Customer Review:
Sachbuch - aber spannend wie ein Krimi
Habe kaum je so ein spannendes Sachbuch gelesen!
Die 800 Seiten Dicke sollten einen nicht abschrecken lassen.
Als '69er Jahrgang habe ich zwar während meiner gesamten Kindheit und Jungend immer wieder die ganzen Namen gehört, aber
wie was zusammenhängt, und was dahinter steckt, habe ich erst
jetzt verstanden.
Auch wenn einige Details wohl eher der Phantasie des Autors entsprungen sind, als wirklich historisch belegt zu sein, so habe ich doch den Eindruck, daß hier die ganze Geschichte relativ neutral und immer auch von mehreren Standpunkten aus beleuchtet wird.
Der Autor lässt sich sehr genau über persönliche Werdegänge und Hintergründe zu den Tathergängen aus; und dabei schreibt er in einem superspannenden Stiel!
Fazit: Wen das Thema irgendwie interessiert, sollte dieses Buch unbedingt lesen!!!
Erwartung erfüllt
Der ehemalige XY-Moderator Peters wird sehr häufig als dem konservativen Spektrum nahe stehender Autor charakterisiert. Ich vermag das nicht zu beurteilen und orientiere mich lieber an seiner vorliegenden Auseinandersetzung mit dem Phänomen der Stadtguerilla. Anders als Pflieger, der eine nahezu kalendarische Aufbereitung der Aktionen der RAF veröffentlichte und sich einer persönlichen Wertung der Ereignisse gänzlich enthielt, geht Peters einen Schritt weiter und nähert sich mehr vorsichtig als forsch der Psychologie dieser Phase. Dabei charakterisiert er wenig spekulativ die Protagonisten einer von beiden Seiten mehr als histerisch gestalteten Zeit.
Wir erinnern uns an die auf Widerstandsrechte beharrenden Terroristen auf der einen- und an eine panisch reagierende politische Klasse auf der anderen Seite, die die Republik mit Radikalenerlassen und überzogenen Anpassungen der Strafprozessordnung überzog.
Dabei unternimmt Peters auch den schwierigen Versuch, aus den Biografien der RAF-Mitglieder Gründe für ihren Gang in den Untergrund abzuleiten. So wie es Aust misslingt, eine ideologische Hochwertigkeit der ersten Generation der RAF zu vermitteln, gelingt es auch Peters nicht das Rätsel der kollektiven Militanz zu lösen. Aber kann man das ? Zunächst einmal gelingt es auch diesem Buch, in aller Ausführlichkeit einen zeitlichen Überblick über die zugrunde liegende Phase zu verschaffen. Auch in diesem Buch werden die vorliegenden Ermittlungsakten zitiert und Tatbeteiligungen einzelner nur ausgeführt wenn sie beweisbar sind. Zeitzeugen werden vorsichtig zitiert und Polemik in die eine oder andere Richtung entfällt gänzlich.
Vor diesem Hintergrund erscheint das Buch als "eine" der wesentlichen Aufarbeitungen dieser Ära - als eine aber nicht als einzige.
Interessant, aufschlussreich und schockierend
Der Begriff „Terrorismus" war in Deutschland noch nicht bekannt, als die RAF mit ihren ersten„Aktionen" begann. Einige Zeit später war dieses Wort in aller Munde. Keine terroristische Vereinigung hat Deutschland je so im Atem gehalten wie die Rote Armee Fraktion - fast dreißig Jahre lang verbreitete sie mit Entführungen, Morden, Anschlägen und Überfällen Angst und Schrecken.
Fast jeder kennt das schwarz-weiße Bild, auf dem Hans Martin Schleyer zu sehen ist, über ihm das Logo der RAF, er mit einem Schild in der Hand, auf dem mit Filzstift geschrieben steht „Gefangener der RAF". Was Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Ulrike Meinhof begannen, führten ihre „Kinder" und „Enkel" fort - bis zur Selbstauflösungserklärung 1998. Gerade diese drei sind, weil sie eben die führenden Köpfe und gleichzeitig die „Gründerväter" der RAF waren, die bekanntesten Mitglieder der Roten Armee Fraktion. Doch schon sehr bald übernahmen andere die Führung...
Butz Peters liefert mit seinem Buch „Tödlicher Irrtum" einen überaus detaillierten und interessanten Einblick in die Geschichte der RAF. Vom Anfang bis zum Ende. 800 Seiten berichten über die RAF, gegliedert nach Generationen. Insgesamt drei Generationen gab es bei der RAF: die erste Generation, die Gründer, zu der Baader, Ensslin und Meinhof zählten, wollte eine Revolution in Deutschland auslösen. Die zweite Generation wollte mit Anschlägen und Morden die Häftlinge der ersten Generation freipressen. Die dritte Generation führte den Kampf für eine Revolution fort -bis zu ihrer Selbstauflösungserklärung 1998.
Butz Peters hat sein Werk mit zahlreichen interessanten Bildern, Dokumenten und Schaubildern gespickt, die anschaulich die Geschichte der RAF unterstreichen. Gleichzeitig beleuchtet er die Hintergründe der einzelnen Terroristen, spricht über deren Kindheit und Jugend und kommt auch auf eher unbekannte Dinge zu sprechen. Die große Seitenzahl mag zwar abschrecken, ist aber notwendig, um alles, was um die RAF herum geschah, detailliert und genau zu erfassen.
Teilweise schockierend, teilweise überraschend und sehr aufschlussreich wird hier ein erschreckendes Bild der RAF geliefert - und zeigt bereits bekannte Menschen in einem ganz anderen Licht, so die hohe Verantwortung, unter der Helmut Schmidt damals stand, aber vor allem Otto Schily, der den Terroristen um Baader als Verteidiger hilfreich zur Seite stand und einige ihrer Aktionen sogar befürwortete (!).
Geschichtsinteressierte oder neugierige Leser, die ein wenig mehr über die RAF erfahren wollen oder nur die Begriffe Landshut-Entführung, und Schleyer-Entführung mit der RAF verbinden, liegen hier richtig. Das Buch ist wirklich empfehlenswert und liefert ein unheimlich interessantes Bild der größten deutschen terroristischen Organisation.
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