Schwarzbuch Globalisierung

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Schwarzbuch Globalisierung


Authors: Jerry Mander, Edward Goldsmith
Catalog: Book
Media: Broschiert
Release Date: März 2004
Publisher: Goldmann
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Customer Review:
"Unternehmen sind Maschinen"
Das einzig Schlechte an dem Buch ist sein deutscher Titel, da er eine irreführende Erwartungshaltung auslöst, die nichts mit der Qualität und der Vielfalt der Artikel gemein hat. Dies ist vielmehr eine bemerkenswerte Ansammlung von Fakten und Gedanken, die einen nicht unberührt lassen können. Es geht um Zentralisierung und Deregulierung, die prätentiöse „Freiheit" privater Herrschaftsapparate (die Unternehmen), einen absurden, desaströsen Wirtschaftskreislauf, das Aufkommen einer zivilisatorischen Monokultur parallel zum Anschwellen der globalen Armut und die gnadenlose Zerstörung der Natur. Und um Formen des Widerstands und alternative Konzepte.
Was das Fortschreiten der Globalisierunng anbetrifft, wird man das Gefühl nicht los, es in der Tat mit einer „De-Facto-Verschwörung" zu tun zu haben, die sich gegen alles richtet, was das Leben wertvoll macht; was deren letzten Ursachen sind, kann das Buch allerdings nicht klären - doch wird man durch seine Lektüre immerhin dazu angehalten, auch einmal darüber nachzudenken.
Besonders beeindruckend fand ich die Essais von Jerry Mander. Zum einen stellt er fest, dass Technologien ernste, eben „nicht immer" vorteilhafte sozial-politische und ökologisch-kulturelle Konsequenzen nach sich ziehen. Es ist darum ein absolut plausibler und revolutionärer Gedanke, dass die Einführung einer jeder Erfindung einer erschöpfenden Analyse bedarf und von einem demokratischen Votum abhängig sein muss. Die von Profitstreben und szientistischer Engstirnigkeit geprägte Haltung der technokratisch-kapitalistischen Eliten, die diese Entscheidungen bislang immer im Alleingang getroffen haben, hat ein furchtbar belastendes und gefährliches Erbe hinterlassen, was nicht nur der noch hunderttausende Jahre abstrahlende Atommüll beweist.
Der zweite Essay untersucht das „Wesen" von Unternehmen, seine quasi lebensfeindliche Funktion, auf deren Erfüllung ihre führenden Mitglieder allein ausgerichtet sind. Mander legt die physische und ethische „Übermenschlichkeit" ihrer Struktur zutage und offenbart dabei die immanent logische Gnadenlosigkeit der Profitmaxime, die darauf hinausläuft alles Leben zu manipulieren, zu quantifizieren und zu verwerten. Das ist eine fatale totalitäre Ideologie; wenn man es genau nimmt, ist das nichts weiter als Faschismus - nur ohne Uniformen und Fahnen, aber mit genau solch anmaßender Indoktrinierung mithilfe von Werbung und der gewalttätigen Förderung eines übertrieben materialistischen und beschleunigten Lebensstils, der kultureller und ökologischer Vielfalt feindlich gegenübersteht.
Es gäbe noch einiges über die zahlreichen vielfältigen Essais all der hervorragenden Autoren zu sagen; allein die o.g. Beispiele sollen aufzeigen, um was für ein "gewinnbringendes" Buch es sich handelt.
Konzentration der Macht in wenigen Händen
Das Buch beschreibt in mehreren Artikeln verschiedener Autoren die Auswirkungen der Globalisierung. Das Buch ist wie auch der Titel schon sagt sehr einseitig. Wer jedoch genauer hinsieht, kann die Verschwendung, die anhand einzelner Beispiele veranschaulicht wird, einfach nicht gutheißen. Beispiel: Zahnstocher in Japan hergestellt (Bäume aus Indonesien) werden in den USA verkauft - ein Transportschwachsinn!, wenn gleichzeitig in den USA Eßstäbchen für Japan produziert werden. Dies kann nur passieren indem die wahren Kosten (Transport, Verpackung) extrem subventioniert werden, d.h. auf die Allgemeinheit abwälzt werden. Stark wird dies insbesondere an den globalen (transnationalen) Konzernen deutlich.
Dieses Buch möchte den Irrwitz und die hohen Kosten der heutigen Globalisierung aufzeigen. Man darf jedoch kein wissenschaftliches Buch erwarten, dass mit exakten Zahlen und über Jahre hinweg gewonnene Statistiken aufwartet, nein, viel mehr erwartet den Leser ein Überblick über die Probleme der Globalisierung und zeigt Ausweichmöglichkeiten auf (Stichwort: Lokalisierung).
Die Lokalisierung schließt keinesfalls globales Herstellungsmethoden, globales Denken und Handeln aus - doch sollte dies sinnvoll und zu vernünftigen Kosten (nicht Geld, Kosten für die Umwelt) gemacht werden.
Beispiel: Mein Metzger holt sein Schwein vom Bauernhof in der lokalen Nähe, er schlachtet, zerlegt und wurstet und ich bekomme die Wurst frisch auf den Tisch. Das war jetzt lokal. Natürlich kann es billiger sein, wenn das Schwein nach Spanien transportiert wird, dort zerlegt, das Fleisch nach Tschechien transportiert, dort zu Wurst verarbeitet (+ Konservierungsstoffe) und verpackt wird, dort in die Zentrallager transportiert wird und dort wiederum in die Frischwursttheke im Supermarkt in der nächsten Stadt. Die Kosten für die Strassen, Polizei, Zollbehörde, Lebensmittelüberwachung, Ausbildung der Lebenmittelkontrolleure, Tierärzte zur Überwachung, etc. trägt komplett die Allgemeinheit. Die weiteren Kosten der Umweltverschmutzung, Ölverbrauch (Transport, Verpackung), Klimaveränderung, Müllberge, etc. trägt die Allgemeinheit. Dies zu quantifizieren ist schwierig, die freien Marktkräfte die nur in Geld rechnen, ziehen diese Betrachtungen nicht mit ein.
Denken Sie mal nach! Das Buch hilft.
Sehr ausführlich, aber einseitig
Darf man unser Wirtschaftssystem kritisieren ohne Volkswirtschaft studiert zu haben?

So mancher mag sich jetzt denken, dass hier der arrogante Wirtschaftswissenschaftler spricht, der selbstverliebt in seine statistischen Modellen dieses Recht absprechen möchte. Dies möchte ich aber gar nicht: die Autoren dürfen sehr wohl kritisieren, was ich mir aber sehr wohl wünschen darf, wäre eine wissenschaftlichere Vorgangsweise. Darunter verstehe ich einige wichtige Grundsätze:
1) Stelle niemals eine Behauptung als Fakt dar
2) Verallgemeinere niemals einzelne Ereignisse

Für ein Buch, dass in Anspruch nimmt, ein umfassendes Werk zur Globalisierung darzustellen, ist dies sehr wohl ein Muss. Nachdem dies aber nicht gemacht wird, bekommt das Buch auch nur zwei Sterne.

Dazu ein Beispiel: In mehreren Kapitel wird über Monsantano berichtet, ein Chemieunternehmen, dass für ein schweres Chemieunglück verantwortlich war und das auch Genprodukte herstellt. Die Fakten über diese Firmen werden schon stimmen und dies möchte ich auch gar nicht bestreiten. Was ich aber sehr wohl bestreite ist, dass die Globalisierung der Grund dafür ist. So hat es auch im Kommunismus Chemieunfälle gegeben und nachdem wir halt nur Menschen sind wird es immer Unfälle geben. Die Frage wäre vielmehr: gibt es heute mehr Chemieunfälle als vor vierzig Jahren, wie die Globalisierung noch nicht zu stark ausgeprägt war?

Kurz und gut, was ich mir gewünschen hätte, wären Tendenzaussagen. Nachdem es ein Buch für die breite Masse ist, eben nicht durch statistische Methoden, sondern ganz einfach beschrieben. So ist es z.B. eine Behauptung, dass Konzerne heute eine größere Macht haben als früher. Dies könnte man durch die einfache Aussage, dass Konzerne vor dreissig Jahren x% der Wirtschaftsleistung, y% der Arbeitnehmer usw. hatte und es heute viel mehr ist. Dies ist wohl für jeden verständlich und erst für die Wirtschaftswissenschaftler wären dann die Feinheiten, wie z.B. die Definition von Arbeitnehmern, interessant.

Ein anderes Beispiel sind die mehrfach vorkommenden Kritikpunkte an der WTO, aber um dies hier klar und deutlich darzustellen: die WTO hat KEINE Exekutivbefugnisse und hat auch KEINERLEI Sanktionsmöglichkeiten gegen einzelne Staaten. Daher kann die WTO auch keine Verträge abschliessen (sehr wohl kann aber die USA oder die EU mit Hilfe der WTO Druck auf andere Staaten machen). Die WTO ist ein Diskutierklub, wo die Staaten zusammenkommen um Verträge untereinander abzuschliessen, die dann für alle Staaten gültig sind (und in der jeder Staat ein Veto-Recht hat). Damit hat es die gleiche Macht wie die UNO, wo die USA auch im Alleingang den Angriff auf Irak beschliessen konnte. Zur mangelnden demokratischen Legitimation: nachdem die Verträge durch Vertreter der einzelnen Staaten abgeschlossen werden, ist die WTO genausoviel demokratisch legitimiert, wie es diese Vertreter sind (die vom jeweiligen Parlament zur Führung dieser Verhandlungen beauftragt wurden und diesem rechenschaftspflichtig ist). Und nachdem es in der WTO keinen Sicherheitsrat gibt, ist die WTO sogar noch ein kleines Stückchen demokratischer als die UNO.

Auch kann man manches anderes interpretieren: So z.B. die Hollywood-Industrie. Aus Sicht der Autoren ist dies ein Fehler der Globalisierung und führt dazu, dass lokale Kulturen zerstört werden. Daher muss es verhindert werden. Nur warum darf ich mir nicht Matrix und Herr der Ringe ansehen, nur weil ich nicht im Land wohne, wo diese Filme gedreht wurden? Und kein Konzern zwingt mich dazu, ich mache dies freiwillig. Genausso wie ich mir freiwillig und gerne mal Indien, Muttertag oder einen anderen österreichischen Film ansehe. Ich als Konsument entscheide über die Macht der Konzerne und wenn Shell eine Förderplattform in der Nordsee versenken möchte, dann gibt es noch andere Tankstellen (und irgendwann wird der Konzern merken, dass sich moralisches Verhalten sehr wohl auch in hartem Geld rentiert).

Daher bin ich mit dem Lösungskonzept auch nicht vereinstanden: Lokalisierung. Stattdessen ist beides notwendig: die großen Konzerne und die kleinen Betriebe (und meinem Friseur werde ich auf ewig treu bleiben, genauso wie ich die Massenproduktion der Intel-Chips geniesse). Nur dazu ist kein anderes Wirtschaftssystem notwendig, sondern Eigenverantwortung durch jeden einzelnen Konsumenten und insbesondere auch deren Rücksichtnahme (und wenn dadurch der Fair Trade-Kaffee halt einige Cent teurer ist, aber solange die Konsumenten nur alles so billig wie möglichst haben möchten, wird es auch Unternehmen geben, die solche Preise durch die Ausbeutung der Arbeitnehmer erzielen). Diese Eigenverantwortung kann aber nur durch Informationen und Wissen gewährleistet werden. Dazu mag dieses Buch schon seinen Beitrag leisten.

Zwar würde es noch mehr solcher Beispiele geben, die man eben aus unterschiedlichen Blickwinkel betrachten kann, aber es sollte klar genug sein, wo die Probleme liegen. Trotzdem ist es ein empfehlenswertes Buch, aber nur für diejenigen, die sich ernsthaft mit der Globalisierung auseinandersetzen möchten. Für Befürworter der Globalisierung um sich die Argumente der Kritiker anzuhören. Kritiker werden sich nach dem Lesen in ihrer Meinung bestätigt fühlen, aber vielleicht denken sie aufgrund dieser Rezension nach, dass es auch noch andere genauso richtige Meinungen gibt. Daher sollten sie sich danach verpflichtet fühlen sich die Gegenseite auch anzuhören. Dafür empfehle ich z.B. Krugman, Schatten der Globalisierung von Stiglitz, irgendein Standard-Lehrwerk zur Makroökonomie und zur Entwicklungsökonomie (besonders hinsichtlich der komparativen Vorteile), ein Economist-Abo und etwas anspruchsvoller die Bücher von Hernando de Soto und Jagdish N. Bhagwati (Free Trade Today). Auf jeden Fall ein Must ist auch das Buch Ökonomie für den Menschen vom Wirtschafts-Nobelpreisträger Sen.

Books:

  1. Die Frau ist nicht der Rede wert. Aufsätze, Reden und Glossen.
  2. Mein Tagebuch 1998 - 2000
  3. Was ist was?, Bd.14, Versunkene Städte
  4. NSA. Die Anatomie des mächtigsten Geheimdienstes der Welt.
  5. Weites Land. Russische Erfahrungen. Russische Perspektiven.
  6. Mythos Liebe
  7. Kanak Sprak. 24 Mißtöne vom Rande der Gesellschaft.
  8. Die neuen Kreuzzüge. Die arabische Welt und die Zukunft des Westens
  9. Weg vom Leben
  10. Die Nervenprobe

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