Ausgewählte Werke in Einzelausgaben, Bd.2, Cubanisches Tagebuch

Ausgewählte Werke in Einzelausgaben, Bd.2, Cubanisches Tagebuch similar items

Ausgewählte Werke in Einzelausgaben, Bd.2, Cubanisches Tagebuch


Authors: Ernesto Che Guevara, Ernesto Guevara, Horst-Eckart Gross
Catalog: Book
Media: Broschiert
Release Date: September 2006
Publisher: Pahl-Rugenstein Nachfolger
Ähnliche Artikel finden:
Kategorien - Biografien & Erinnerungen - Politik - Tagebücher
Kategorien - Lernen & Nachschlagen - Wissen nach Themen - Konzepte & Ideologien - Revolution
Kategorien - Politik & Geschichte - Überblick
Kategorien - Lernen & Nachschlagen - Wissen nach Themen - Länder & Regionen - Amerika - Kuba
Kategorien - Fachbücher - Geschichtswissenschaft - Staatenwelt - Mittelamerika - Kuba
Kategorien - Biografien & Erinnerungen - Überblick
Kategorien - Biografien & Erinnerungen - Nach Ländern & Kontinenten - Amerika
Kategorien - Biografien & Erinnerungen - Politik - Wichtige Politiker
Kategorien - Politik & Geschichte - Politik nach Ländern - Mexiko, Mittelamerika & Karibik
Kategorien - Politik & Geschichte - Geschichte nach Ländern - Mittelamerika & Karibik

Customer Review:
Der Alltag des Guerilla-Kampfes
Im „Cubanischen Tagebuch“ schildert Che Guevara seine Erlebnisse beim Guerilla-Kampf in Kuba, von der Landung auf Kuba mit dem Schiff “Granma“ bis zum Sieg der Rebellen..
Che Guevara mag zu DEM Mythos des Revolutionärs geworden sein, aber wer sich von dem Buch eine Art „Heldenepos“ erwartet wird überrascht sein: Guevara schildert die Ereignisse beinahe schon gnadenlos realistisch und ohne irgendwelchen Pathos.
Ein Beispiel: Gleich nach dem Auslaufen der „Granma“ aus dem mexikanischen Hafen bemerkt die Besatzung dass sie keine Medikamente gegen die Seekrankheit mitgenommen hat und so verbringen fast alle der 83 Besatzungsmitglieder und Kämpfer die ersten Tage damit sich zu Übergeben und mit bleichem Gesicht auf dem Boden zu liegen....

Aber auch seinen Mitkämpfern gegenüber hat Guevara ein sehr klares Verhältnis zur Wahrheit:
"Noch in der Nacht sprachen wir über die einzelnen Episoden des Gefechts....Aus statistischer Neugier notierte ich die Zahl aller Feinde die die Erzähler im laufe des Kampfes getötet haben wollten, und es kam mehr als die vollständige Gruppe heraus die auf der Gegenseite gekämpft hatte....Durch diese und ähnliche Erfahrungen erkannten wir unmissverständlich, dass Informationen durch mehrere Personen verbürgt sein müssen.
Wir verfuhren sogar übertrieben gewissenhaft und verlangten, dass Kleidungsstücke von jedem gefallenen Soldaten vorgelegt werden sollten, um ihn tatsächlich als Verlust beim Feind anzurechnen..."
Das Buch ist trotz seines Titels eigentlich nicht in Tagebuchform verfasst, sondern wird als durchgängige Geschichte erzählt.
Anfangs muss die Truppe vor allem, oft auf schmerzliche Weise, die Grundlagen des Guerilla Kampfes lernen: Woher bekommt man essen? Wie kann man sich vor Verrätern schützen? Wie geht man am besten gegen den Feind vor? Wie kann man in der Wildnis überleben? usw.
Nachdem sich die Truppe in der Sierra Maestra „festgesetzt“ hat müssen sie ersteinmal mehr Waffen und vorallem Munition beschaffen und es schließen sich ihnen auch neue Kämpfer an.
Ihre Kampfbereitschaft ist jedoch oft nicht die beste, da sie wenig Vorstellung davon haben was sie erwartet.
Einzelne Deserteure der Rebellen werden gar zu Räubern und begehen Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung. Diese ehemaligen Kämpfer werden systematisch verfolgt und exekutiert, denn schließlich kann man nicht auf Hilfe der Bevölkerung hoffen wenn man Verbrechen gegen sie begeht, und die Bauern der Region tragen einen großen Teil zum Erfolg der Rebellen bei.
Verwundete gegnerische Soldaten werden hingegen sogar (zumindest provisorisch) medizinisch versorgt und dann in den Dörfern gelassen, gefangene Soldaten werden so bald wie möglich freigelassen (sofern es sich nicht um berüchtigte hohe Offiziere handelte). Dieser Strategie schreibt Guevara ebenfalls einen Teil des Erfolges zu, denn Soldaten die wissen dass sie nach einer Gefangennahme weder gefoltert noch exekutiert werden, sind viel rascher bereit sich zu ergeben und werden nicht „bis zum letzten Atemzug“ kämpfen.
Die Beschaffung von Waffen und Munition ist ein ständiges Problem, denn praktisch jeder Schuss Munition und jede Waffe muss vom Gegner erbeutet werden. Wer seine Waffe zurücklässt muss eine neue erkämpfen:
„Ich antwortete in meiner gewohnt trockenen Art: „ Beschaff dir ein anderes Gewehr, in dem du unbewaffnet in die vorderste Linie gehst...wenn du dazu fähig bist.““
Guevara ist aber nicht nur anderen gegenüber kritisch, sondern auch selbstkritisch und es kommt durchaus vor das er eine damalige Vorgehensweise oder Strategie dumm und naiv findet, oder dass er auch selbst vor dem Feind den Rückzug antreten muss oder Niederlagen erleidet.

Insgesamt ist das Buch ziemlich spannend und flüssig zu lesen und enthält auch einige Anekdoten zum schmunzeln und oft ist es haarsträubend wie knapp (oft nur durch Zufall) Guevara, oder gar die ganze Truppe mit dem Leben davonkommt.
Als „Propagandabuch“ um Guerilla-Kämpfer zu werben ist es hingegen denkbar ungeeignet, denn jeder der das Buch gelesen hat wird es sich sicher 10 mal überlegen ob er solche Strapazen und Gefahren auf sich nehmen will.
Einziges Manko des Buches ist vielleicht dass das erfolgreiche Ende der Revolution nur wenig ausführlich beschrieben wird, der Grossteil des Buches berichtet von den Anfangsphasen des Kampfes, als die Truppe nur in der Sierra Maestra operierte.
Ausserdem ist die Karte die die Truppenbewegungen zeigt ein wenig unübersichtlich.

Trotzdem kann ich das Buch nicht nur Leuten empfehlen die sich für Kuba oder Che Guevara interessieren, sondern eigentlich jedem, der eine spannende Geschichte lesen will.
Zum Schluss noch eine kleine Anekdote aus dem Buch:
„Nach kurzer Zeit erschien Chicho Osorio [Einer der drei berüchtigten Aufseher der Batista-Armee im Gebiet]; Er war betrunken und saß auf einem Maulesel. Universio Sanchez [ein Guerillero] hielt ihn im Namen der Guardia Rural [der Batista-Armee] an....
Trotz unseres Spitzbubenaussehens, vielleicht dank der hochgradigen Trunkenheit des Subjekts, konnten wir Chicho Osorio täuschen.
Fidel Castro [Der damals noch nicht so bekannt war, dass er sofort erkannt wurde] sagte ihm mit entrüsteter Miene, er wäre ein Oberst der Batista-Armee, der gekommen sei, um zu untersuchen, aus welchem Grund man die Aufständischen noch nicht liquidiert hätte....es wäre „Mist“ was die Armee gegenwärtig zuwege brächte...Mit großer Unterwürfigkeit erzählte Chicho Osorio....dass die Posten nur essen und nicht handeln würden, dass sie nur unwichtige Patrouillen machten; er verkündete hochtrabend, dass man alle Aufständischen liquidieren müsse.
Diskret wurde damit begonnen, eine Bestandsaufnahme der Freunde und Feinde in dieser Gegend vorzunehmen, indem man Chicho Osorio über die Leute ausfragte, und das natürlich mit umgekehrten Vorzeichen; wenn Chicho sagte, dass jemand schlecht sei, hatten wir schon einen Grund ihn für Gut zu halten. So sammelten wir etwas über Zwanzig Namen....Fidel fragte ihn, was er mit Fidel Castro in dem Fall machen würde, dass er ihn zu fassen bekäme, und darauf antwortete er mit erläuternder Geste, dass man ihm die....zerquetschen müsse....Da hatte Chicho Osorio ohne es zu wissen, sein eigenes Todesurteil unterschrieben.“
Lebhaft und zum Teil sehr Selbstkritisch
Dieses Tagebuch von einer der erfolgreichsten Revolutionen des letzten Jahrhunderts geschrieben von einem Mythos ( Ernesto "Che" Guevara )ist eine fantastische und sehr realistische Darstellung eines Kampfes gegen ein Diktatursystem. Es steht für den Kampf einiger Patrioten gegen die Diktatur von Batista und somit gegen die Unterdrückung der Bauern in diesem Lande. Das Interessante an diesem Buch ist es, daß es von einem der populärsten Kämpfer der Cubanischen Revolution nämlich von keinem geringerem als dem Commandante der 4. Einheit selbst geschrieben worden ist. Er analysiert die Kämpfe ausgiebig und findet auch des öfteren Kritik an sich selbst und steht zu seinem Fehlverhalten und seinen Erfahrungen die er im Kampf in der Sierra Maestra gemacht hat. Dadurch ist dieses Buch der ehrlichste und unverfälscheste Bericht über den cubanischen Freiheitkampf

Books:

  1. Weltsichten - Weitsichten
  2. Wie der Dschihad nach Europa kam. Gotteskrieger und Geheimdienste auf dem Balkan
  3. Der Anarchismus. Ursprung, Ideal und Philosophie
  4. Was ist mit Kansas los? Wie die Konservativen das Herz von Amerika erobern
  5. Che. Die Biographie des Ernesto Guevara
  6. Mr. Riesa. In Deutschland gehtïs auch anders
  7. Der Begriff des Politischen. Text von 1932 mit einem Vorwort und drei Corollarien
  8. Ausnahmezustand.
  9. Geheimakte Mossad
  10. Lügen im Heiligen Land. Machtproben zwischen Euphrat und Nil.

Books

germanbooks88.com