Customer Review:
Die Grundthese ist anfechtbar, die hohe Qualität des Stoffes nicht
Kaum eine Publikation der letzten zehn Jahre verursachte auf dem Parkett der Sozialwissenschaften so viel Furore, wie Samuel P. Huntingtons Kampf der Kulturen.
Huntingtons Grundthese lautet, dass es mit Beginn des 21. Jahrhunderts vor allem Konflikte entlang der unterschiedlichen Kulturkreise, Zivilisationen geben würde. Provokativ erscheint Huntingtons Ansatz vor allem auch deshalb, weil er unterschiedliche Zivilisationen untersucht und dabei oftmals zu unliebsamen Urteilen kommt.
Die diversen Statistiken und Ausführungen Huntingtons unterstreichen dabei die schwindende Welthoheit des Westens. Die islamische Zivilisation, so der Autor, sei hingegen aufgrund seines stark steigenden Bevölkerungszuwachses auf dem Vormarsch, der Islam bald die führende Weltreligion. Der sinische Kulturkreis (China) sei laut Huntington der mit der größten Zuwachsrate auf ökonomischem Terrain, was die Mächtebalance neu ordnen würde (Zitat:Analytiker vergleichen das Auftreten Chinas mit dem Aufstieg des wilhelminischen Deutschland zur dominierenden Macht in Europa Ende des 19. Jahrhunderts.
Viele Aspekte die der amerikanische Politikwissenschaftler in seinem Buch aufgreift, wurden bei Erstveröffentlichung (1996) kontrovers diskutiert. Zehn Jahre nach dem erscheinen hat sich mancherlei Kritik dabei als berechtigt entpuppt, so vermag Huntingtons Version der unterschiedlichen, gegnerischen Kulturkreise nicht zu erklären, warum sich gerade interkulturelle Bündnisse auftun (Lateinamerika und Islam) und in kohärenten Kulturkreisen offene Wertediskrepanzen zu Tage treten (Westen USA und Europa).
Trotz der durchaus anfechtbaren und diskussionswürdigen Einteilung von Konflikten in Kulturkreise, ist Huntingtons Lektüre in vielerlei Hinsicht als gelungen zu bezeichnen.
Die dargebotenen Statistiken sind anschaulich und die von ihm gezogenen Schlüsse und Erkenntnisse oftmals interessant und zutreffend. Zum Beispiel, dass sich die meisten Konflikte entlang des islamischen Kulturkreises abspielen würden, erweist sich spätestens seit dem 11. September als nicht ganz falsch.
Wie gesagt, das vorliegende Buch muss man kritisch angehen, man muss Huntington auch nicht in allen Punkten zustimmen, aber gelesen haben sollte man sein Werk dennoch, gerade in Anbetracht seiner Aktualität.
Huntington, Kampf der Kulturen
Die Idee, alles an "Kulturkreisen" aufzuhängen, ist nicht neu.Und zumindest für den Großraum ASIEN ist sie verfehlt. Da gebe ich dem letzten Rezensenten aus vollem Herzen recht.-
Für übertrieben halte ich freilich auch die Trennung zwischen "byzantinischer Orthodoxie" und "Rom"und ihren politischen Folgen.Das Volk in Ost und West weiß -vielleicht unbewußt- , daß das vor über 1000 Jahren ein Streit um Worte unter Theologen war,der sie nichts anging.- Millionen deutscher Kriegsgefangener, die aus der damaligen SU freikamen, haben in der Heimat erklärt, sie bedauerten, gegen ein solches Volk-das russische-Krieg haben führen zu müssen.-Das war keine Lüge!- Ich glaube, daß Russland mittelfristig an die Seite des "Westens" gedrängt wird, schon durch das massive Eindringen von Chinesen nach Ost-Siberien, das H.eindrucksvoll beschreibt.-
Und der "Westen"-Europa- braucht Russland, schon wegen seiner begabten Menschen und wegen seiner Bodenschätze.-Ich möchte mal überspitzt sagen: Russland-auch sein großer asiatischer Teil- gehören zu Europa.Es ist lachhaft, wenn H. einen Antagonismus -einen politischen- aus Ost-und Westkirche fabriziert.-
Gewiß sind die USA von Europa besiedelt worden. Aber: Uns Europäern steht das Hemd näher als der Rock, will heißen, Russland ist unser "Hemd". -Die USA sind im Grunde allen Europäern fremd, selbst den Briten.-Und das versteht nicht einmal ein so gebildeter Mann wie H., der immer noch vom "WESTEN" redet, den es schon lange nicht mehr gibt-Ich wiil sagen: Die USA sind eine Weltmacht, im Alleinstand, und ohne jeden Verbündeten. Wie lange mag das gutgehen ?
realistische Ausarbeitung der Beziehungen zwischen Kulturen
Aus aktuellem Anlaß habe ich mich diesem Buch gewidmet. Zuerst hatte ich Respekt vor scheinbar schwer verdaubarer Substanz.Doch schon bald musste ich dies als Vorurteil abtun.Das Buch ist über 500 Seiten stark und auf keiner einzigen Seite kam das Gefühl von monotonie oder langeweile auf.Ganz im Gegenteil.Das Buch liest sich wie eine gigantische Ausarbeitung über das Miteinander und Gegeneinander der Kulturen in der Vergangenheit und im Jetzt und gibt,auf den Erfahrungen der Vergangenheit basierend,Ausblicke für die Zukunft.Seine Thesen belegt Huntington mit zahlreichen historischen und aktuellen Beispielen,ohne jedoch den Leser mit zu vielen Fakten zu Überlasten.Das Werk ist leicht verständlich geschrieben und trägt doch so viel zum Verständnis der Problematik der verschiedenen Kulturen bei.Dabei steht schon der christliche Westen und der Islam im Vordergrund, doch kommen die anderen Weltreligionen(Orthodoxie,Hinduismus,Buddhismus,Konfuzianismus,Taoismus, Judentum)und deren Verwicklungen in- und miteinander in keinster Weise zu kurz.Nie ergreift Huntington für eine Religion Partei,sondern gibt all seine Argumente gestützt durch blanke Fakten aus den letzten Jahrhunderten wieder.Sein Buch ist aus 5 großen Kapiteln aufgebaut:
1.Welt aus Kulturen
2.Verändertes Gewicht der Kulturen
3.Kommende Ordnung der Zivilisationen
4.Konflikte zwischen Kulturkreisen
5.Die Zukunft der Kulturen
Darin nehmen die Ausarbeitungen über das mehr und mehr erstarkende China, das zerfallende Rußland, der arabische Raum ohne Kernstaat oder der Westen mit den USA als Führungsmacht einen großen Platz ein. Doch auch das Menschenreiche Indien,der ostasiatische Raum,die Unentschlossenheit Japans(USA oder China?),die Stellung Australiens,das verarmte Afrika und nicht zuletzt Süd- und Mittelamerika werden ausführlich analysiert.Auch gerade heute aktuelle Themen wie Kampf um Öl,Kernwaffen,vergrößerung der EU,Massenflucht von Menschen oder der Wegfall von Kriegen bisher gekannter Art(Nationen gegeneinander)hin zu Terrorismus hat Huntigton in seinem Buch zum Thema gemacht, und mehr als ein mal musste ich mich versichern, dass das Buch schon 10 Jahre alt ist, es also noch keinen 11.9.,Atomstreit oder Irakbesatzung gab.
Für Leute die sich für diese Thematik interessieren(und das sollten eigentlich alle) kann ich dieses Buch nur empfehlen.Es ist sehr lehrreich(durch die historischen und aktuellen Fakten)ohne belehrend zu wirken, es ist sehr interessant geschrieben und es gab mir viele Denkanstösse.
Books: