Der starke Grund, zusammen zu sein. Erinnerungen an die Erfindung des Volkes.

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Der starke Grund, zusammen zu sein. Erinnerungen an die Erfindung des Volkes.


Authors: Peter Sloterdijk
Catalog: Book
Media: Broschiert
Release Date: Januar 1998
Publisher: Suhrkamp
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Suche nach dem verlorenen Grund
Entgrenzung und Globalisierung können nur entstehen, wenn Feindbilder schmelzen. Feindbilder sind zu Beginn der neunziger relativiert mit der Konsequenz, dass die Kraft der Konsensbildung durch Feinbilder ebenso schmolz. Was nun macht eine Nation und deren Zusammengehörigkeit aus? Kurz und bündig, auf 50 Seiten, geht P.Sl. diesem nach. Auf der Suche nach dem verlorenen Grund kommt P.S. auf zwei Dinge, einmal auf die „Rede an die deutsche Nation" des J.G Fichte 1806 in Berlin gehalten und zwar als a priori Rede vor der Bildung einer Nation. Und weiter zu einem Datum, dem 9.November. Fichte sieht die Identität und Klarheit des Einzelnen als stabilisierenden Faktor der Gemeinschaft. Er schreibt in einer Geist und Herz ansprechenden Weise, die selbst heute - trimmt man die Sprache auf Neudeutsch - aktueller nicht sein kann. Dann: beginnend 1923 bis hin zu 1989, als „ein Volk durch die Wand ging" beschreibt P.S. Zusammenhänge deutscher Historie im Guten wie im Schlechten, immer über den 9. 11. Alles in eloquenter Zusammenführung und einer Kraft, die den Schmerz der Wortbildung nahezu heraushören lässt. P.Sl. kommt zur Welt durch Sprache und es scheint, dass dieses Geburtserlebnis immer wieder neu entstehen muss. Als aufgeklärter Mensch geht er hier über die Landesgrenzen an die Grenze der Aufklärung, bis zu Napoleon, der am 18. Brumaire in der Zeitrechnung der fr. Revolution den „Roman der Revolution" für beendet erklärt. Nun ist dieses Datum nichts anderes als ein 9. November (1799), und damit Bestandteil einer Argumentation zur Hinführung aller Gründe des Zusammen sein. Dieses Zusammen sein ist „psycho-akustischer" Art und damit ist Sprache ein Teil des Grundes. Aber es sind auch die Gründe darin verborgen, die alles, was man gemeinsam an verschiedenen Orten tun kann, wieder an mentaler und sinnlicher Übereinstimmung erzeugen können. Wenn Sprache dazu gehört, dann sicherlich auch die Literatur. Und hier muss man P.Sl. Schwäche testieren. Lyrik als eine Form des mit Macht gereimten und damit unernsten Hintergrund einzuführen, so als wenn man am Ende, und es war das Ende der Rede, dieses nicht vergessen darf zu sagen, ist nicht der Sache gemäß. Abzug! Dem was Vera Spillner zuvor sagt, P.Sl. kommt „sloterdijksch", kann ich nur zustimmen. Aber seine scheinbar grenzenlose Alchemie des Wortes verdient Beachtung. Gleiches gilt für die Gedankenfülle auf kleinem Raum.
die Suche nach dem verlorenen Grund
Entgrenzung und Globalisierung können nur entstehen, wenn Feindbilder schmelzen. Feindbilder sind zu Beginn der neunziger relativiert mit der Konsequenz, dass die Kraft der Konsensbildung durch Feinbilder ebenso schmolz. Was nun macht eine Nation und deren Zusammengehörigkeit aus? Kurz und bündig, auf 50 Seiten, geht P.Sl. diesem nach. Auf der Suche nach dem verlorenen Grund kommt P.S. auf zwei Dinge, einmal auf die „Rede an die deutsche Nation" des J.G Fichte 1806 in Berlin gehalten und zwar als a priori Rede vor der Bildung einer Nation. Und einem Datum, dem 9.November. Fichte sieht die Identität und Klarheit des Einzelnen als stabilisierenden Faktor der Gemeinschaft. Er schreibt in einer Geist und Herz ansprechenden Weise, die selbst heute - trimmt man die Sprache auf Neudeutsch - aktueller nicht sein kann. Dann: beginnend 1923 bis hin zu 1989, als „ein Volk durch die Wand ging" beschreibt P.S. Zusammenhänge deutscher Historie im Guten wie im Schlechten, immer über den 9. 11. Alles in eloquenter Zusammenführung und einer Kraft, die den Schmerz der Wortbildung nahezu heraushören lässt. P.Sl. kommt zur Welt durch Sprache und es scheint, dass dieses Geburtserlebnis immer wieder neu entstehen muss. Als aufgeklärter Mensch geht er hier über die Landesgrenzen an die Grenze der Aufklärung, bis zu Napoleon, der am 18. Brumaire in der Zeitrechnung der fr. Revolution den „Roman der Revolution" für beendet erklärt. Nun ist dieses Datum nichts anderes als ein 9. November (1799), und damit Bestandteil einer Argumentation zur Hinführung aller Gründe des Zusammen sein. Dieses Zusammen sein ist „psycho-akustischer" Art und damit ist Sprache ein Teil des Grundes. Aber es sind auch die Gründe darin verborgen, die alles, was man gemeinsam an verschiedenen Orten tun kann, wieder an mentaler und sinnlicher Übereinstimmung erzeugen können. Wenn Sprache dazu gehört, dann sicherlich auch die Literatur. Und hier muss man P.Sl. Schwäche testieren. Lyrik als eine Form des mit Macht gereimten und damit unernsten Hintergrund einzuführen, so als wenn man am Ende, und es war das Ende der Rede, dieses nicht vergessen darf zu sagen, ist nicht der Sache gemäß. Abzug! Dem was Vera Spillner zuvor sagt, P.Sl. kommt „sloterdijksch", kann ich nur zustimmen. Aber seine scheinbar grenzenlose Alchemie des Wortes verdient Beachtung. Gleiches gilt für die Gedankenfülle auf kleinem Raum.
Ein kleines Büchlein und ein interessanter Gedanke
Auf nur etwa 50 Seiten entrollt in diesem Werk Sloterdijk vor dem Leser die Frage, was denn eine "Nation" sei. Was macht eine Nation aus, warum empfinden Menschen sich als einer Nation zugehörig und wie wird eine Nation gegründet, wie hat sie Bestand?
Anhand des Datums des 9. Novembers, das für die deutsche und die französische Geschichte immer wieder von Bedeutung war, entwickelt Sloterdijk, dass Napoleons Wort von der "endlich beendeten Revolution" eigentlich fragwürdig ist; dass Revolutionen noch lange nach Napoleon immer wieder neu entstanden aus gesellschaftlichen Urgründen heraus, dass aber in der postmodernen Gesellschaft diese Revolutionen vielleicht doch ein Ende finden werden oder gefunden haben.
Daraus erwachsend dann entwickelt er weiter, dass Revolutionen, Diskussionen und Renten, also "Brot und Spiele" in einer Sprache, in einer Kultur und unter einer Medienherrschaft erst ein Volk zu einem Volk vereinen, erst eine Nationen begründen.
Das, was "alle" gemeinsam "diskutierenswert" finden, das vereint sie. Alle, die ein Thema diskutieren, die unter einer Stresssituation stehen, alle die zu gemeinsamen Spielen gehen, gemeinsame Renten empfangen, die gehören zu einer Nation - das also IST es, was eine Nation im modernen Sinne eigentlich ausmacht.

Ein interessantes Büchlein, dass zuvor ein Vortrag war und sich auch so liest, manchmal ein wenig allzu sloterdijksch, wenn ich das so sagen darf, insofern als man wieder viele blumige neukreierte Begriffe liest, aber wenn man ihm das verzeiht oder es vielleicht sogar mag und sich zu Hause fühlt in dieser Sprache, dann ist dieses Büchlein und der darin enthaltene Vortrag alles in allem sehr kreativ und interessant, allemal lesenswert und überlegenswert.

Books:

  1. Die postnationale Konstellation. Politische Essays
  2. Schwarzbuch Globalisierung
  3. Die Frau ist nicht der Rede wert. Aufsätze, Reden und Glossen.
  4. Mein Tagebuch 1998 - 2000
  5. Was ist was?, Bd.14, Versunkene Städte
  6. NSA. Die Anatomie des mächtigsten Geheimdienstes der Welt.
  7. Weites Land. Russische Erfahrungen. Russische Perspektiven.
  8. Mythos Liebe
  9. Kanak Sprak. 24 Mißtöne vom Rande der Gesellschaft.
  10. Die neuen Kreuzzüge. Die arabische Welt und die Zukunft des Westens

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