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Ungefragte Antworten auf unzureichend beantwortete Fragen
Schade, eigentlich hätte es mir Freude gemacht, dieses Buch zu verreißen und ihm allerhöchstens einen Anstands-Stern zu verpassen. Das hätte nämlich bedeutet, dass "Deutsche Tabus - Ungefragte Antworten" lediglich rechter (definitionsgemäß - weil "nicht linker") Blödsinn sei. Ist es aber bedauerlicherweise nicht. Der Autor greift mit sicherer Hand Fragen auf, die nicht nur den klassischen Springerpresse-Leser zunehmend und mehr oder weniger offen beschäftigen, und die von den Politikern jeglicher Couleur entweder totgeschwiegen, totgeschwätzt oder besagter Couleur entsprechend umgefärbt werden.
Röhl gibt Antworten, die man natürlich mit dem Stempel "Populismus" versehen in die rechte äußere Ecke verfrachten kann, wenn sie einem nicht ins Weltbild passen. Schaut man aufmerksamer hin, und das lohnt sich durchaus, so beobachtet man in Fragen und Antworten einen unbequemen, aber scharfen, logischen Verstand. Ist es wirklich deutschtypisch-spießig, "kreative" Graffiti-Sprayer und "harmlose" Klau-Kids als Kriminelle anzusehen und öffentlichkeitswirksame, verfremdete Inszenierungen deutscher Klassiker widerwärtig zu finden? (Um banal wirkende Beispiele zu nennen.) Was steckt hinter "Agenda 2010"? Nichts, sagt Röhl. Kam mir auch immer so vor - er begründet seine Position wenigstens, die "Macher" hingegen nicht.
Ohne Zögern nimmt sich Röhl in alphabetischer Reihenfolge auch besonders empfindliche Themen vor, wie Antisemitismus und Faschismus, und interpretiert ihre Auslegung. Übrigens in einer sachlichen, anhand von Quellen gut nachvollziehbaren Weise, die mich angesichts seines Rechtsaußen-"Images" fast überrascht hat.
Das Buch ist bissig und keineswegs humorlos verfasst, keine erfreuliche Lektüre, aber eine Darstellung und Interpretation geläufiger Begriffe aus einer ungewöhnlichen Perspektive. Ich bin durchaus nicht mit allen Inhalten einverstanden, schon, weil ich einer anderen Generation als der Autor angehöre, doch zu einer demokratischen Diskussion gehört nun einmal auch die unvoreingenommene Auseinandersetzung mit der Meinung anderer. Und diese Form der Auseinandersetzung ist in den gängigen Medien sehr selten geworden. Folglich sollte man als politisch interessierter Mensch auch einmal Bücher wie dieses lesen, um sich aus erster Hand eine wie auch immer geartete Meinung zu ihren Anliegen zu bilden.
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