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Der Beginn der Verdrängung?
Neben Peter Reichels "Politik mit der Erinnerung" zeigt das neue Werk des ausgewiesenen Kenners des Nationalsozialismus und Zeithistorikers Norbert Frei die Ursachen eines bundesdeutschen Dilemmas auf: der Umgang mit der NS-Vergangenheit. Frei reduziert allerdings seine Auseinandersetzung mit dem Thema auf die frühe Geschichte der Bundesrepublik, da die nachfolgenden Diskussionen der späteren Jahre - seiner Ansicht nach - ohne diese Grundlagen nicht denkbar gewesen wären. So versucht er nachzuweisen, daß die Politik der Bundesregierung unter Adenauer, aber auch die Bereitschaft des Bundestages in dieser Zeit, schon 1949(!) einen "Schlußstrich" unter die NS-Vergangenheit zu setzen, dazu beitrugen, die Vergangenheit für die Zukunft zu verbrämen. Er kommt zur Auffassung, daß die frühe bundesdeutsche Vergangenheitspolitik sich auf einen hohen Konsens in der Bevölkerung berufen konnte und daß sie deshalb mit pauschalierenden und schnellen Maßnahmen den Forderungen der Zeit gerecht werden wollte. Die Entnazifizierung sei als weitgehende Amnestie und Reintegration der ehemaligen Nazis verstanden worden, ja sogar als Teil des raschen (wirtschaftlichen)Wiederaufbaus. Frei stützt sich dabei auf eine breite Quellenbasis der Frühzeit der Bundesrepublik und belegt seine Thesen anhand dreierlei Bereiche: Der parlamentarischen Gesetzgebeung, dem Umgang mit den Kriegsverbrechern sowie der justitiellen Aufarbeitung. Dem Autor ist mit seinem Werk ein wichtiger Beitrag zur Geschichte der Vergangenheitsbewältigung der Westdeutschen gelungen. Trotz seiner "Dichte" und der Vielzahl an Fakten bleibt das Buch gut lesbar und ist ein preiswertes "Muß" für alle, die sich (nicht nur) mit der Innenpolitik der Adenauer-Zeit beschäftigen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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