Customer Review:
Ein wichtiges Buch, leider teilweise ausschweifend.
Als ich mir ein Buch mit dem Titel "Die Kraft des Neubeginns", noch dazu von einem bekannten Vertreter der deutschen Wirtschaft zulegte, hatte ich inhaltlich Anderes erwartet.
Dieses Buch entpuppte sich als eigenartiger Genremix aus Roman, Autobiographie, Geschichtsstunde, politisch anklagendem Meinungsartikel - und - leider zu knapp, dem von mir eigentlich Erwarteten: politischem Zustandsbericht mit Lösungsstrategien.
Hervorzuheben ist Henkels ausgesprochen angenehmer Schreibstil, der mit verständlicher Sprache und feiner dramatischer Sensibilität zum weiterlesen anregt. Nur gelegentlich gleitet er in deutliche Polemik ab, was aber zumindest dem Unterhaltungswert nicht abträglich ist.
Als eher unangenehm fiel mir der übertrieben lange und viel zu tiefe und intime Einblick in die Kriegserlebnisse seiner Eltern auf: Diese fast 100 Seiten, basierend auf privaten Briefwechseln ("Mein geliebtes, süßes Herz..") haben mit der vorgegebenen Thematik des Buches bestenfalls am Rande zu tun.
Auffällig ist ebenfalls die deutliche Neigung des Autors zur Selbstdarstellung. Auch wenn es mich mit Erstaunen erfüllte, was Henkel schon alles bewegt, wen er schon alles getroffen haben soll, weite Strecken des Buches dienen wohl nur dazu, dem Autor beim Leser Glaubwürdigkeit bzgl. der eigentlichen Thematik einzuräumen, anstatt von Anfang an auf den Punkt zu kommen.
Im Laufe des 400-seitigen Buchs gibt sich Henkel mit nicht weniger zufrieden, als sich neben seiner unbestrittenen wirtschaftlichen Kompetenz zusätzlich als Dichter, Historiker, Musikexperte, Erlebniserzähler, Kunstkritiker und Staatsrechtler darzustellen (keine Garantie auf die Vollständigkeit dieser Aufzählung).
Aus diesem Wunsch des Autors, sich als Universalgelehrter zu präsentieren, erwächst das Hauptproblem des ansonsten überaus lesenswerten Buches, der für mich zum Punktabzug führt:
Hätte man das Buch auf die durch Titel und Klappentext vorgegebene Kernthematik beschränkt, wäre man mit weit weniger als 200 Seiten ausgekommen.
Allerdings, und das muss man dem Buch zu Gute halten, wäre damit der recht hohe Unterhaltungswert nicht Zustande gekommen.
Recht und Recht haben
Ein Freund hat mich auf dieses präzise recherchierte und beeindruckende Buch hingewiesen und wir haben es dann immer wieder Artikelweise eingehend diskutiert.
Ich glaube, dass hier ein absolut ehrlicher Mann schreibt, den vor allem Wahrheitsliebe auszeichnet.
Das zeigt sich schon bei der Schilderung seiner Kinder- und Jugendzeit und der tiefen Verbundenheit mit seinen Eltern.
Wie sein scharfer Verstand die Fakten und Zusammenhänge sieht und analysiert ist in dem Buch leicht verständlich und spannend wieder gegeben. Details aus der Vergangenheit werden wieder gegenwärtig und man kann nur sagen, dass er einfach Recht hat.
Diesen Eindruck hat er übrigens schon in diversen Diskusionen,
so wie bei Sabine Christiansen, vermittelt.
Dass die "Rot-Grünen Bemühungen" ein wenig in Bausch und Bogen
verdammt werden, ist nach seinen Recherchen nur logisch.
So ist aus dem "Saulus" Joschka bis heute kein "Paulus" Joseph geworden, und die Beurteilung der Minister Trittin oder Kienast
und das dubiose Verhalten der anderen, namentlich genannten
und sogenannten Politiker, trifft doch den Nagel auf den Kopf.
Alle Wähler sollten das Buch lesen und die darin gemachten Vorschläge schleunigst realisiert werden - es ist schon nach 12.00. Aber vielleicht geht unsere Uhr ja etwas vor!
Thema verfehlt
Bereits etliche Male habe ich Herrn Henkel im Fernsehen erlebt und war überwiegend angetan von seiner Argumentation. Mit dieser Erwartung las ich auch sein Buch. Viele Dinge kann ich mit ihm teilen, nicht aber die permanente Diskreditierung aller Vertreter von Rot-Grün und schonende Behandlung der Opposition. Unter dem Titel "Die Kraft des Neubeginns" erwarte ich realistische Lösungsvorschläge, auch Kritik, aber wenn schon, dann bitte konstruktiv und nicht destruktiv.
Die erwartete "Kraft des Neubeginns" erschloss sich mir nicht.
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