Neoliberalismus: Theorie, Gegner, Praxis

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Authors: Herbert Schui, Stephanie Blankenburg
Catalog: Book
Media: Broschiert
Release Date: August 2002
Publisher: Vsa
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Kategorien - Politik & Geschichte - Politikwissenschaft - Politische Theorien - Liberalismus

Customer Review:
Vorsicht - Polemik statt Information!
Eine "systematische Darstellung des Neoliberalismus" versprechen Herbert Schui und Stephanie Blankenburg einschließlich seiner Voraussetzungen, theoretischen Grundlagen und politischen Formierung. Der Leser erhält jedoch anders als der Titel suggeriert keine systematische Analyse von Theorie, Gegnern und Praxis des Neoliberalismus. Dem steht schon die Gliederung entgegen. Statt der Theorie stehen die Gegner des Neoliberalismus am Beginn der Darstellung. Diese Gegnerschaft ist Programm, verfolgen die Autoren erklärtermaßen das Ziel, "sich (wieder) der Geschichte zu bemächtigen und auch der Theorie, die sie hervorgebracht hat." Gemeint ist eine sozialistische bzw. marxistische Interpretation der Geschichte. Dementsprechend einseitig und politisiert ist die Darstellung eines Zerrbildes des Neoliberalismus ausgefallen.
Der Leser erfährt nichts über die wichtigsten Protagonisten des Neoliberalismus. Ihre Hauptaussagen werden nicht herausgearbeitet. Eine Einordnung in den historischen Kontext unterbleibt. Folglich kann auch keine systematische Kritik entwickelt werden. In der Kampfschrift von Schui und Blankenburg werden vielmehr in drei Kapiteln erstens die vermeintlichen Gegner „Keynesianismus, Sozialstaat und Vollbeschäftigungspolitik“ behandelt, zweitens ein neoliberal gewendeter Kapitalismus mit den behaupteten Kernmerkmalen „Wettbewerb und Entpolitisierung“ heraufbeschworen und drittens eine politische „Operationalisierung des Neoliberalismus“ thematisiert.
Eigenartig breiig, phrasenhaft und immer wieder fehler- und lückenhaft ist die Darstellung geraten, die sich an überkommenen Vorurteilen über den Neoliberalismus entlang hangelt. So war die Weltwirtschaftskrise keine Krise des Kapitalismus mit Marktversagen, sondern eine Krise des Interventionismus, den die Neoliberalen gerade zum Anlass ihres Wirkens nahmen. Der Neoliberalismus „beschimpft“ keine Politik oder Sozialdemokratie, sondern hat bereits 1922 die Funktionsunfähigkeit des Sozialismus nachgewiesen und die systemimmanenten Probleme sozialdemokratischer Wohlfahrtsstaaten seit den 1930er Jahren en Detail vorausgesagt. Im Mittelpunkt des Liberalismus steht nicht die auf den Markt beschränkte Freiheit, sondern ein umfassender Freiheitsbegriff als Schutz des Individuums vor staatlicher und privater Macht, - dabei wird wirtschaftliche Freiheit zur Voraussetzung politischer Freiheit. Bismarck hat mit der Einführung der Sozialversicherung nicht die soziale Frage entschärfen, sondern politische Gegner besänftigen wollen, usw.
Wer sich über den Neoliberalismus informieren möchte, kommt um die Originale der Gründerväter der Bundesrepublik Deutschland Wilhelm Röpke, Alexander Rüstow, Walter Eucken, Ludwig Erhard ferner Friedrich August von Hayek und Ludwig von Mises nicht herum. Wer sich über die Argumentationsweise der Gegner eines bis zur Unkenntlichkeit verfremdeten Neoliberalismus informieren möchte, kann - mit ausreichend Hintergrundwissen ausgestattet - Herbert Schuis und Stephanie Blankenburgs fehlerhafte Gleichsetzung des Neoliberalismus mit einem schrankenlosen Kapitalismus lesen.
Umfangreich
sehr gut gelungene darbietung des neoliberalismus und seiner entstehungsgeschichte, wobei man darauf hinweisen muss, dass es stellenweise sehr schwer zu lesen ist. z.b. ca. die ersten 50 seiten behandeln die rein ökonomische theorie des wohlfahrtsstaates und keynes, hier benötigt man meiner meinung nach ein wenig an vorwissen an wirtschaftl. theorie und fachwörter.
danach zeigen die autoren auf, dass das scheitern des wohlfahrtsstaates nicht systemimmanent ist, sondern die schuld liegt eher am willen und mut der politischen machthaber (bewiesen wird auch, dass der derzeitige status quo der globalisierung nicht über die politik hereingebrochen ist, sondern die politik wegbereiter war) und nicht zuletzt an den großen einflüssen der wirtschaft.
doch die analyse geht weiter über reine wirtschaftstheorie hinaus, auch die metaphysischen aspekte des neoliberlismus werden beschrieben (philosophiekenntnisse sind also von vorteil).
am interessantesten war für mich persönlich die politischen vorstellungen der neoliberalen vordenken, die im grunde als anti-demokratisch zu bezeichnen sind (z.b. die "große ordnung" hayeks) und die man kurz abreißen könnten (natürlich sind die einzelnen standpunkte wesentlich komplexer): ziel ist es die gesellschaft zu entpolitisieren und den menschen als reines objekt dem markt gegenüber zu stellen, folglich hat sich der staat aus möglichst vielen bereichen zurückzuziehen, nur im bereich der gewährleistung der rahmenbedingungen, die zum ablauf der tauschtätigkeiten zwischen den menschen nötig sind. also ein stark autoritärer staat, der jegliche opposition untersagt. ausgegangen wird von einer antiaufklärerischen und antirationalistischen ansicht des menschen als unmündiges, irrationeles wesen, das kontrolliert und geführt werden muss.

allem in allem ein sehr empfehlenswertes buch, jedoch nichts für zwischendurch.

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