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Die Neue Weltordnung
Stefan Engel hat sich einem hochaktuellen und ebenso brisanten Thema verschrieben, dass in unseren Tagen besonders ernst genommen werden sollte: die 'Neue Weltordnung' !!
Seit dem 11.September wissen wohl mehr als nur einige Eingeweihte, wohin der Zug in diese Richtung hinfährt. Mehr Überwachung und Kontrolle durch den Staat, täglich weniger Pivatsphäre, immer mehr Kameras an öffentlichen Plätzen, Taschen- und Hausdurchsuchungen etc. etc., und alles erklärt und entschuldigt durch den noblen "Kampf gegen den Terrorismus".
Die Bürger geben ihre Rechte gleich im Kollektiv ab, der hochgeschätzen Sicherheit zuliebe.
Das Thema ist hochbrisant, und ich bin um jedes Buch froh, welches die Menschen darüber informiert. Jedoch scheint Stefan Engel ein eingefleischter Marxist zu sein, und die Bewunderung an diesen und auch Lenin, hindert ihn daran, tiefer zu graben, und die wahre Verschwörung hinter dem 'bösen Kapitalismus' zu sehen.
Übrigens ist der 11.September ein interessantes Datum, denn schon am 11.September 1990, also 11 Jahre vor den Terroranschlägen, gebrauchte George Bush senior diese Floskel ("Neue Weltordnung") vor seinem Publikum. Man könnte auch die Zwillingstürme als 11 sehen. Symbolismus hat eben mehr bedeutung bei diesen Leuten, als Wörter.
Doch Engel geht eben nicht tief genug.
Mitte des 19. Jahrhunderts trat ein obskurer Intellektueller namens Mordechai Marx Levi, alias Karl Marx, dem 'Bund der Gerechten' bei, eine Zweigorganisation der Illuminaten. 1847 erhielt er den Auftrag, ein Werk zu schreiben, das später unter dem Titel 'Das Kommunistische Manifest' bekannt wurde. Für Leute, die an eine Weltverschwörung glauben, und mittlerweile nicht nur für diese, handelt es sich dabei um eine politische Niederlegung der Gesamtplanung für die Zukunft.
Marx spielte dabei anscheinend eine so untergeordnete Rolle, dass sein Name zwanzig Jahre lang nicht mal auf dem Manifest erschienen ist. Wie dem auch sei.
Stefan Engel schreibt über ein wichtiges Thema, und teilweise könnte es den Leser auch fesseln, wenn nicht soviele Tabellen, Statistiken und Schautabellen aufgeführt wären. Um zu wissen, dass der Kapitalismus die Reichen immer reicher macht und die Armen immer ärmer, brauch man nicht das 'Das Kapital' gelesen zu haben, und dass dieses menschenunwürdige System auf kurz oder lang zusammenbrechen muss, auch nicht dieses Buch. Es gibt tiefgreifendere Bücher, z.B. von J.Jürgenson, Stefan Erdmann, David Icke, V.Farkas, Jan Van Helsing usw.
Fanatische Hetzschrift aus altbek. marxistischem Reservoir
Die Veranschaulichung des vermeintlich kulminierenden Vorgangs der internationalen Vergesellschaftung des Kapitals durch die Arbeiterklasse steht im Mittelpunkt dieser, ein überaus kleinbürgerlich gestricktes Weltuntergangspathos verbreitenden, fanatischen Hetzschrift gegen patriarchal strukturierte Elemente der Klein- und Großbourgeoisie, die [gemeint ist die Hetzschrift] vor einer Legitimation von, auch völkisch motivierter, Klassengewalt gegen die herrschende Klasse nicht zurückschreckt.
Kurz zusammengefasst, vertritt Stefan Engel die These, dass die internationale Vergesellschaftung des Kapitals und die Errichtung der Vereinigten Sozialistischen Staaten der Welt durch den aktuellen Prozess der Globalisierung vorbereitet wird. An der Spitze der Bewegung stehen 21 imperialistische Staaten (darunter Israel, Luxemburg und China), sowie die 500 größten Konzernen der Welt, die als übernationale Übermonopole bezeichnet werden. Im Verlauf der Globalisierung werden dann die wachsenden Gegensätze der Klassengesellschaft die Arbeiterklasse dazu aufbringen, die internationalen Übermonopole zu vergesellschaften und zur Befriedigung der Konsumwünsche der Massen umnutzen. Ein konkreter Zeitpunkt oder ein Zeitfenster werden nicht benannt.
Stefan Engel stützt sich bei seinem Streifzug durch die imperialistischen Machenschaften zum einen auf Zitate von Marx, Engels, Lenin und Dickhut, zum anderen auf die FAZ und weitere wichtige Stellvertreterorganisationen und Gastredner (Köhler) des Großkapitals.
Manieristisch hält Stefan Engel an den Aussagen seiner 4 Götter (von Marx bis Dickhut) fest und sträubt sich gegen jedes Fitzelstückchen eigenen Gedankens. Engel beschränkt sich darauf, darzulegen, dass alles so eintreten wird oder bereits eingetreten ist, wie von den 4 längst verwesenden Göttern beschrieben.
Einige Theorien sind ja durchaus plausibel und werden auf Grund ihres bodenlosen Zynismus eher nicht so stark in den Massenmedien nach vorne gespielt, aber in den letzten 150 Jahren ist auch einiges passiert, was Marx so noch nicht bedacht hat. Hätte Marx sein Manifest heute geschrieben, dann hätte er bestimmt einiges mehr aufgenommen und seine Erkenntnisse zum Teil präzisiert und zum Teil relativiert (dabei hebe ich nicht auf die in der Tat oft "revisionistischen" Thesen irrelevanter linker Sozigrüppchen ab). Erwartet habe ich eine Synthese aus den altbekannte Ideen von Marx und den völlig neuen, revolutionären Ideen Engels. Nichts dergleichen erlaubt sich jedoch Engel - und scheitert.
Die 68 Tabellen und 31 Schaubilder sind mitunter recht informativ, jedoch ist zu bemängeln, dass die meisten Fiskaldaten nicht inflationsbereinigt dargestellt werden. Das ist billige und unnötige Effekthascherei, denn die Zahlen wären auch so noch aussagekräftig genug, wenn auch vielleicht nicht ganz so apokalyptisch in ihrer emotionalen Fernwirkung. Auch die fehlende Berücksichtigung der Kaufkraft und die oft recht willkürlich gewählte Umrechnung von Devisenkursen zu einem bestimmten Stichtag erschwert die individuelle Faktenanalyse und verringert oder verfälscht den Informationswert zum Teil erheblich. Hier wäre mehr Fairness gegenüber dem Leser angebracht gewesen.
Richtiggehend fehlerhaft erscheint mir die Interpretation der Tabelle 36 auf Seite 224f. Hier summiert der Autor die Prozentwerte des negativen Wirtschaftswachstums der sich in „Fäulnis und Niedergang" suhlenden Transformationsstaaten, anstatt sie zu multiplizieren, und kommt so zu einem verfälschten Ergebnis, was mich traurig stimmt, denn dieser mathematische Analphabetismus stellt die gesellschaftswissenschaftliche Kompetenz des Autors grundsätzlich in Frage, da er ohne fundierte mathematische Kenntnisse nicht dazu in der Lage ist, ideologische Behauptungen empirisch zu überprüfen.
Das marxistische Menschenbild wird nicht thematisiert, schwebt aber die ganze Zeit im Hintergrund. Es scheint so als stünden auf der einen Seite die Ausgebeuteten (die Arbeiterklasse) und auf der anderen Seite die Patriarchen (die Ausbeuterklasse). Dazwischen befinden sich, vermutlich, die eigentlichen Organisatoren der Globalisierung, die intuitiv, dialektisch oder als wohlmeinende Verschwörer (hier etwa der Marxist Schröder, der bewusst den Leidensruck der deutschen, EU-europäischen, osteuropäischen und fernöstlichen Arbeiterklasse erhöht, um einerseits die Sehnsucht nach der Vergesellschaftung des Kapitals voranzutreiben und sie zugleich andererseits durch die exzessive Stärkung der Übermonopole, quasi den aufgewiegelten und entrechteten Arbeitermassen in die offenen Arme zu treiben - ein geniales Doppelspiel?), die einerseits verdammt werden müssen, weil sie den Profit der Patriarchen steigern, zugleich aber vergöttert werden müssen, da sie die gestalterische Arbeit auf sich nehmen (empirische Forschung, Innovation, Kosmopolitik), die in einer klassenlosen Gesellschaft stalinscher Prägung, in der Gleichschaltung, Gerechtigkeit und Terror wieder wichtiger sein werden als individuelle Bedürfnisse und Fähigkeiten des Einzelnen, nicht mehr möglich sein wird.
4 Sterne für dieses glitzernden Mausoleum einer verwesenden Ideologie. 1 Stern Abzug für die brachiale Sprache, in der das Buch aufgemacht ist und die sich eher nach Hetzrede anhört, als nach analytischer Darstellung eines wissenschaftlich untersuchten Sachverhalts.
Überhaupt, ich finde es traurig, wenn politische Ideen ins fanatisch-religiöse abdriften und sich so einem ernsthaften gesellschaftlichen Diskurs entziehen. Es wäre durchaus interessant zu diskutieren, ob eine Gesellschaft ohne Privateigentum prinzipiell dazu in der Lage sein könnte bestehende menschliche Bedürfnisse behelfs einer ausgefeilten Organisationssturktur besser zu erfüllen, als eine Gesellschaft die an Privateigentum festhält. Privateigentum lässt sich durchaus durch persönliche Verantwortung, Entscheidungsbefugnis und, beispielsweise Renommeé, ersetzen.
Auch stellt sich durchaus die Frage nach dem Äquivalent von Gewalt in durch Androhung von Gewalt verstetigten und verfestigten wirtschaftlichen Beziehungen.
Eine einseitig marxistische Perspektive oder revisionistische Komplementärorganigramme halte ich jedoch nicht für zielführend.
Auch für die Schule geeignet
Mir als Schüler mit Leistungskurs Politik hat das Buch sehr geholfen. Als wir das Thema Globalisierung und Rolle der USA als Supermacht hatten, habe ich mich regelmäßig auf der Grundlage dieses Buches vorbereitet und auch einige Passagen während des Unterrichts vorgelesen. Unser Lehrer hat die stichhaltigkeit der Argumente anerkannt, wenngleich er dieses Buch als zu kritisch befand. Trotzdem gab es immer spannende Diskussionen.
Für ein besseres Verständnis der Globalisierung ist dieses Buch unbedingt empfehlenswert. Ich werde es sicher auch noch während des Studiums (Politik und Geschichte) gut gebrauchen können.
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