Lern- und Arbeitsbuch Entwicklungspolitik

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Lern- und Arbeitsbuch Entwicklungspolitik


Authors: Franz Nuscheler
Catalog: Book
Media: Broschiert
Release Date: September 2004
Publisher: Dietz, Bonn
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Customer Review:
Guter Überblick, aber ....
Der Schreibstil des Buches ist alles andere als lehrbuchhaft. Man hat den Eindruck, einen 600 seitigen Artikel im Spiegel – ohne Werbung, Fotos und biographischen Einsprengseln – zu lesen. Dies wirkt zunächst überraschend, erleichtert aber die Lektüre und macht die Ansichten des Autors offenkundig, die bei einem „gelehrten“ Stil sich zum Ergebnis objektiver wissenschaftlicher Erkenntnis verwandeln können.
Inhaltlich deckt das Buch alle für die Entwicklungspolitik relevanten Bereiche unter übersichtlicher Darstellung der jeweiligen Meinungsstände ab. Auch für den Laien bietet das Buch einen gut lesbaren Einstieg in das komplexe Thema.
Entwicklungspolitik ist disziplinübergreifendes Fach, schöpft ihre Erkenntnisse/Thesen auch aus dem Bereich der Naturwissenschaften (z.B. Ökologie) und der Sozialwissenschaften (z.B. Ökonomie). Insofern merkt man dem Werk an, dass der Verfasser sich das Wissen aus anderen Fachbereichen zwar anlesen, aber nicht unbedingt verinnerlichen und dementsprechend auch nicht vollständig oder korrekt wieder gegeben wird oder wichtige Gesichtspunkte außer Ansatz bleiben.
Z.B. wird der Begriff der „komparativen“ Kosten verwendet, um die derzeitigen Strukturen im Welthandel, der die Entwicklungsländern weitgehend ausschließt und nur gering mit dem Binnenmarkt im Entwicklungsland vernetzt ist, zu erklären. Komparative Kosten spielen bei der internationalen Arbeitsteilung nur dann eine Rolle, wenn zwei Länder die in Rede stehenden Güter jeder für sich produzieren kann, aber aufgrund begrenzter Ressourcen die Produktion eines Gutes mit einer Einschränkung der Produktion anderer Güter verbunden ist. Diese Situation ist nicht gegeben, wenn bestimmte Rohstoffe in einem Land nicht verfügbar sind bzw. nicht erzeugt werden können (z.B. Kaffee, Tee u.a.) oder wenn ein Land – dies trifft für die meisten Entwicklungsländer mit ihrer hohen Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung zu – genügend Ressourcen zur Produktion weiterer Wirtschaftsgüter aktivieren könnte. Auf der anderen Seite wird nicht erkannt, dass eine internationale Arbeitsteilung dazu führt, dass das das technologisch höherwertige Produkt herstellende Land mehr Wissen akkumuliert als sein Handelspartner (ausgehend von Ricardos Beispiel. Der Tuchhersteller England wurde zur weltgrößten Industriemacht, während der Weinproduzent Portugal ein armes Agrarland blieb).
Das Buch schließt mit einem verhalten optimistischen Ausblick: Wenn alle Menschen anständiger sind, wird die Welt auch eine bessere werden. M.E. kann man die Frage nach einer Zukunft der Dritten Welt nur beantworten, wenn man von einem egoistischen Handeln der Akteure (Erste Welt, ihre Organisationen und Bewohner sowie die Eliten der Dritten Welt) ausgeht und die Fragen stellt: Welches Eigeninteresse haben die Genannten an einer (wie auch immer gearteten) „positiven“ Entwicklung der Dritten Welt; wie ist dieses Interesse zu bewerten; was kosten die Entwicklungsmaßnahmen; - wenn die Kosten geringer sind als die Vorteile - warum werden sie nicht investiert und wie kann man diese Investitionshindernisse beheben ?
Kritischer Wurf auf ein weites Feld
Franz Nuscheler ist mithin noch einer der wenigen kritischen Idealisten auf dem Gebiet der Entwicklungspolitik, was das Buch trotz des Umfanges zum erfrischenden Werk macht. Anstatt entwicklungspolitische Floskeln zu wiederholen und auf zynische Bocksgesänge einzustimmen, werden hier gängige Mythen demontiert (Überbevölkerung, Tragfähigkeit der Erde, Neue Weltordnung, staatliche Entwicklungshilfe, etc.) und deterministischen Theorien eine Absage erteilt, da die Nord-Süd-Problematik mit politischem Willen durchaus schneller lösbar wäre als es jetzt angegangen wird. Dies wird z.B. deutlich, wenn Nuscheler in einigen Bereichen auf die entwicklungsfeindliche Politik des IWF-Strukturanpassungsprogramme hinweist, die deutsche Entwicklungspolitik zeitlich, personell sowie inhaltlich auseinanderfaltet oder die Rahmenbedingungen des internationalen Handels für die Dritte Welt nachzeichnet. Dadurch ergibt sich ein differenziertes Bild auf die Situation des Südens, da wirkungsvolle Entwicklungspolitik in maßgeblichem Anteil im Norden angesetzt werden muß. Das bedeutet aber auch, daß dadurch potentiell wirkungsvolle Ansätze entstehen, die dem zynischen Pessimismus bezüglich der Dritten Welt die Stirn bieten. Gerade in Zeiten, wo der Süden mehr und mehr aus der öffentlichen Diskussion verschwindet, Handlungsspielraum und Artikulationsmöglichkeiten der armen Länder eingeschränkt oder im Norden Mittel der "Entwicklungszusammenarbeit" gekürzt werden, bedarf es kritischer Parteinahme für eine progressive Südpolitik. Hierzu meint Nuscheler, daß sie aus der "ärgerlichen Ecke der Mitleidspolitik" herausgeholt werden muß, da sie langfristig im eigenen Interesse der Industrieländer liegt. Zur Form ist zu sagen, daß das Buch in 22 Kapitel geteilt ist, die durchaus quer gelesen werden können, da sie in sich weitgehend geschlossen sind (eben ein Arbeitsbuch). Jedes Kapitel faßt die wichtigsten Punkte des Bereiches zusammen, so daß sich die Argumentation oft im Rahmen einer kritischen Würdigung vorgestellter Thesen bewegt, insgesamt aber durchaus flüssig zu lesen ist. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
Standardwerk
Das Buch für jeden, der sich über Entwicklungspolitik informieren will - ob als Hobby oder als ernster Student / Profi. Franz Nuscheler erklärt in diesem Buch über Zusammenhänge auf, die in der politischen Tagesdiskussion über Entwicklungspolitik im Dunkeln bleiben. Es werden Begriffe erklärt, die historischen Abläufe dargestellt und die aktuellen Nord-Süd Probleme sowie Krisen in der 3. Welt analysiert.

Das Buch wurde 1996 gründlich überarbeitet und geht daher auch auf aktuelle Trends und Entwicklungen ein, insbesondere die Änderungen in den Beziehungen der entwickelten zur dritten Welt seit dem Ende des Kalten Krieges.

Ich persönlich stimme mit dem Buch nicht in allen Punkten überein, halte es aber für eine gute Darstellung der "linken" Positionen zur Entwicklungspolitik. Von daher ist es für jeden, der sich mit dem Thema ernsthaft beschäftigen will, geradezu unentbehrlich zu lesen. Es stellt auch in allen Veranstaltungen zu diesem Thema, die an der Uni Leipzig angeboten werden, ein zentrales Buch da. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)

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  2. Volle Deckung, Mister Bush. Dude, where's my country?
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