Customer Review:
Paradigmenwechsel, was gestern falsch war ist morgen richtig
Das Buch beschreibt, wonach Fortschritt in der Wissenschaft sich nicht durch allmägliche Veränderung vollzieht, sondern durch revoluzionäre Prozesse, wo ein bisheriges Erklärungsmodell verworfen wird und durch ein anderes ersetzt wird. Offenbar kommt von dem Auto die Bezeichnung "Paradigmenwechsel. Der Autor forscht und lehrt an der Harvard Universität U.S.A. Das Thema ist insoweit aktuell, daß eben gerade heute ein Paradigmenwechsel auf vielen Kapiteln des Deutschen Systems ansteht, weil das was bisher erfolgreich war oder zum Erfolg geführt hat, jetzt eben genau zum Mißerfolg führt. Und genauso was gestern falsch war, ist morgen plötzlich richtig. Das Auto fuhr gestern noch vorwärts, morgen muss es rückwärts fahren. Es ist genau andersherum. Das Buch beschreibt hoch wissenschaftlich und intellektuell die Umkehr, den Paradigmenwechsel
Lesen und dabei ständig "Aha!" denken
Dieses Werk eignet sich meiner Meinung nach für alle diejenigen nicht, denen es egal ist, was "Wissenschaft" eigentlich ist, wofür sie steht und was für Erkenntnisse sie für sich reklamiert.
Da aber fast jeder, der auch nur entfernt mit wissenschaftlichem Streben in Kontakt kommt, irgendwann denkt "Hoppla, was hab ich davon eigentlich zu halten?", kommt dieses Buch für einen sehr großen Leserkreis in Frage.
Die z.T. heftigen Reaktionen auf dieses Werk zeigen, wie sehr Kuhn den Finger in die Wunde zu legen vermag. Kuhn behandelt allerdings im Wesentlichen den historischen Prozess der Erkenntnisvermehrung, dieses Buch ist nicht so sehr eine Wissenschaftskritik per se.
Das Buch ist gut und spannend zu lesen, was natürlich immer nett ist.
Wer nicht so recht weiß, ob es nicht noch was allgemeineres gibt, sollte sich ein wenig bei Paul Feyerabend umsehen!
Noch etwas anders, weil soziologischer, aber unbedingt zu empfehlen ist das suhrkamp-Buch "Zur Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache" von Ludvik Fleck!
Einfach mal vergleichen!
Klassiker der Wissenschaftsgeschichte und -theorie
Kuhns "Struktur" ist ohne Zweifel ein echter Klassiker geworden, die Termini "Paradigma" bzw. "Paradigmenwechsel" sind aus der wissenschaftstheoretischen Diskussion nicht mehr wegzudenken und haben ihren Weg in den allgemeinen akademischen Sprachgebrauch gefunden. Leider werden sie häufig derart inflationär gebraucht, dass von der ursprünglichen Intention wenig übrig bleibt. Bei Kuhn hat das dazu geführt, dass er von einigen quasi als Legitimation für noch so fragwürdige Ansichten und Methoden benutzt wird, für andere sind seine Ausführung schon per se ein rotes Tuch. Schon deswegen lohnt sich die Lektüre des Originals, und der interessierte Leser wird belohnt. Kuhn, von Hause aus Physiker, ist ein nüchterner und spannend zu lesender Autor - seine Ausführungen haben Hand und Fuß, wenn auch vieles von dem, was im vorliegenden Buch steht, von ihm selbst im Lauf der Zeit relativiert, präzisiert und zurückgenommen wurde. Wer sich also ernsthaft mit ihm beschäftigen will, der sollte auch seine übrigen Bücher lesen.
Kuhns Kritik an der konventionellen Auffassung vom Wachstum wissenschaftlicher Erkenntnis läuft darauf hinaus, dass es seiner Meinung nach eine kontinuierliche Ansammlung von gesichertem Wissen nicht gibt, stattdessen verläuft Wissenschaft ähnlich wie soziale Revolutionen. In Zeiten der Normalwissenschaft beschäftigen sich Wissenschaftler mit dem "Lösen von Rätseln", funktioniert dies nicht, wird die Schuld dem Forscher gegeben, nicht dem zugrunde liegenden "Paradigma". Doch irgendwann kommt es zu einer solchen Krise, dass in einer Art "religiösen Konvertierung" Forscher ein neues "Forschungsparadigma" annehmen - dieser Schritt scheint nicht rational begründbar zu sein, da es keine objektive Möglichkeit des Vergleichs rivalisiernder Paradigmen gäbe ("Inkommensurabilität"). Dies ist extrem stark vereinfacht die Essenz des Buches, doch Kuhns Ausführungen sind bedeutend komplizierter und differenzierter.Spricht Kuhn noch von einer Logik der Forschung oder psychologisiert bzw. soziologisiert er den wissenschaftlichen Fortschritt? Gibt es überhaupt noch so etwas wie wissenschaftlichen Fotschritt bei Kuhn? Sind seine historischen Beispiele schlüssig oder lassen sie sich auch anders - nämlich als vernünftige Entscheidungen der wissenschaftlichen gemeinschaft - interpretieren? Nur wer selbst das Buch liest, kann diese heute noch andauernden Debatten kritisch beurteilen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
Books: