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Staatsfeind und Pazifist
Ich habe lange auf die Seite von Mises.org unterschiedlichen Standpunkte zur Libertäre Philosophie überdacht, bevor ich mich entschieden habe Hoppes Buch auf Deutsch wegen sein Rufs zu lesen (den gibt es zwar auch auf English, aber das ist auch nicht meine Muttersprache). Der Stil ist bemerkenswert und Äußerst präzise. Hoppe ist ein Philosoph. Ihm interessieren hauptsächlich ethischen Fragen.
Das Buch erklärt wie die Essenz der Menschlichkeit nach der Abschaffung vom Staat verlangt. Es ist völliger Unsinn ihm dann ausgerechnet als Faschist zu bezeichnen oder ihn vorzuwerfen die Frage der Macht des Stärkeren über den Schwächeren zu übersehen. Darum geht es ja gerade in ethischen Fragen.
Hoppes Kernaussage heißt: die menschliche Ethik würde mit einem anderen System des Zusammenlebens als das der Demokratie viel besser fahren. Dieses andere System wird beschrieben so weit und realistisch dass man eigentlich schon bewaffnet fürs (pazifistische) Kampf ist wenn man das Buch gelesen hat.
Mich hat er jedenfalls überzeugt, als würdiger Schüler von den Herren von Mises und Rothbard.
Die Tatsache, dass die belgische Rechtspartei Vlaams Belang Herrn Hoppe mal einlud um einen Vortrag zu halten will auch nichts über seine politische Haltung sagen, wie er ausdrücklich betonte. Er nahm die Einladung einfach an weil die belgische Partei sich als sezessionistisch gibt. Als Belgier aber nicht Flame, stimme ich ja den VB hier auch zu, obwohl ich die Idee der große Flämische Staatsmacht tatsächlich für grauenhaft halte: Belgien ist nun mal eine missglückte Zusammensetzung von sehr würdigen Kulturkreisen, die als Kleinstaaten alle drei deren eigenen weg lieber gehen sollten! Das Hoppe mit seinem Standpunkt den Leiden der Belgier ausgerechnet anspricht schadet auch nicht.
Grauenhaft!
Die tiefe Gedankenlosigkeit über die philosophischen und ethischen Grundlagen des menschlichen Zusammenlebens in diesem Werk ist erschreckend. Dass nach einem Satz Spinozas im Naturzustand jeder soviel Recht hat, wie er Macht hat, wird vom Autor in seiner Konsequenz vollkommen ignoriert. Die Folge ist eine Art Kapitalismus-Religion mit stark faschistoiden Zügen.
Anarchokapitalismus anstatt Demokratie?
Hoppe, der Volkswirtschaft an der Universität von Nevada lehrt, zeigt in seinem Werk auf, dass der Übergang von der Monarchie zur Demokratie kein Fortschritt, sondern ein Rückschritt war. Im Gegensatz zur herrschenden Meinung sieht Hoppe sehr wohl eine Alternative zur Demokratie. In seinen Augen begünstigt Demokratie Kurzsichtigkeit, Kapitalverschwendung, Verantwortungslosigkeit, moralischen Relativismus und Entzivilisierung und fördert zudem Egalitarismus, Umverteilung, Demagogentum und Rechtsunsicherheit. Desweiteren führe Demokratie zu einem dramatischen Anwachsen der Staatsmacht.
Anders als die meisten Vertreter der österreichischen Schule will er den Staat nicht auf ein Minimum begrenzen, sondern mithilfe von Sezession ganz abschaffen. Als Alternative kommt für ihn der sogenannte "Anarchokapitalismus" oder eine natürliche Ordnung in Frage. Die Aufgaben der Polizei - also Sicherheit und Schutz - sollen laut Hoppe Versicherungen übernehmen, die freiwillig zahlende Bürger sowohl für an ihnen begangenen Verbrechen entschädigen, als auch Kriminelle bekömpfen.
Das Buch ist in 13 Kapitel gegliedert, in denen unter anderem folgende Themen behandelt werden, bevor Hoppe zum Schluss des Buches seine Vorstellung der natürlichen Ordnung darlegt:
- Zeitpräferenz
- Monarchie und Demokratie
- Zentralisierung und Sezession
- freie Einwanderung und erzwungene Integration
- Konservatismus und Libertarismus
Hoppes Idee von einer natürlichen Ordnung halte ich persönlich für gut, die Frage ist nur, wie realistisch es ist, eine natürliche Ordnung zu etablieren. Dieses problem wird meiner Meinung nachzu kurz behandelt. Auch fehlt mir die Auseinandersetzung mit Problemen, die in solch einem System auftreten könnten, was zu einem Punktabzug führt. Positiv finde ich die vielen Verweise zu anderen sehr interessanten Büchern in den Fußnoten, wobei die Fußnoten selbst manchmal 2-3 Seiten lang sich, was einem manchmal Schwierigkeiten bereitet, im eigentlichen text den Faden wieder zu finden. Insgesamt jedoch finde ich das Buch für unbedingt lesenswert und empfehle es jedem - und das dürften einige sein -, der mit der momentanen politischen Klasse und dem politischen System unzufrieden sind.
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