Das Zusammenleben der Kulturen. Ein Gegenentwurf zu Huntington.

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Authors: Harald Müller
Catalog: Book
Media: Broschiert
Release Date: Dezember 1998
Publisher: Fischer (Tb.), Frankfurt
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Zunächst mal stellt der Autor Begriffe klar und erklärt, worum es Huntington eigentlich gehe. Nach seiner Meinung macht es sich Huntington zu einfach, indem er Schwarz-Weiß-Malerei betreibt.
Zum Beispiel erklärt Huntington, daß bei 50% aller interkulturellen Konflikte der Islam beteiligt sei. Das klingt furchtbar, das heißt aber nur, daß von diesen 50% die Hälfte muslimische Staaten sind, also sind es eigentlich nur 33%.

Huntington erwähnt auch den Bosnienkonflikt und stellt ihn als ein Beispiel für den Kampf der Kulturen dar. Aber eigentlich, so der Autor, handele es sich um einen ethnischen Konflikt, bei dem der christliche Westen die moslemische Bosnier unterstützt hat usw.

Überhaupt faßt der Autor den Begriff "Kultur" enger und bezieht ihn im Prinzip auf politische Werte (z.B. Individualismus, Demokratie, Marktwirtschaft). Die meisten, eigentlich alle Konflikte, die auf dem ersten Blick Kulturkonflikte darstellen, sind für ihn ethnische Konflikte.

Der Autor stellt dann dar, daß es wichtige Gegenargumente gegen einen Kampf der Kulturen gibt: Die Welt befindet sich im Umbruch, es gibt funfamentale technologische Neuerungen, noch nie haben Menschen so intensiv weltweit Handel getrieben, es gibt ungeahnte Möglicchkeiten der Kommunikation. Die Weltpolitik wird immer noch von Staaten bestimmt, die folgende Ziele haben: Erstens möchten sie sich gerne erhalten und zweitens wird es für sie immer wichtiger, die Bedürfnisse ihrer Bürger zu befrieden. Die Bürger der Staaten nehmen zunehmend Einfluss und streben nach Wohlstand und Wissen unabhängig von ihrer Kultur. Das setzt alle Staaten einem Modernisierungsdruck aus, der einen Kulturkampf zumindest teilweise mindert. Auf der anderen Seite schüren Veränderungen auch Ängste, aber der Autor sieht nicht, daß die Welt deswegen in Kulturblöcke gespalten wird.

Anschließend geht der Autor auf die wichtigsten Kulturregionen ein und beschreibt die möglichen Konfliktpotentiale und die möglichen Mittel, diese Konflikte zu entschärfen. China z.B. hat mit fast allen Nachbarn Grenzkonflikte, sieht sich als der natürliche Hegemon der Region, wie es früher in der Geschichte immer war. Der Autor beschreibt nun, wie einerseits die Führung hin- und hergerissen wird zwischen Anspruch eines totalitären Staates und den Modernisierungsdruck, ohne den China seine Machtvisionen nicht verwirklichen kann. Der Autor meint, daß längerfristig die Modernisierung mit der Demokratie siegen wird, denn freie Marktwirtschaft sei ohne Freiheit letztendlich nicht zu verwirklichen. Außerdem stellt der Autor dar, wie die Nachbarn sich gegen eine mögliche Aggression Chinas schützen, z.B. durch Bündnisse wie ASEAN oder die Anlehnung an die USA (Japan).

Meine Meinung: Wenn der Autor recht hätte, hätte es nie Kriege gegeben, denn die Menschen trieben immer Handel miteinander und wollten immer Wohlstand und Glück. Außerdem ist Krieg immer ein hohes Risiko und meistens unvernünftig. Trotzdem verlief die Geschichte nicht so, es gab immer unvernünftige und unvorhergesehene Entwicklungen, man kann die Geschichte nicht berechnen und nichts ausschließen.

Ich glaube außerdem, daß er Huntington nicht richtig verstanden hat. Es geht Huntington nur vordergründig um Religion, das ist für ihn nur ein Aufhänger, natürlich glaubt Huntington nicht, daß Indien einen Weltkrieg anfängt, um das Schlachten von Rindern weltweit zu ächten oder so. Huntington schrieb von der Position der Weltmacht aus, er sagt, daß die USA nicht immer Weltmacht sein werden und stellt sich die Frage: "Wer kommt nach uns? Wer macht uns unsere Position streitig?" Außerdem glaubt Huntington nicht, daß die Demokratie alle Menschen gleich macht: Indien ist eine Demokratie, aber dennoch sind die Menschen anders, was ihre Werte betrifft und werde anders Politik machen, auch gegen den Westen möglicherweise, das ist die Botschaft Huntingtons. In diesem letzten Punkt besteht eine echte Meinungsverschiedenheit zwischen den beiden Autoren, wobei ich da Huntigton recht gebe, daran hat das Buch nichts geändert.
vertrauenskonzeption statt feindschaftsverstärkung
"die weltführungsmacht USA führt sich in der klima-frage als SCHURKENSTAAT auf. ihre schon bösartig dümmliche verteidigung des american lifestyle bedroht die weltsicherheit kaum weniger als die biologischen waffen des irak, die chemischen libyens oder die atomaren nordkoreas." so schreibt harald müller, der als politikwissenschaftler in frankfurt das zweifelhafte vergnügen hatte, mit huntington (kampf der kulturen) diskutieren zu dürfen. das buch, das er im nachgroll geschrieben hat, nimmt konsequent einen gegenstandpunkt ein: nicht die in militärischen bruchlinien-kriegen zu keiner ruhe kommende negative auseinandersetzung zwischen den völkergruppen sei die notwendige folge der vernetzungsverdichtung auf unserem globus, sondern die chance, dass nicht-regierungs-organisationen (NOGs) ein allmählich gescheiteres ruder übernehmen würden als die recht machtbesessenen regierungsapparate. konferenzen zur klima-katastrophe, zur frauen-emanzipation, zum vernünftigen verhalten auf den meeren, zur ächtung von folter, landminen, kinderarbeit etc. - sie seien ein hoffnung gebendes, immer stärker werdendes signal für die zukunft. natürlich profitiere auch der terrorismus von der grenzübergreifenden kommunikation - aber in ihm stecke auch der beweis, dass regierungen machtfaktoren zweiter klasse werden könnten gegenüber den TRACK-TWO (zweite-schiene-)-prozessen - selbst der vielgescholtene wirtschaftssektor trage letztendlich zu einer friedlichen vernetzung der welt bei. nirgends würde mehr VERTRAUEN gebildet, als in internationalen organisationen - pointiert harald müller gegen den feindschafts-entwurf HUNTINGTONs. "statt verachtung, wie sie vor allem in der amerikanischen rechten gegenwärtig große mode ist, verdienen sie daher unterstützung und ausbau." - man darf zufrieden sein, harald müller in unserem lande zu wissen und eine ihm konform gehende regierung - auf diese militärverliebten huntingtons, kagans, rumsfelds etc. kann getrost verzichtet werden: einpeitscher dieser art hat die geschichte deutschlands schließlich schon zu viel gehabt. das buch müllers ist absolut zu empfehlen.
Am Deutschen Wesen soll auch diesmal die Welt genesen
Meine verzweifelte Hoffnung auf eine stringente und intellektuell anspruchsvolle Gegenposition zu Huntington, wurde leider auch diesmal entäuscht. Der Autor liefert lediglich eine reiche Vielfalt an utopischen Durchhalteparolen und überholten Thesen des ideologischen Zeitalters. Nur fehlt es eben an Substanz und kann ich es lediglich als Negativbeispiel für intellektuelle Hilflosigkeit empfehlen. Eine bessere Faktengrundlage hätte vielleicht dazu beigetragen, dass der Leser nicht (ungefähr ab Seite 14) den Eindruck gewinnt es handle sich hier möglicherweise um eine Art Sammelwerk der multikulturellen Endsiegmentalität.

Anderseits mangelt es dem Autor allerdings keineswegs an Selbstbewußtsein. Im Buch steht als drin was wir tun "müssen" und denken "sollen". Eine Gesinnungspredikt für jeden geistigen Masochisten.

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  3. Die Bacardis. Der Kuba-Clan zwischen Rum und Revolution
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