Die postnationale Konstellation. Politische Essays

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Die postnationale Konstellation. Politische Essays


Authors: Jürgen Habermas
Catalog: Book
Media: Broschiert
Release Date: Oktober 1998
Publisher: Suhrkamp
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Kategorien - Fachbücher
Kategorien - Belletristik - Essays & Reportagen
Kategorien - Politik & Geschichte - Bekannte Autoren - Habermas, Jürgen
Subjects - Reference - Words & Language - Reading Skills
Subjects - Nonfiction - Foreign Language Nonfiction - German

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Wege aus der Globalisierungsfalle
In dieser Essaysammlung aus dem Jahr 1998 beschäftigt sich Habermas mit der Frage, wie eine den Bedingungen der "postnationalen Konstellation" angepasste Demokratie künftig aussehen könnte und zu gestalten wäre. Habermas beobachtet eine Umkehr der Allianzen zwischen "zufriedenen Markteuropäern" und national orientierten "Euroskeptikern", welche an einem status quo festhalten, der einer entfesselten Globalwirtschaft einen eklatanten Mangel an demokratischer Legitimation gegenüberstellt. Durch das weitgehende Fehlen global wirksamer Institutionen, welche gegenüber dem schrankenlosen Kapitalverkehr soziale und ökologische Standards wirksam einfordern, so Habermas, rekultiviert sich ein neuer Fatalismus, welcher die Einteilung der Gesellschaft in "Leistungsträger" und "Versager" als naturgesetzlich annimmt.

Diesen politikwissenschaftlichen Gedanken wird eine historische Replik zum Seinsverständnis der deutschen Nation im Vormärz vorangestellt. Auf einer Tagung im Jahre 1846 wurden von bekannten Juristen, Philologen und Historikern (welche damals alle noch unter "Germanisten" liefen) Kriterien erörtert, welche als einigende Momente zur Konstitution einer deutschen Nation mobilisiert werden konnten. Die Teilnehmer, unter ihnen Mitglieder der Göttinger Sieben und spätere Paulskirchenabgeordnete ( u. a. Dahlmann, Gebrüder Grimm, Gervinus), stiessen schon bald an ihre Grenzen: Weder abstrakte Kriterien wie "gemeinsame Kultur", noch "Sprache" konnten schließlich realpolitisch umgesetzt werden.

Dem Selbstverständnis der "postnationalen Konstellation" in einem vereinigten Europa entspräche eine demokratische Legitimation durch allgemeine Menschenrechte. Gedanken an eine "Weltverfassung" oder zumindest einer Europäischen Verfassung klingen hier an. Die Realität gibt Habermas hier Recht: Der Europäische Verfassungskonvent unter Vorsitz von Giscard d'Estaing arbeitet an einem solchen historischen Projekt.

Dem Selbstverständnis der Moderne (oder Postmoderne, je nach Ansicht) entspricht auch ein "Begriff der Autonomie" des Individuums. Dieses stellt Habermas in dem Abschnitt "Zwei Konzeptionen der Moderne" heraus: Das erste Konzept beschreibt die postmodernistische Umformung der vernunftzentrierten Moderne, welche sich selbst ad absurdum geführt hat. Die von der Kritischen Theorie beklagte "instrumentelle Vernunft" hat hier die verübergehend linear aufklärerische ratio zum neuen Herrschaftsinstrument degradiert. Während nun Postmodernisten das Konzept der Moderne darauf hin aufgegeben haben, erklärt die Kritische Theorie seine Wiedersprüchlichkeiten aus der anhaltenden Konfrontation der "Kreisprozesse von System und Lebenswelt". Hier sind wir bei originär habermas'scher Sprache angelangt, welche an Adorno anknüpft: Solange der Dualismus von System und Lebenswelt besteht, und private sowie öffentliche Räume von Tauschbeziehungen und Bürokratie beherrscht sind, wird sich die dialektische, neue Herrschaftsstrukturen ständig reproduzierende Aufklärung immer wieder neu wiedersprechen und damit auch das Konzept der Moderne unschlüssig machen. In der Sprache der Kritischen Theorie ist dies der "intersubjektivistische Ansatz".

Besteht in dem Ideal eines grenzenlosen Universalismus und einer uneingeschränkten Autonomie des Individuums ein Konstituens einer künftigen Weltgesellschaft, so ergeben sich aus der potentiellen Möglichkeit des Klonens von Menschen neue Wiedersprüchlichkeiten, welche Habermas in drei Repliken als Argumente gegen das Klonen anbringt, und damit diesen Band enden lässt. Wesentlich ist hier das sklavische Verhältnis des Klons zu seinem Erzeuger, welcher ihm seine Autonomie schon vor seiner "Entstehung" nimmt.

Books:

  1. Schwarzbuch Globalisierung
  2. Die Frau ist nicht der Rede wert. Aufsätze, Reden und Glossen.
  3. Mein Tagebuch 1998 - 2000
  4. Was ist was?, Bd.14, Versunkene Städte
  5. NSA. Die Anatomie des mächtigsten Geheimdienstes der Welt.
  6. Weites Land. Russische Erfahrungen. Russische Perspektiven.
  7. Mythos Liebe
  8. Kanak Sprak. 24 Mißtöne vom Rande der Gesellschaft.
  9. Die neuen Kreuzzüge. Die arabische Welt und die Zukunft des Westens
  10. Weg vom Leben

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