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Empirisch-analytisches Standardwerk
Die "Demokratietheorien" sind aus der Perspektive eines Anhängers der empirisch-analytischen Schule der Politikwissenschaften verfasst. Beim Lesen des informativen Bandes wird das mit jeder Seite umso klarer: In den ersten beiden Kapiteln wendet sich Schmidt klassischen und modernen Theoretikern der politischen Philosophie zu. Seine dort angebotene Kurzdarstellung erweist sich als zwiespältig: Zwar informiert er holzschnittartig über die einzelnen Autoren, was gerade für den unerfahrenen Leser von Vorteil ist; jedoch seine zum Teil überhebliche, faktisch und argumentativ zweifelhafte Art und Weise, diese Theorien im Nachhinein, man möchte fast sagen, vom hohen Ross der historischen Distanz und des Erkenntniszuwachses zu "verunglimpfen" und mit Prädikaten wie "wenig bis gar nicht brauchbar" zu versehen, erachte ich als wenig hilfreich und überzogen populär. Schmidts vergleichender Aspekt ist äußerst interessant, dennoch sollte man auch in diesem Themenkomplex Sachlichkeit bewahren und komplexe Theoriegebilde aus ihrem historischen Kontext erläutern, auch und gerade wenn diese unter heutigen Gesichtspunkten deutlich unterschiedliche Perspektiven bereithalten. Leider lässt Manfred G. Schmidt diese Sachlichkeit gelegentlich in den ersten beiden Kapiteln deutlich vermissen: Zeitweise neigt er zur mehr oder minder groben, fast plakativen Verkürzung und Schematisierung von theoretischen Ansätzen. Anfügen könnte man noch, dass einige wichtigen Theoretiker, wahrscheinlich aufgrund ihrer geringen "Ergebigkeit" (Schmidt) für die (moderne) Demokratieforschung, glattweg unter den Tisch fallen: Vergebens sucht man beispielsweise politische Theoretiker des sogenannten "Mittelalters". Für einen groben Überblick mag dies vielleicht ausreichen, fundiert und umfassend informiert fühlt man sich dabei jedoch nicht: Hier lohnt ein Rückgriff auf andere Werke der politischen Philosophie.
Deutlich stärker wird das Buch im dritten und vierten Kapitel, das sich ausschließlich empirischen Theorien widmet. Gängige, hochaktuelle Theoreme der vergleichenden Regierungs- bzw. Demokratieforschung werden sachkundig und auf dem neuesten Stand skizziert - gerade die beiden letzten Teile lassen das Buch berechtigterweise zum Standardwerk werden.
Insgesamt ist zum Buch zu sagen, dass die beigefügten Tabellen in den zwei letzten Abschnitten den Einstieg in dieses theoretische "Minenfeld" spürbar erleichtern. Schmidt bemüht sich um eine ebenso für den Laien verständliche Sprache, auch wenn dies (gerade bei den Klassikern) fast schon wie "Denkmalschändung" anmutet - der weniger sprachpuristische Leser wird hingegen seine Freude haben. Mithin deutlich kursorischer wird Schmidt im empirisch-analytischen Teil: Hier sollten durchaus Grundkenntnisse sozialwissenschaftlicher Methodik vorhanden sein, um das Verständnis zu erleichtern.
Von der konkreten Gestaltung und Anordnung her ist zu bemängeln, dass Schmidt abschnittsweise selbst jenes vorzuwerfen ist, was er bei Max Weber kritisiert: Er führt den Leser teilweise wirklich durch ein "Labyrinth" an Fakten, Informationen und Details. Mit der Zeit neigt Schmidt allerdings zu ständigen Wiederholungen, die zeitweise nur mehr verwirren als aufklären. Doch muss man dem entgegenhalten, dass die Texte insgesamt, sieht man von manchen bloßen Detailanhäufungen ab, recht klar strukturiert sind und sich daher gut zur "lernenden Lektüre" eignen.
Summa summarum ist die Materialfülle dieses Buches beachtlich: Nicht nur jede Menge statistisches Material, sondern auch ein umfassendes, hochaktuelles Literaturverzeichnis fallen dabei gewissermaßen "nebenbei" ab: Dank neuester Literatur werden engagierte Leser das durchaus zu würdigen wissen.
Gerade was empirisch-analytische Politikforschung anbelangt ist
Schmidts Buch insgesamt ein Muss für jeden Studenten der Politikwissenschaften - aber auch eine empfehlenswerte Lektüre für den an (analytischen) Demokratiefragen interessierten, jedoch mit einigem Vorwissen ausgestatteten, "Laien"-leser.
Universal-Handbuch zu Demokratievarianten
Diese Buch eignet sich hervorrangend, um Unterschiede zwischen einzelnen Demokratietypen schnell und leicht verständlich aufzuzeigen. Die Operationalisierung einzelner Unterpunkte halte ich für sehr gelungen, gerade im Hinblick auf die zugrunde liegende Literatur des Arend Lijphart.
Brauchbare Einstiegslektüre
Die ersten beiden Teile, in denen klassische und moderne Demokratietheorien dargestellt werden, sind eine kurze erste Einführung in das Thema Demokratietheorie, die sich locker leicht als Bettlektüre lesen läßt, mehr aber nicht. Die einzelnen Kapitel erscheinen wenig strukturiert und systematisch. Es war wohl ein Gebot der Kürze, daß über manche schwierige Punkte salopp und undifferenziert hinweggegangen wird, so daß der in politischer Theorie schon bewanderte Leser damit nicht zufriedenzustellen sein dürfte. Für den Anfänger allerdings bieten die ersten beiden Teile einen verständlichen Einstieg ins Thema und dank der ausführlichen Literaturangaben auch einen Anknüpfungspunkt für das weitere Selbststudium.
Das wesentliche Verdienst des Buches, das es für den Studenten der Politikwissenschaft zur Pflichtlektüre werden läßt, ist der dritte Teil. Hier wird das theoretische Rüstzeug vermittelt, das insbesondere für den empirischen Demokratievergleich unabdingbar ist. Die wichtigsten politikwissenschaftlichen Konzepte zur Beschreibung, Einordnung und allgemeinen Erforschung von Demokratien und vor allem für deren Vergleich werden verständlich erläutert, wobei allerdings manchmal statistische Grundkenntnisse vorausgesetzt werden. Wer sich kompakt über den Stand der modernen Politikwissenschaft in puncto Demokratieforschung und -vergleich informieren möchte, wird hier fündig werden - dieses Buch ist also keineswegs nur etwas für Theoretiker, wie der Titel vielleicht manchem suggeriert. Kritisch anzumerken ist allerdings, daß auch den letzten beiden Teilen etwas mehr Systematik und Ordnung gut zu Gesicht gestanden hätte. Vor allem zahlreiche Wiederholungen und öfteres Hin- und Herspringen lassen manchmal den Eindruck eines zusammengewürfelten Konglomerats entstehen.
Fazit: Ein Werk, das vor allem als Überblicks- und Einstiegslektüre zu empfehlen ist und zum Pflichtkanon des Studenten der Politikwissenschaft gehören sollte.
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