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Diagnose der Gegenwart - wenig erbaulich aber ungemein packend
Scholl-Latour: Kampf dem Terror - Kampf des Islam?
"Das Abendland ist heute immer noch immens reich, aber es ist schwach. Ihm fehlt die moralische Substanz zur dezidierten Selbstbehauptung" schreibt Peter Scholl Latour auf S. 48 des vorliegenden Buches. Die politische Klasse ist vollkommen ahnungslos, die Bevölkerung Europas schrumpft, die Energieversorgung wird immer unsicherer, und rund um beginnen die demographisch expandierenden muslimischen Völker ihren Wanderzug nach Europa. Wie man unter diesen Umständen allen Ernstes mit der Türkei über einen EU-Beitritt verhandeln und junge deutsche Wehrpflichtige in den Hexenkessel Afghanistan werfen kann, ist für Scholl Latour unverständlich Aber was soll's "Im Abgrund der Geschichte ist Platz für alle", schreibt der Autor, und wie um dieses Valéry Zitat zu Illustrieren, führt er den Leser in seinem neuen Buch die Abgründe der Gegenwart entlang durch die Krisenherde der Welt. Dass der Zusammenprall der Zivilisationen keine Mär sondern längst Wirklichkeit ist, wird an zahlreichen Beispielen aus Afghanistan, Irak, Israel Indien/Pakistan, Usbekistan und China dargestellt, wobei es zu den Hauptvorzügen des Buches gehört, die landauf und landab heruntergebeteten Gemeinplätze der politischen Correctness am Detail zu widerlegen. Nationlbuilding in Afghanistan mit europäischer Hilfe? In Wahrheit handelt es sich bei dem Karzai Regime um eine US-Marionettenregierung, deren Mitglieder sich herunter bis zum unbedeutendsten Hilfspolizsiten auf Kosten der Bevölkerung bereichern. El Qaida, eine Terrororganisation, die die freie Welt bedroht? Aber auch ein Geschöpf der unseligen Clinton-Administration, die im Dienste der US-Ölinteressen die Taleban aufbaute und mit El Kaida eine Art plantarisches "Frankenstein Monster" ( S. 65- 68) schuf. Der Beitritt der Türkei eine Brücke der Kulturen? In Wahrheit der endgültige Sargnagel zur Selbstaufgabe Europas (S. 51ff.). Friede im Heiligen Land durch Verhandlungen und "Road Map"? Nicht mit der Hamas und der Hisbollah, gegen deren Selbstmordattentäter das erschlaffte Israel keine wirklichen Abwehrmittel besitzt. Koexistenz mit China, der künftigen Weltmacht? Nur so lange, wie China nicht mächtiger als seine Partner ist. Aber wohin treibt dei Welt, mag man Ende dieses imponierenden Buches fragen? Was ist mit den Vereinigten Staaten? Wird es den USA als Vormacht des Westens gelingen, die einmal errungenen Niveaus der Aufklärung und der Menschenrechte, der Demokratie, der Freiheit und der Mark twirtschaft zu erhalten?. Scholl Latours Antwort dazu ist zwiespältig. Nach seinem Urteil sind die USA noch immer unvergleichlich vitaler als das kränkelnde Gutmenscheneuropa, das seine moralische Inferriorität in hilflosem Antiamerikanismus austobt (vgl. 31ff.), es besitzt einen festen religiösen Rückhalt, auch wenn der Autor von der Religiosität Präsident Buschs alles andere als begeistert ist. Noch immer zieht Amerika zu seinem Nutzen die Talente der Welt an sich ( absolut lesenswert dazu Seite 351), in dem es den Begabten der Erde die Chancen gibt, die sie brauchen Auf der anderen Seite ist die große unilaterale Weltmacht USA dabei, unter der gänzlich unfähigen Regierung Bush sich überall einzumischen, sich zu verzetteln, was das Land weltweit derart in Misskredit bringt, dass man mit Anitaamerikanismus in Europa Wahlen gewinnen kann. So schwächt das große Land sich selbst für die entscheidende Auseinadersetzung der Zukunft, für den Augenblick, wenn der chinesische Koloss in absehbarer Zukunft den ersten Rang baanspruchen wird.
Man sieht, es sind keine erfreulichen Nachrichten, die der Autor seinen Lesern präsentiert, aber es sind Nachrichten, die den Vorzug haben, der Welt eine kompetente und realistische Diagnose zu stellen - wobei man gar nicht weiß worüber man sich als Leser mehr wundern soll: über die Nähe des Autors zu den tatsächlichen Geschehnissen, über die geradezu alteuropäische Bildung, mit der es Scholl Latour versteht, auch die großen weltgeschichtlichen Linien zu ziehen oder über den brillanten Mix aus Reportage, Charakteristiken und Reflektionen, die das Buch von der ersten bis zur letzten Seite auszeichnen.
Informativ & Unterhaltsam
"Kampf dem Terror - Kampf dem Islam?" ist ein sehr informatives und gleichzeitig unterhaltsames Buch. Durch die interessanten und fesselnden Berichte seiner diversen Reisen in die jeweiligen Regionen gibt Peter Scholl-Latour der Materie einen spannenden Beigeschmack. Auch seine Exkurse in die Geschichte sind nicht nur unterhaltsam, sondern auch sehr aufschlussreich und zeugen von einem großen Hintergrundwissen. Auf diese Weise beleuchtet er in seinem Buch verschiedene Krisenherde dieser Welt und zeigt gekonnt aktuelle Probleme, aber auch mögliche zukünftige Konfliktpotentiale auf.
Dieses Buch ist auf jeden Fall empfehlenswert, nicht zuletzt auch weil nicht viel Vorwissen zum Verständnis erforderlich ist.
Standardwerk für den geopolitisch interessierten Leser
Peter Scholl-Latour stellt mit diesem Buch wieder einmal seine Brillianz in der Analyse geopolitischer und strategischer Zusammenhänge dar. Besonders sein Wissen über die Kultur islamischer Staaten, welches er durch sein Studium in Beirut und seinen zahlreichen Auslandsaufenthalten in Staaten mit stark islamischer Prägung sich aneignen konnte, erklärt dem interessierten Leser viele historische Hintergründe welche einem sonst unerklärt blieben. Objektiv und sachlich schildert Scholl-Latour die Situation der USA im "globalen Kampf gegen den Terror" und die durch ihre Handlungsweise sich zwangsläufig auftuenden Konsequenzen. Auf Grund der unkomplizierten und leicht verständlichen Schreibweise von Peter Scholl-Latour ist dieses Buch ein Standardwerk für alle geopolitisch Interessierte.
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