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Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit werden immer unschärfer
In dem Sammelband „Trend 2004" werden insgesamt acht der auf dem Achten Deutschen Trendtag vorgetragenen Referate zum Tagungsthema: „Eigenzeiten - Aufschwung durch eine neue Zeitökonomie" vorgestellt. Da hier nicht auf alle Beiträge eingegangen werden kann, sollen zwei dieser Referate hier kurz vorstellt werden, die durchaus als stellvertretend und typisch für die Grundaussage des Sammelbandes stehen.
Der bekannte Medienexperte Norbert Bolz stellt zunächst fest, dass wir heute in einem Zeitpluralismus leben. Während in früheren Jahrhunderten die Vorstellung von einem linearen Fortschritt in der Geschichte allgemein verbreitet gewesen sei, stehe uns in der Postmoderne nicht die Zukunft bevor, sondern es tue sich ein Horizont vieler möglicher Zukünfte auf, die miteinander in Konkurrenz stünden. Ein wesentliches Kennzeichen der Postmoderne sei zudem der ständige Zeitstress und die anwachsende Temposteigerung. Dieser Zeitdruck sowie der angesichts der offenen Zukunft permanent empfundene Entscheidungsdruck erforderten Selektionsregeln. Da heutige Akteure selten ausreichend informiert sein könnten, müssten sie die Überkomplexität einer Situation oder Handlung pragmatisch managen. „... man beugt sich dem Zwang zur Verkürzung - als ob man eine Sicherheit hätte. Mit anderen Worten: Zeitknappheit legitimiert den Opportunismus." (S. 32) Konkret zeigt Bolz drei Möglichkeiten zur Verminderung des Zeitdrucks auf: 1. Bei Zeitknappheit sei es unökonomisch, lange über kleine Geldbeträge nachzudenken. 2. Zeitknappheit zwinge dazu, sich auf den ersten Eindruck zu verlassen, und 3. wollten Kunden verführt werden, um eine rasche Entscheidung treffen zu können. Früher, so der Autor, seien Güter knapp gewesen, heute sei es die Zeit. Da die Konsumzeit knapp sei, reagierten die Kunden auch empfindlich auf die Übergriffe anderer auf ihre Eigenzeit, z.B. wenn man sie warten lässt.
Der Managementberater Reinhard K. Sprenger hebt den aus seiner Sicht sich abzeichnenden Bedeutungsverlust der Erwerbsarbeit hervor. „Die alte Idee des Arbeits-‚Platzes', auf dem jemand sitzt und Akten bearbeitet, wird hinfällig." (S. 111)Sprenger verweist auf den Innovationsdruck in der Wirtschaft und auf die sich verkürzenden Produktentwicklungszeiten, wodurch ein ständiger Zeitdruck erzeugt werde. Die Führungsaufgaben würden in Zukunft erheblich anspruchsvoller werden, und an die Stelle des Vorgesetzten werde eine aktiv gestaltende Führung treten, die „von unten" legitimiert sei. Andererseits stellt er aber auch fest, dass nicht (mehr) das Proletariat „Subjekt der Revolution ist, ... sondern das orbital vagabundierende Kapital, die weltumspannende Technik." (S. 108)
Die Kurzbeschreibung der ausgewählten Einzelbeiträge zeigt, dass der/die Leser/in in dem Sammelband keine ausgearbeitete Analyse gesellschaftlicher Veränderungen erwarten darf. Vielmehr werden eher auf einer beschreibenden und phänomenologischen Ebene in sprachlich oft zugespitzter Form aktuelle Trends vorgestellt. Dabei bedienen sich die Autoren häufig plakativer Formulierungen, die sich bei einer genaueren Analyse als recht unbestimmt und vage erweisen. Wenn der Managementberater Sprenger, wie oben zitiert, Kapital und Technik als die heute relevanten Subjekte der Revolution bezeichnet, lässt er dabei offen, welche Form von Revolution er meint und welche Akteure hinter dem Kapital und der Technik stehen.
Es muss aber auch zugestanden werden, dass die vom Trendbüro veröffentlichten Beiträge wichtige Trends, wie sie sich für eine ganz bestimmte Schicht von Betroffenen darstellen, in einer zwar zugespitzten, aber durchaus unterhaltsamen Art und Weise beschreiben. Und es ist auch davon auszugehen, dass einige der „Denkanstösse für Wirtschaft, Medien und Gesellschaft" (Untertitel) durchaus mittel- und langfristig zu erwartende und sich stabilisierende Trends zutreffend beschreiben, unabhängig davon, ob wir mit diesen Trends eher Chancen oder Risiken verbinden.
Wie beeinflusst die fehlende Zeit unser Konsumverhalten?
Zeit ist kostbar. Der Tag hat 24 Stunden; selbst, wenn wir die Nacht dazu nehmen. Und in diesen 24 Stunden wollen oder müssen wir immer mehr tun: bei der Arbeit, zu Hause, in der Freizeit. Wenn wir mehr Zeit für andere(s) brauchen, bleibt weniger Zeit für uns übrig. Die Eigenzeit wird knapper. Was bedeutet das? Wie wirkt sich das auf unser Leben aus? Und, für Fachleute aus Marketing und Kommunikation besonders wichtig: Wie beeinflusst dieser Trend das Konsumverhalten? In diesem Buch suchen namhafte Autoren (lesenswert: Norbert Bolz, Peter Wippermann, Reinhard Sprenger, Andreas Steinle) Antworten. Einige finden sie.
Hervorragende Zusammenstellung verschiedenster Meinungen
Dem Trendbüro ist mit der Herausgabe dieses Buches wieder einmal eine hervorragende Arbeit gelungen. Führende Denker im Bereich Arbeitszeit, aber auch Familie und Beruf, wie auch Querdenker aus unterschiedlichen Bereichen kommen hier zu Wort, um kreative Ansätze, die allein schon aufgrund der Bevölkerungsentwicklung notwendig sein werden, zu brennenden Fragen unserer Zeit zu bieten.
Empfehlenswert!
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