Customer Review:
Große Enttäuschung
Als Böhmischer Nachfahre habe ich mich schon intensiv mit dem Thema beschäftigt. Peter Glotz enttäuscht meiner Ansicht nach mit dem Buch schon am Anfang. Es dauert Jahrhunderte, bis er zur eigentlichen und im Titel versprochenen Thematik kommt. Die Deutschen kommen wahrlich nicht gut weg; es erscheint, als würde er sich entschuldigen für die Tatsache, dass die Böhmen fast 800 Jahre in diesem Gebiet lebten und es wirtschaftlich aufbauten. Nicht umsonst besteht gut ein Drittel des tschechischen Staatsvermögens noch heute aus dem beschlagnahmten Werten der Sudetendeutschen!
Erschreckt hat mich die förmliche Lobpreisung auf Edvard Benes. Glorifiziert wird er als großer Staatsmann und nicht auch beschrieben als Initiator der größten Vertreibung der Menschheitsgeschichte mit unzähligen Toten und Leidenden. Raffiniert habe er die "Umsiedlung" eingeleitet; tatsächlich saß er im englischen Exil und hat versucht, sich Roosevelt und Churchill anzubiedern. Erst als dies nicht funktioniert hatte, schloss er den Pakt mit den Russen, die auf menschenverachtendste Weise diesen Genozid vorantrieben.
Für jemanden, der durch die Vertreibung alles verloren hat, geht er erstaunlich und meiner Meinung nach geheuchelt emotionslos damit um.
Ein Schlag ins Gesicht derjenigen, die alles zurück lassen mussten!
Es gibt viele bessere und auch realistischere Bücher...
Historische Herführung des sudetendeutschen Dramas
Peter Glotz Untertitel " Böhmen als Lehrstück" verwirrt am Anfang, die Auflösung kommt relativ spät im Epilog.
Anhand der Vertreibung der Deutschen aus Böhmen wird aufgezeigt, dass so ein Verbrechen leider immer wieder vorkommen kann, exemplarisch mag hier die Entwicklung im früheren Jugoslawien stehen.Das ist auch der Faktor, der dieses Buch wertvoll macht; es steht als Warnung vor der Geschichte.
Betroffen macht aber die Haltung der tschechischen Regierung, die einfach auf dem Status Quo beharrt, Opferentschädigung verweigert, nur immer auf die Rechtmäßigkeit der Benes Dekrete verweißt. Hier hofft man doch auf ein Umdenken.
Das Buch weckt falsche Erwartungen. Mit dem Titel "Die Vertreibung" suggeriert Glotz eine Beschreibung der Ereignisse Ende des Zweiten Weltkrieges. Er verbringt aber 2/3 mit der Herführung der Gründe der Vertreibung; erwähnt dabei die Hussitenkriege, die Entwicklung nach der Schlacht am Weißen Berg im Dreissigjährigen Krieg, die Wurzeln des Nationalismus seit 1848 usw..
Die Vertreibung selbst wird zu oberflächlich geschildert, die Verbrechen der Tschechen und die vorhergehenden der Deutschen in der Protektoratszeit ebenso.
Fazit: Peter Glotzs}Buch beschreibt sorgfältig die Ursachen und die historische Herführung, am schluss mit der Vertreibung der Sudetendeutschen wirkt es so, dass er nun schnell zu Ende kommen will. Allgemein ist es für denjenigen von Nutzen, der sich für die historischen Entwicklungen interessiert, demjenigen, der den Fokus auf die Jahre 39 bis 45 legt, empfehle ich sich zusätzliche Literatur anzueignen.
Glotz hält nicht, was er verspricht
Das Buch von Peter Glotz verdient Respekt und Hochachtung, zumal er sich als Sozialdemokrat an das von seiner Partei seit jeher totgeschwiegene Thema "Vertreibung" wagt. Insgesamt zeugt sein Werk von großer Sachkenntnis und Präzision und verdient allein deshalb schon, gelesen zu werden. Dennoch werden die Erwartungen des Lesers auch enttäuscht:
1. Die Vertreibung wird m. E. zu wenig thematisiert. Zu viel Raum nimmt die Vorgeschichte, d.h. die Geschichte von Böhmen und Mähren seit dem Mittelalter ein. Dies ist sicher von historischer Seite her konsequent, der Durchschnittsleser würde sich aber einen Schwerpunkt auf der Zeit zwischen 1918 und 1950 wünschen.
2. Oft bleiben Zusammenhänge unerwähnt bzw. werden als bekannt vorausgesetzt. So fehlt eine MInimalbeschreibung der Situation in Böhmen und Mähren während des 1. Weltkrieges. Auch die Einbeziehung der Sudetendeutschen in die neugebildete CSR 1918 wird eher unkritisch behandelt, obwohl diese große Auswirkungen auf die Haltung der Mehrheit der Sudetendeutschen gegenüber den Tschechen hatte.
3. Das Buch ist nebenbei auch ein Loblied auf die sudetendeutschen und auch tschechischen Sozialdemokraten. Der Autor weist auf diesen Umstand aber bereits im Vorwort hin, so daß man bereits vorgewarnt ist.
4. Glotz versucht meines ERachtens zu sehr, um Verständnis für die tschechischen Verbrechen an den Sudetendeutschen während der Vertreibung zu werben. Er entschuldigt fast alles durch die vorangegangenen deutschen Verbrechen. Die schlimmsten Ausfälle der Vertreiber wie Massenvergewaltigungen etc. werden nur am Rande und unkommentiert erwähnt.
5. Hauptkritikpunkt ist für mich aber das Bild von Benes, das Glotz m. E. in zu hellen Farben zeichnet. Dieser Hauptverbrecher der Vertreibung kommt im Buch eindeutig zu "gut weg". Teilweise hat man sogar den Eindruck, daß Glotz sich mit Benes in gewissen Punkten identifizieren kann. Auch die äußerst umstrittene Würdigung Benes` im Jahr 2000 durch das tschechische Parlament wird unkommentiert (!) erwähnt.
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