Customer Review:
Der schale Beigeschmack von Werbung
Würde dieses Buch nur aus den beiden ersten Kapiteln ("Etwas bewegt sich" und "die Globalisierung folgt dem falschen Programm") bestehen. Ich hätte dem Buch 5 Sterne gegeben. Es ist informativ und erschütternd. Leider durchzieht das Buch eine Form, na nennen wir es Werbung. Es wird ein Problem präsentiert, welches (was in einigen Fällen ja durchaus berechtigt ist) in den dunkelsten Farben zu den düsternsten Szenarien verarbeitet und am Ende jedes Kapitels folgt ein Fazit: folgt attac und es geht euch allen besser. Vielleicht sollte ich erwähnen, dass ich bereits seit einigen Monaten aktives attac-Mitglied bin. Und aus diesem Grunde finde ich den Aufbau und die Darstellung des Buches dem Geist von attac schlichtweg nicht würdig!
Was mich noch weiter stört ist, dass die Lektüre dieses Buches ein gewisses Grundkenntnis der Finanzwelt vorraussetzt. Für einen Laien werden die Schilderungen als eine Anhäufung grausamster Informationen erscheinen, die sich alle richtig schlecht anhören - mit denen er aber nix anfangen kann. Da werden höchst umstrittene Theorien einfach mal so als "so ist es" hingestellt, weil es grad so gut in die Argumentation passt.
Die letzten Kapitel erwecken jedoch den Anschein, als ob die Autoren versucht wären ein "Attac-Mythos" mit Personenkult und allem drum und dran zu erschaffen. Mich persönlich würde eine solche Darstellung von attac eher distanzieren (wenn ich die Jungs und Mädels nicht persönlich kennen würde).
Kontrastprogramm mit Lerneffekt
Viele Menschen haben das Gefühl, dass die negativen Folgen der Globalisierung nicht länger im Sinne der Weltgemeinschaft sein können. Selbst diejenigen, die zu den "Gewinnern" gehören, ahnen, dass ihr kurzfristig gewonnener Wohlstand mittelfristig von einer Welt in Armut bedroht ist. Nur, was tun und wo ansetzen, wenn einem das notwendige Hintergrundwissen fehlt?
Während in den gängigen Medien die Globaliserung und ihre negativen Auswirkungen selten und dann meist plakativ beschrieben werden, findet der Leser eine gut recherchierte Bestandsaufnahme zu einer der populärsten Bewegungen für einen menschlicheren Weg hin zu einer globalen Wirschaftsordnung. Dabei wird attac vor allem programmatisch vorgestellt und die verfolgten Ansätze begründet. Auch dem durchschnittlich wirtschaftswissenschaftlich Gebildeten ermöglichen die Erläuterungen ein gutes Verständnis.
Gleichzeitig lernt man, wie anspruchsvoll es ist, eine internationale basis-demokratische Organisation zu verwalten.
Update der "Globalisierungsfalle"
Ein gelungenes „Update" des bereits 1996 - also vor Argentinienkrise und Einführung des Euro - erschienenen Sachbuches „Die Globalisierungsfalle"(vgl. die diesbezügliche Rezension).
Überzeugend werden zunächst in Teil 1 des Buches die Krisenszenarien Argentinien und Asien beschrieben. Als Verursacher bzw. „Verstärker" dieser Fehlentwicklungen wird die unverantwortliche Finanzierungspolitik des Internationalen Währungsfonds (IWF) ausgemacht.
Diese unter Dominanz der USA stehende Organisation wurde in den 40er Jahren ursprünglich zur Stabilisierung der Währungen gegründet, nahm aber seit den 80er Jahren durch Strukturanpassungsprogramme immer direkteren Einfluss auf die Wirtschaftspolitik der Entwicklungs- bzw. Schwellenländer, die auf Kredite des IWF oder der Schwesterinstitution Weltbank angewiesen sind.
Anstatt den Besonderheiten der jeweiligen Länder Rechnung zu tragen, wurde die Kreditvergabe schematisch unter der Auflage einer Deregulierung, der Privatisierung und strikten Haushaltspolitik abhängig gemacht.
Die bedingungslose Doktin des Neoliberalismus überforderte die Entwicklungsländer, führte zu einem hohen (nur für ausländische Kapitalanleger ineressanten) Zinsniveau und letztlich zur Rezession und wirtschaftlichem Kollaps.
Anschließende „Rettungsaktionen" des IWF bedienten letztlich die spekulativen Gläubiger/Kapitalanleger.
Etwas schwächer geraten ist der 2. Teil, der über die Geschichte und Ziele der 1998 in Frankreich gegründeten Organisation Attac berichtet.
Glanzpunkt des Buches sind die abschließenden Interviews : Das Vorstandsmitglied der Deutschen Bank Fischer weist zwar Forderungen nach einer Tobin-Steuer zurück, gesteht aber Fehlentwicklungen durch einen ungebremsten Neoliberalismus zu und sieht dringenden Handlungsbedarf bei der Demokratisierung des IWF. Das Spannungsverhältnis der Attac-Bewegung zu den Grünen beleuchtet Daniel Cohn-Bendit, während Susan George und Walden Bello die Positionen der Globalisierungskritiker wiedergeben.
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