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Nur teilweise erhellend
Die Autorin Eva JOLY hat als französische Untersuchungsrichterin Ermittlungen gegen den staatlichen Ölkonzern Elf-Aquitaine geführt.
Wer nun aber in ihrem Buch eine Darstellung ihrer Erhebungstätigkeit erwartet, wird bitter enttäuscht. Vielmehr ist es die subjektive Beschreibung ihrer Gefühlswelt und sonstigen Befindlichkeit, während sie, und das sei ihr zugestanden, Einschüchterungsversuchen bis hin zu Morddrohungen ausgesetzt war.
JOLY beschreibt in (ermüdender) Detaillierheit den verdeckten Kampf des französischen Establishments gegen ihre Tätigkeit, das Unverständnis in der Kollegenschaft über ihren Personenschutz, die mangelnde Unterstützung durch die Vorgesetzten, wie sehr sie sich mißverstanden fühlt und unter den medialen Vorwürfen leidet, etc.
Nach der Lektüre darf man sich schon fragen, warum ihr (männlicher) Kollege wesentlich stress-resistenter war. FAZIT: Nur teilweise erhellend.
Wider die Korruption als Lebenselixier
Ein sehr persönlicher Tatsachenbericht über den größten Korruptionsfall Europas. Eva Joly, die unbeugsame Richterin, berichtet, wie sie während der Untersuchungen im Elf-Fall (zu dem auch Leuna gehörte) bedroht und in ihrer Arbeit behindert wurde. Eines Tages schickte man ihr sogar einen kleinen Sarg.
Gleichzeitig benennt sie den Hauptschuldigen an der ausufernden Wirtschaftskriminalität: das globalisierte Finanzsystem mit seinen Steueroasen, in dem sich Milliarden in Sekundenschnelle in Luft auflösen lassen.
Ein kluges und mutiges Buch gegen all jene, die noch heute versuchen, diese Frau einzuschüchtern.
Eine bemerkenswerte Frau
Eva Joly ließ sich bei ihren Ermittlungen weder von Drohungen noch von Verlockungen beirren. Dass das dicht gesponnene Schmiergeldnetz, mit dem sich ganze Scharen von Beamten, Politikern und Kommissionären bereicherten, aufflog, ist einzig ihrer Unnachgiebigkeit zu verdanken.
Doch in diesem Buch geht es um etwas anderes: Joly beschreibt, wie die Korruption mittlerweile zum System geworden ist, das die Moral der Eliten untergräbt, den Steuerzahler Unmengen Geld kostet und den Wettbewerb untergräbt. Diesen Kampf hat sie mittlerweile auch auf politischer Ebene aufgenommen. Die als Europäerin des Jahres ausgezeichnete Richterin ist mittlerweile in ihr Heimatland Norwegen zurückgekehrt und berät dort die Regierung bei der Schaffung einer Anti-Korruptions-Gesetzgebung - und genießt dort nun zum ersten Mal seit vielen Jahren die Freiheit, ohne Leibwächter zum Abendessen zu gehen oder am Samstag am Strand von Oslo Rad zu fahren.
Was geschieht, wenn man den Kreisen der Macht neugierig zu nahe kommt, beschreibt dieses Buch - aus der Perspektive einer, die dem Zyklon entkommen ist.
Selten habe ich ein Buch gelesen, das so anrührend und präzise, so versöhnlich und unnachgiebig, so aufrüttelnd und klarsichtig zugleich ist. Der unspektakuläre Mut dieser Richterin ist wirklich beeindruckend.
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