis durchaus zugelegt werden.
Aktueller Stand der EU-Forschung - vor Amsterdam
Die vorliegende Aufsatzsammlung steht unter der Fragestellung, welche Art von politischem System die EU darstellt und in welcher Weise sie vom traditionellen Nationalstaat abweicht. Der erste Teil widmet sich grundsätzlichen Fragen zum politischen System der EU. Es wird unter anderem das Problem der mangelnden demokratischen Legitimität angesprochen, die Rolle des Rechts diskutiert und versucht zu ermitteln, was „Regieren" in einem verschachtelten Mehrebenensystem wie der EU bedeuten kann - und wo jeweils die Stärken und Defizite im Vergleich mit dem Nationalstaat zu suchen sind. Der zweite Teil widmet sich dann den Abläufen und Wirkungen verschiedener Politikfelder - von der Sozialpolitik, über die Währungsunion bis hin zur Agrarpolitik. Hier liegt das Hauptaugenmerk auf der bisherigen Entwicklung und der zukünftigen Dynamik dieser Politikbereiche. Der letzte Teil beschäftigt sich dann mit der EU als einem „player" in der globalisierten Politik und Wirtschaft. Hier wird vor allem die Konkurrenzsituation mit den USA und den ostasiatischen Staaten betrachtet. Das Buch bietet insgesamt einen seht guten Überblick über den aktuellen Stand der Forschung und ist inhaltlich sehr ausgewogen - lediglich im letzten Teil ähneln die Positionen der Autoren einander zu stark. Das Inhaltsverzeichnis liest sich wie ein „Who is Who" der (deutschen) Europaforschung, so daß man auch gleich einen guten Überblick über und eine klare Zuordnung zu den einzelnen Denkschulen erhält. Als Einstiegslektüre ist das Buch nur bedingt geeignet, gewisse Vorkenntnisse über Geschichte und Institutionen der EU sollte man auf jeden Fall mitbringen. Für Studierende der Politikwissenschaft ist das Buch in jedem Fall der Lektüre wert: Sei es um sich einen Überblick zu verschaffen, um dann einzelne Gebiete zu vertiefen, oder um eine Lücke mit dem definitiven Werk zu füllen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
Books: