Regieren jenseits des Nationalstaates. Globalisierung und Denationalisierung als Chance

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Authors: Michael Zürn
Catalog: Book
Media: Broschiert
Release Date: Oktober 1998
Publisher: Suhrkamp
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Kategorien - Politik & Geschichte - Gesellschaft
Kategorien - Business & Karriere - Wirtschaft - Wirtschaft international - Globalisierung
Kategorien - Fachbücher
Kategorien - Politik & Geschichte - Politikwissenschaft - Politische Theorien - Globalisierung & Globalisierungskritik
Subjects - Nonfiction - Social Sciences - Political Science - General
Subjects - Nonfiction - Current Events - International

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Ein Muß zum Thema Globalisierung
Im ersten Teil des Buches geht der Autor dem allgegenwärtigen und inflationär gebrauchten Begriff der Globalisierung auf den Grund. Er bemüht sich, diesen eben durch den Gebrauch als universale Argumentationsfigur unscharf gewordenen Begriff einzugrenzen und zu bestimmen. Als Ergebnis schlägt er das theoretisch ausgereifte Konzept der „gesellschaftlichen Denationalisierung" vor, das im Unterschied zur Globalisierung begriffliche Schärfe aufweist. Ebenso klar und logisch stringent wie das theoretische Fundament präsentieren sich die empirischen Nachweise, mit denen Ausmaß und Erscheinungsformen der Denationalisierung bestimmt werden. Damit wird eine längst überfällige Untersuchung vorgelegt, die endlich den Globalisierungs-Dschungel durch analytische und empirische Differenzierung lichtet - und vor allem: auch für den interessierten Laien sowie den akademischen Anfänger lesbar bleibt.

Im zweiten Teil folgt eine Bestandsaufnahme des Regierens jenseits des Nationalstaats, wie es zur Zeit stattfindet. Dabei werden internationale Institutionen auf ihre Leistungsfähigkeit hin abgeklopft und das Legitimationsproblem solcher Institutionen erörtert. Dies macht diesen Abschnitt auch für denjenigen interessant, der sich mit den Grundlagen der Demokratietheorie und Legitimationsformen beschäftigen will. Ebenfalls sehr interessant ist der Abschnitt, in dem die Rückwirkungen der Denationalisierung auf nationalstaatliche Innenpolitik in Gestalt von Fragmentierung (Rechtsextremismus, Regionalismus) behandelt werden. Als einziger Kritikpunkt bleibt, daß man an einigen Stellen die ausführlichen empirischen Belege des ersten Teils vermißt.

Im dritten Teil schließlich nimmt das von Zürn propagierte Projekt „komplexes Weltregieren" Gestalt an. Doch kann der Vorwurf des hoffnungslosen Optimismus trotz aller angeführten Beispiele und Beweise der theoretischen Möglichkeit nicht ganz entkräftet werden. Doch ist dieser Teil wohl als Beitrag zu der längst überfälligen Diskussion über die Frage gedacht, wie die Globalisierung (oder Denationalisierung) nicht nur als Bedrohung gefürchtet, sondern auch als Chance gestaltet werden kann. Doch könnte man provokant anmerken, daß nach der Destruktion des Schreckgespenstes „Globalisierung" ein neues aufgebaut wird, nämlich „Fragmentierung".

Fazit: Das Schreckgespenst „Globalisierung" wird endlich nüchtern analysiert und entzaubert. Doch es bleibt nicht bei der Analyse. Zusätzlich werden konkrete Vorschläge für die Gestaltung der Zukunft gemacht, die in einer hoffentlich bald losbrechenden Diskussion über die Bewältigung der Globalisierung noch zu diskutieren sind. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
"Komplexes Weltregieren" als Weg aus nationalem Dilemma
Die These des Buches von Michael Zürn, wonach der abnehmende Steuerungsfähigkeit des nationalen Wohlfahrtsstaates alternative Formen des Regierens erforderlich mache, ist nicht neu - zahlreiche Wissenschaftler haben in den vergangenen Jahren zu diesem Fragenkomplex gearbeitet. Was das Buch des Bremer Politikwissenschaftlers jedoch zu einem sehr empfehlenswerten Standardwerk macht, ist dessen argumentative Stringenz und die positive Wendung des "Verlustes" an Steuerung auf nationaler Ebene durch die Schaffung neuer Institutionen und politischer Praktiken auf internationaler Ebene - das Projekt "komplexes Weltregieren". Zürns konzise Darstellung beginnt im Aufstieg nationalstaatlicher Politik, die als "zielgerichtete Regelung gesellschaftlicher Beziehungen und der ihnen zugrundeliegenden Konflikte mittels verläßlicher und dauerhafter Maßnahmen und Institutionen" dargestellt wird. Eben dieser Prozeß, der der Gewährleistung von Sicherheit, der Schaffung von Identität, der Durchsetzung von Interessen mittels legitimer Mittel sowie der Bereitstellung sozialer Wohlfahrt diente, geriet seit den Siebziger Jahren verstärkt unter Druck. Triebfedern des Wandels von einer klar nationalstaatlich dominierten zu einer noch in der Genese befindlichen Weltordnung sind die internationalen Finanzmärkte, verstärkt ins öffentliche Bewußtsein tretende ökologische Probleme, Transnationalisierung von Wirtschaftskonzernen sowie der Quantensprung in der Informationstechnologie der letzten Dekade. Deutlich arbeitet Zürn auf das zentrale Problem von Denationalisierung und Globalisierung hin, nämlich jenes der politischen Legitimierung jenseits des Nationalstaates. Während der Bremer Politikwissenschaftler in der Denationalisierung nicht das Ende des Nationalstaats per se sieht, weist er zugleich deutlich auf die Gefahren politischer Fragmentierung innerhalb von Gesellschaften hin. Auch erteilt er einem übereilten Optimismus, ein "Europa der Bürger", das bisher weitgehend als Utopie zu verstehen ist, könne ein wirksamer Gegenimpuls zur Fragmentierung nationaler Gesellschaften sein, eine klare Absage. Brillanten Abschluß und inhaltlich zugleich Höhepunkt der Erörterung bietet die Entwicklung von Zukunftsszenarien, die Zürn in Form von Thesen vorstellt und seine Gedanken zum "komplexen Weltregieren" - dessen Schwierigkeiten er als "überwindbar" betrachtet - überzeugend vertritt. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)

Books:

  1. Leviathan
  2. Politischer Liberalismus.
  3. Die deutsche Familie
  4. Spionagechef im geheimen Krieg.
  5. Politische Philosophie heute. Eine Einführung.
  6. Die Kultur der Niederlage
  7. Martin Luther King / Malcolm X.
  8. Die einzige Weltmacht. Amerikas Strategie der Vorherrschaft.
  9. Klassiker der Politikwissenschaft. Von Aristoteles bis David Easton
  10. Kinderprostitution Kinderpornographie Tourismus. Eine Bestandsaufnahme.

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