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Kapitalismuskritik à la Ziegler
Jean Ziegler, geb. 1934, gelernter Jurist, später Soziologieprofessor, sozialistischer Parlamentarier, heute UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, ist ein umtriebiger Typ, der von einer Vision von einer gerechteren Welt getrieben ist. Dabei darf nicht ausser Acht gelassen werden, dass er auch ein grosser Egomane ist, der gerne im Zentrum steht und sich gerne reden hört. Dazu gehört auch der Zwang, die Sprache mittels kreativer Wortschöpfungen ("Dschungelkapitalismus" etc.) ständig neu zu erfinden. Die persönliche Seite ist wichtig, um Ziegler als Publizisten zu verstehen.
Seit seinem berühmten Buch "Eine Schweiz – über jeden Zweifel erhaben" (1976) schreibt Ziegler eigentlich immer über das gleiche Thema, die Ausbeutung der Dritten durch die Erste Welt und die Rolle von multinationalen Konzernen und Banken. Sein neues Buch "Die neuen Herrscher der Welt und ihre globalen Herrscher" erweckt den Anschein, dass Ziegler eine scharfe Analyse des Phänomens der Globalisierung abliefert. Dies ist leider nicht der Fall. Sein neues Buch gehört nicht zu seinen besten Pamphleten.
Der Ansatz von Zieglers Analyse ist originell. Er analysiert das globale Marktgeschehen mit den Begriffen der marxistischen Dogmatik. Dies ergibt eine dialektische Spannung, welche einiges zum Verständnis der globalisierten Wirtschaft hergibt. Leider ist Zieglers Analyse ziemlich oberflächlich, es fehlt die Tiefe. Ich hatte den Eindruck, dass Ziegler nicht wirklich viel zu sagen hat. Er beschränkt sich auf die Aneinanderreihung von kleineren Anekdoten und Beispielen, listet massenhaft Zahlen auf und zitiert ausgiebig fremde Autoren. Somit fehlt dem Buch etwas der rote Faden. Auch dialektisch ist Ziegler nicht so stark wie früher. Seine Wortschöpfungen ("Beutejäger", "Söldlinge") erscheinen so als reine Kraftausdrücke mit wenig Inhalt. Zudem kommt er auch sprachlich selten über einen mühsamen Dozenten-Stil hinaus.
Schliesslich fehlt dem neuen Buch die Brisanz, da er - offensichtlich durch frühere Prozesse eingeschüchtert - nicht mehr mit dem Zeigefinger auf die konkreten Bösen der Welt zeigt, wie etwa in "Die Schweiz wäscht weisser". Das Feindbild ist somit etwas diffus, so dass nicht wirklich klar ist, wer die Herrscher dieser Welt und deren Widersacher sind. Die Zusammenhänge werden nur wenig erhellt. Am Spannendsten fand ich die Kapitel, in denen Ziegler die Innenwelt von WTO, IWF und Weltbank skizziert.
Zieglers Buch liest sich relativ leicht, ist teilweise süffig geschrieben und gibt ein paar Hinweise, wie man die Globalisierung hinterfragen kann. Letztlich ist die Analyse doch zu oberflächlich, um wirklich Antworten auf die Globalisierung geben zu können.
Brillante Analyse der globalen Macht- und Finanz-Systeme
Der Schweizer Jean Ziegler, Mitglied der UN-Menschenrechtskommission, ist seit Jahren weltweit unterwegs und er verfügt über exzellente Kontakte bis in höchste Kreise. Der Kapitalismus- und Globalisierungskritiker hat vom Bankdirektor der Weltbank bis zum Häftling in einer Zelle im Hinterland von São Paulo mit Betroffenen gesprochen. In der Summe ergibt sich in diesem Buch ein ganzheitliches Bild der Welt, das weit mehr Aspekte erfasst als die Massenmedien vermitteln können.
Die Schieflage der Welt kennen wir alle: Reiche werden reicher, während der Großteil der Menschheit in Armut, zerstörter Umwelt und dem Krieg um Ressourcen versinkt. Ziegler analysiert verständlich die Hintergründe dieser Entwicklung. Sie gliedert sich in 4 Teile:
a) Geschichte der Globalisierung
b) Kapitalisten und die zerstörerische Gier nach Macht/
Steuerparadiese, nur die Armen zahlen Steuern
c) Machtorgane IWF, Weltbank, WTO
d) Neue planetarische Zivilgesellschaft - eine Revolution steht an
Auf folgende Forderungen arbeitet Ziegler in diesem Buch hin:
- 100% Schuldenerlass für Dritte Welt (Bildung statt Zinsen bezahlen)
- Einführung der Tobin-Steuer (Spekulationen auf Devisen einschränken)
- Abschaffung IWF (Spekulationsrisiken nicht auf Allgemeinheit abwälzen)
- Abschaffung WTO (Güterhandel wieder national kontrollierbar machen)
- Schließung von Agrar-Rohstoff-Börsen (keine Spekulation auf Nahrung)
- Unabhängigkeit der Zentralbank (Geldpolitik für das Volk, nicht nur Reiche)
- Schließen von Steuerparadiesen (normale Steuern auch für Reiche)
- Kartellämter stärken (Marktkonzentrationen verhindern)
- Verbot von Patenten auf lebende und genmanipulierte Organismen
- soziale und kulturelle Menschenrechte und Überführung in nat.Recht
- UNO-Rat für Soziales (ein Welt-Gremium für Welt-Probleme schaffen)
Die neuen Herrscher der Welt und ihre globalen Widersacher
Jean Ziegler, Soziologe an der Universität Genf, Autor mehrerer kritischer Politikbücher und derzeitiger Sonderberichterstatter der UN-Menschenrechtskommission für das Recht auf Nahrung, zeigt in seinem nun erschienenen Buch die Schattenseiten des modernen Kapitalismus auf und ruft damit zu einer weltweiten Gegenbewegung in Form einer weltweiten Zivilgesellschaft auf.
Seiner Meinung nach akkumulieren die Protagonisten des neoliberalen, weltumspannenden Kapitalismus grenzenlose Gewinne, korrumpieren und zerstören schrittweise den Nationalstaat, treiben Raubbau an der Natur und behindern die Entwicklung einer nicht unbeträchtlichen Anzahl von Menschen durch Mangelernährung und Verelendung.
Als Beispiele für seine These führt Ziegler an, dass alle sieben Sekunden irgendwo auf der Welt ein Kind unter zehn Jahren an Hunger stirbt und dass um die 820 Millionen Menschen chronisch und schwer unterernährt sind. Für ihn sind sie alle Opfer einer Weltordnung, deren Gesetze nur nach dem grenzenlosen Profit ausgerichtet sind.
Das Finanzkapital stellt mit der Umsetzung des Konzepts der Globalisierung eigene Gesetze zur fortschreitenden Verschmelzung der nationalen Volkswirtschaften zu einem kapitalistischen und einheitlichen Weltmarkt auf, um schlussendlich einen nach ihren Regeln funktionierenden Weltstaat errichten zu können. Bereits derzeit verfügt dieses von einem „supranationalen" zu einem Weltstaat in Transformation befindliche Gebilde über eigene Institutionen, die Einfluss in Politik und Verwaltung sichern und noch weiter ausdehnen, wie den internationalen Währungsfond (IWF), die Weltbank, die Welthandelsorganisation (WTO) und die Organisation für ökonomische Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Dabei verfolgen die Tätigkeiten dieser Organisationen samt der von den USA betriebenen Politik dieselben Ziele: Privatisierung und radikale „Verschlankung" des Staats und der Solidarsysteme, um die ganze Welt in eine Freihandelszone verwandeln zu können. Davon profitieren vor allem die 300 bis 500 mächtigsten Unternehmen der Welt, die bereits 25 Prozent des Weltsozialprodukts kontrollieren. Diese ungeheure Konzentration von Geld ermöglicht ihnen nationale Regierungen weltweit zu bestechen, Entscheidungsgremien inklusive der Justiz zu beeinflussen und die öffentliche Meinung zu ihren Gunsten einzunehmen. So beschreibt Ziegler, wie die Welthandelsorganisation (WTO) teils durch Erpressung, teils durch Korruption die Handelsinteressen der Mächtigen bei den Regierungen der armen Länder durchsetzt. Wenn die Ziele durch Erpressung und Korruption nicht erreichbar sind, wird auch zur offenen militärischen Gewalt gegriffen.
Zieglers Buch vermittelt ein Bild der derzeitigen globalen Herrschaftsform, wobei er in seiner Darstellung ausschließlich nur zwischen Gut- und Bösmenschen unterscheidet. Dadurch ist für Zwischentöne nicht sehr viel Platz. In seiner Analyse demaskiert Ziegler die globalen Profiteure einer privatisierten Welt, analysiert ihre Sprache und prangert ihre menschenverachtenden Methoden an. Auf alle Fälle bildet dieses Buch eine Diskussionsgrundlage für eine differenziertere Haltung gegenüber der viel gepriesenen Globalisierung.
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