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Aktueller den je
Das Werk bietet jedermann die Möglichkeit zu einem Abgleich zwischen dem, was vor Jahren von der Außenpolitik in Sachen Islam angenommen oder als einzige Wahrheit dargestellt wurde und dem, was heute davon übrig geblieben ist. Darüber hinaus offenbart es, wie sehr sich die deutsche Außenpolitik in Sachen Islam auch heute noch auf einem Irrweg befindet und wie schädlich es ist, wenn Entscheidungen in der Außenpolitik immer wieder von Ansichten und Zielen anderer Staaten abhängig gemacht werden. Weiterhin ist es ein Beleg für die Forderung, daß die Außenpolitik eines Staates berechenbar sein muss. Ständige Richtungswechsel, um anderen Partnern zu gefallen oder in den eigenen Reihen die Ruhe wieder herzustellen sind nun mal auf der Außenpolitischen Bühne ein Zeichen für Unzuverlässigkeit.
So liegt der Reiz dieses Buches eben in der Möglichkeit, zurückzuschauen und vergleichen zu können, ohne Gefahr zu laufen, sich über ein Thema zu informieren, das längst abgeschlossen ist. Dieses Buch ist heute aktueller als zum Zeitpunkt des Erscheinens und eröffnet jedem die Möglichkeit, sich zu dem Dauerbrenner Islamismus sachlich zu informieren.
Fehlende Struktur, kein "roter Faden"
Das neue Buch "Der Fluch des neuen Jahrtausends" von Peter Scholl-Latour kann leider nicht an die brillianten Vorgängerwerke des Autors anknüpfen. Zwar sind seine Berichte nach wie vor sachlich, profunde und recherchiert und lassen die routinierte und souveräne Kompetenz von Peter Scholl-Latour zur Erklärung geopolitischer und strategischer Entscheidungen im Weltgeschehen aufblitzen, jedoch fehlt dem Leser eine strukturierte "Ordnung", der oft zitierte "rote Faden", welcher einem durch das Buch führt. Daher halte ich diese "Berichtesammlung" nur für den eingefleischten Fan empfehlenswert.
>>der weisheit letzter schluß ..<<
... fehlt in diesem Buch irgendwie.
Wie immer man zu Scholl-Latour als Journalist und Schriftsteller stehen mag, wobei ich bemerken möchte, daß ich ihn wegen seiner gradlinigen und realistischen Analysen schon sehr mag - muß man auch sagen, daß die Ansammlung von kurzen, schlaglichtartigen Analysen sehr zusammengestoppelt wirkt. Es hat den Anschein, als wäre das Buch unmotiviert in der Auswahl und Anordnung der Kapitel.
Die Analysen mögen alle treffend beschrieben sein, doch fehlt immer der Weisheit letzter Schluß. Nun haben wir gelernt, daß die Akteure sich auf dem Balkan nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert haben, die Welt beim Völkermord in Afrika durch Desinteresse glänzte und die Konflikte im Nahen Osten durch eine Vielzahl von quertreibenden Bündnissen "am Leben gehalten werden", aber wo die Chancen liegen, es besser zu machen - das erfahren wir von Scholl-Latour nicht im Ansatz. Da ist die unfähige Uno, die zerstrittenen Europäer und die zögernde Supermacht U.S.A. Alle machen viel falsch und wenig richtig. Interessant wäre es als Leser wie mich zu erfahren, wie Scholl-Latour die Zukunftschancen bw. Alternativen in diesen Konfliktherden bewertet oder vielleicht erstmal beim Namen nennt.
Leider, leider beschränkt sich der Autor auf eine pessimistische Zustandsbeschreibung der Katastrophengebiete der Welt, die zudem noch mit heißer Nadel gestrickt zu sein scheint. Jedenfalls lassen die unwillkürlich und thematisch voneinander losgerissenenen Artikel diesen Eindruck entstehen.
Ich hoffe, die neuen Bücher sind wieder etwas besser, denn solche Schnellschüsse hätte eine Koryphäe wie Scholl-Latour sicher nicht nötig.
3 Sterne.
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