Customer Review:
Mir ist kein besseres Nachschlagewerk für politische Systeme bekannt
Das Buch von Wolfgang Ismayr ist gewiss keines das man sich vor dem Einschlafen mit auf den Nachttisch legt. Wer jedoch fundierte und detaillierte Analyse der politischen Systeme Westeuropas benötigt, wird um dieses Wer nicht herum kommen. Vom Regierungssystem über das Wahlrecht bis hin zu Medien und Interessenverbänden werden alle für den politischen Prozess relevanten Elemente unter die Lupe genommen. Der Vorteil besteht vor allem im relativ analogen Aufbau der einzelnen Artikel (alle samt von den jeweils führenden Kapazitäten ihres Faches verfasst), was gerade dem Vergleichsaspekt zugute kommt.
Ein angenehmer Bonus ist der Artikel zum politischen System der EU. Dagegen fehlt mir (trotz des Titels) ein wenig eine Abhandlung über die USA, da hiermit (zusammen mit dem zweiten Band zu Osteuropa) eigentlich alle für ein Studium der Politikwissenschaft relevanten Staaten abgedeckt wären. Somit bleibt festzustellen, dass an diesem Basiswerk für den an der Teilsdisziplin Vergleichende Systemforschung interessierten Studierenden kein Weg vorbei führt. Andererseits füllen den Platz natürlich auch weniger häufig gebrauchte Systeme (Malta, Portugal, Island usw.), was die Frage aufwirft, ob es nicht sinnvoller ist sich die wenigen benötigten Kapitel anderwaltig situationsabhängig zu beschaffen.
Sehr gute vergleichende Einführung
Wer einen Überblick über die wichtigsten politischen Systeme in Westeuropa bekommen möchte, ist mit diesem Werk sehr gut bedient. Die in Westeuropa existierenden parlamentarischen und parlamentarisch-präsidiellen ("semi-präsidiable")Verfassungen werden ausführlich in Einzelbeiträgen erläutert. Die - umstrittene - Frage, inwieweit sich diese beiden Termini unterscheiden, werden im einführenden Beitrag des Herausgebers (mir liegt die 2. Auflage von 1999 vor) nicht entschieden, obwohl der Herausgeber angesichts der nach dem Fall des Kommunismus neu entstandenen Regierungssysteme Osteuropas (dem er einen eigenen Band gewidmet hat)den Begriff "parlamentarisch-präsidiell" für sinnvoller erachtet. Ich kenne kein Werk, in welchem die Regierungssysteme derart genau untersucht worden sind. Es zeigt sich, wie wichtig die Methodik des Vergleichs in der Analyse politischer Systeme und Verfassungen geworden ist. Mir ist jedoch noch ein anderer Aspekt wichtig, den der Herausgeber wünschenswerterweise gut herausarbeitet. Wichtig ist nicht so sehr der Verfassungstext, sondern die entwickelte Verfassungspraxis. So haben Staatsoberhäupter in semi-präsidiellen Systemen häufig eine stärkere oder auch erheblich schwächere Stellung als in formell präsidiellen Systemen. So hat dem Verfassungstext nach der französische Präsident geringere Kompetenzen als das Staatsoberhaupt in manchen der Verfassungspraxis nach eindeutig parlamentarischen Systemen. Untersucht werden im einführenden Vortrag, aber auch in den einzelnen Länderbeiträgen jeweils die Entstehungsbedingungen der Verfassungen, die Rolle von STaatsoberhaupt, Regierung und Parlament, der Gesetzgebungsprozess, das Parteiensystem. Aber auch die Rolle der Massenmedien, politische Kultur und -partizipation, das Rechtssystem (insbesondere die Verfassungsgerichtsbarkeit), auch die Regional- und Kommunalpolitik werden unterscucht.
Meines Erachtens bis heute der beste Überblick zu dem Thema.
Standardwerk für die politische Systemforschung
Wolfgang Ismayer ist Professor für Politikwissenschaft in Dresden und eine Kapazität auf dem Gebiet der vergleichenden Systemforschung. Dieses Buch gehört zweifellos zu den grundlegenden Werken für diesen Bereich. Ausführlich und fundiert werden die Strukturmerkmale aller westeuropäischen politischen Systeme dargestellt und beschrieben. Es eignet sich für jeden politikwissenschaftlich interessierten Leser. Für Studenten ist die Kenntnis dieses Buches allerdings besonders wichtig und nützlich. In kaum einem anderen Buch wird das grundlegende und erweiterte Wissen über die westeuropäischen Systeme so gut dargestellt. Man kann nicht nur Kenntnisse über die einzelnen Staaten erwerben, mindestens genauso wichtig für das Studium sind die Analyseschamata die man bei der Lektüre verinnerlicht. Es eignet sich durch seinen Aufbau ebenso zum interessierten Lesen wie zum Nachschlagen. Auf jeden Fall ist es eine lohnende Anschaffung und eine Bereicherung für die persönliche Bibliothek. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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