Die Roaring Nineties. Der entzauberte Boom

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Authors: Joseph E. Stiglitz
Catalog: Book
Media: Gebundene Ausgabe
Release Date: Januar 2004
Publisher: Siedler
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Das Standarderk über die wilden Neunziger-Jahre
*****
Joseph Stiglitz, Nobelpreisträger für Wirtschaft, ist einer der bedeutendsten Ökonomen unserer Zeit.
1993, zu Beginn der Präsidentschaft Bill Clintons, wurde er in dessen einflussreichen Beraterstab aufgenommen. Später wurde Stiglitz Chefökonom der Weltbank. In beiden Funktionen hatte er Zugang zur Macht. Stiglitz sah, wie die Mächtigen wirtschaftspolitische Entscheidungen treffen, bzw. war er selber Teil des Meinungsbildungsprozesses.
Anfang der neunziger Jahre herrschte Pessimismus in den USA, die Wirtschaft hatte eine Schwächephase, die Arbeitslosigkeit war hoch und das Budgetdefizit erreichte neue Rekordhöhen. Bill Clinton senkte das Defizit und GLEICHZEITIG sank die Arbeitslosigkeit und es begann ein neuer Wirtschaftsboom. Mit dem Boom kam es auch an der Börse zu einer Hausse. Vor allem an der neuen Technologiebörse nasdaq kam es zu immer neuen Höchstständen. Viele Werte verzehnfachten, ja verhundertfachten ihren Wert. Damals glaubte man, die Gesetze der Ökonomie gelten nicht mehr, die "new economy" wurde erfunden. Bekanntermaßen endete der Boom 2000/2001 in einer Rezession und einem totalem Zusammenbruch der Technologiewerte.
Stiglitz macht einen sehr kritischen Rückblick. Auch sich selbst kritisiert er. Er habe zwar ab und zu bemerkt, das der Boom etwas überzogen ist, er habe sich aber auch von der Euphorie des "new economy-booms" anstecken lassen.
Der Aktienboom ließ auch die Gewinnsteuern steil ansteigen. So verwandelten sich die Budgetdefizite in Budgetüberschüsse. Mit dem Ende des Booms gingen auch die Steuereinnahmen stark zurück. Zusammen mit den völlig überzogenen Steuersenkungen von George Bush junior stieg das Budgetdefizit auf neue Rekordhöhen. Stiglitz ist verwundert, dass eine Politik, die die Reichen so bevorzugt, auf so wenig Kritik stösst. Er kritisiert auch, dass die Gagen der Bosse völlig überzogen sind. Die irrwitzigen Prämien und Aktienoptionen würden nur die Gier anstacheln und zu Manipulationen wie bei Enron und Worldcom führen.
Stiglitz plädiert dafür, dass der Staat wieder mehr Geld in Infrastruktur, Bildung, Grundlagenforschung und Entwicklung steckt. Nur so könne der Wohlstand für die Zukunft gesichert werden.
pragmatischer Nobelpreisträger
Nachdem Stiglitz in "Die Schatten der Globalisierung" die Politik des IWF heftig kritisiert hatte, ist nunmehr die US-amerikanische Wirtschaftspolitik der 90er-Jahre Gegenstand der Analyse. Stiglitz war in den Neunzigern Präsident des "Councils of Economic Advisors", welches den US-Präsidenten - damals Clinton - wirtschaftspolitisch berät. Obwohl Stiglitz also viele politische Entscheidungen mitverantwortet, zumindest mitvorbereitet hat, ist die Rückschau durchaus kritisch. Was vielen Anhängern der derzeit vorherrschenden reinen Lehre nicht schmecken dürfte: Stiglitz plädiert dafür, nicht stets auf Marktmechanismen zu vertrauen und die Frage, wie weit der Staat zurückgedrängt werden soll, sorgfältig in jedem Einzelfall abzuwägen. Er ist der Auffassung, dass hier in den USA teilweise die Regulierung durch Marktkräfte übertrieben worden ist (Beispiel: Strommarkt). Der Nobelpreisträger erweist sich hier als erfreulich pragmatisch und wenig dogmatisch. Nun ja, Stiglitz, ehemaliger Weltbank-Vize, ist eben kein bloßer Theoretiker.
Bevor jetzt regelwütige deutsche Politiker meinen, sie müßten Stiglitz als Bannerträger entdecken, sei gesagt: Stiglitz würde auf deutsche Verhältnisse bezogen sicherlich zu dem Ergebnis kommen, dass das eine oder andere der Deregulierung bedarf, mehr Markt und weniger Staat wünschenswert wäre.
Im Hinblick auf aktuelle Tagespolitik im Jahre 2004 von Interesse: Stiglitz spricht sich - auf Europa bezogen - für eine vorsichtige Haushaltskonsolidierung und gegen Hauruck-Maßnahmen aus.

Dass der Autor manchmal etwas arrogant und überheblich wirkt kennt man ja. Bei seinem Fachwissen und seinen didaktischen Fähigkeiten kann er sich dies aber allemal leisten.

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